
Bei schwachen Vorgaben aus Asien hat der Dax am Freitag im frühen Handel etwas nachgegeben. Die KI-Rally an den Börsen wird zunehmend ausgebremst. Zuletzt verlor der deutsche Leitindex 0,16 Prozent auf 24.904 Punkte und entfernt sich damit weiter von der runden 25.000-Zähler-Marke, an die er sich in dieser Woche noch herangewagt hatte.
Der MDax mit den mittelgroßen Börsenunternehmen sank am Freitagmorgen um 0,49 Prozent auf 32.640 Punkte. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es um 0,5 Prozent nach unten.
Marktanalyst Timo Emden von Emden Research verwies auf den anstehenden Börsengang von SpaceX, der zum ersten großen Stresstest für die KI-Rally werden dürfte. "Die Platzierung könnte zum Gradmesser werden, wie viel Risikokapital nach Jahren der KI- und Technologierally noch mobilisiert werden kann." Anleger könnten in den kommenden Handelstagen Risikokapital umschichten und zusätzliche Liquidität zurückhalten.
Am Nachmittag steht in den USA der Arbeitsmarktbericht für Mai an. Ein starker Bericht werde noch keine Zinsanhebung auslösen, schrieb Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Allerdings könnte er der sprichwörtliche Tropfen sein, der das Fass in Sachen Zinsangst zum Überlaufen bringt. Ein robuster Arbeitsmarkt wäre in der Lage, die ohnehin bereits kräftig gestiegenen Renditen am amerikanischen Anleihemarkt weiter nach oben zu treiben und damit das Zinsgespenst an die Börsen zurückkehren zu lassen.
Gewinnmitnahmen belasten KI-Rally
Gewinnmitnahmen nach der jüngsten KI-Rally bleiben bei europäischen Halbleiterwerten auch am Freitag das Thema. Der US-Branchenindex stand zeitweise kräftig unter Druck. Broadcom verloren zweistellig, nachdem der Ausblick des KI-Riesen den sehr hohen Erwartungen nicht ganz Stand gehalten hatte.
Auf der Handelsplattform Tradegate fallen am Morgen vor allem Micron Technology, Nvidia und die südkoreanische SK Hynix. Infineon startet in den Handel mit einem Verlust von knapp fünf Prozent.
Für Aufmerksamkeit sorgt am Freitag ein Blogbeitrag des KI-Entwicklers Anthropic, der von zahlreichen Medien aufgegriffen wird. Die Kalifornier, bekannt durch ihre KI Claude, plädieren für ein geringeres Tempo in der KI-Entwicklung. Sie verweisen vor allem auf die zunehmenden Risiken des Kontrollverlusts des Menschen über KI-Modelle, weil sie sich immer schneller selbst optimieren. Eine Verlangsamung dieser Entwicklung wäre "eine gute Sache", um uns allen die Zeit zu geben, die immensen Auswirkungen wirklich einschätzen zu können.
Berenberg-Studie stützt Flatexdegiro-Aktie
Die Aktien von Flatexdegiro haben sich am Freitag im schwachen Marktumfeld erholt. Sie legten um 1,9 Prozent auf 33,58 Euro zu und näherten sich wieder ihrer 100-Tage-Linie. Diese hatte die Aktien des Onlinebrokers erst Ende Mai ausgebremst.
In einer Branchenanalyse der Berenberg Bank kommt Flatex sehr gut weg. Das Unternehmen biete mit im Schnitt 21 Prozent per annum bis 2028 die stärksten Gewinnaussichten im Sektor bei der niedrigsten Aktienbewertung, schrieb Experte Christoph Greulich.
Flatexdegiro liegen 2026 noch etwa neun Prozent im Minus. Nach starkem Start und einem Rekord über 43 Euro waren sie im Februar durch KI-Verdrängungssorgen deutlich unter Druck geraten.
(Mit Material von dpa-afx)
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