Euro-Wirtschaft schrumpft überraschend - Irland-Einbruch belastet

Reuters · Uhr
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Berlin, 05. Jun (Reuters) - ⁠Ein starker Einbruch in Irland bringt die Wirtschaft in der Euro-Zone an den Rand einer Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank in der Währungsunion von Januar bis März um 0,2 Prozent zum Vorquartal und damit erstmals seit mehr als drei Jahren, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Es korrigierte ‌damit eine frühere Schätzung nach unten, die noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent ergeben hatte. Staatliche und private Konsumausgaben wuchsen in den ersten drei Monaten zwar, dafür belastete der ⁠Außenhandel. Schrumpft die ⁠Wirtschaft im laufenden Frühjahrsquartal das zweite Mal in Folge, würde die Euro-Zone in einer Rezession stecken. Bislang rechnen von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen im Schnitt mit einem Mini-Plus von 0,1 Prozent, wobei einige Experten wegen der Belastungen durch den Iran-Krieg ein erneutes Minus voraussagen.

Die Korrektur hatte sich abgezeichnet, nachdem Irland am Donnerstag seine Konjunkturdaten massiv revidiert hatte. Auf der ‌Insel brach das BIP im ersten Quartal um 12,1 Prozent ‌ein, nachdem zunächst nur ein Minus von zwei Prozent gemeldet worden war. Der Absturz ist auf Sondereffekte im großen multinationalen Sektor des Landes zurückzuführen, insbesondere in der Pharmabranche. 2025 wuchs die irische Wirtschaft um ⁠12,3 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland schaffte ein Wachstum von 0,3 Prozent. Grund für den irischen ‌Einbruch war ein starker Anstieg der Pharmaexporte in ⁠die USA, angetrieben durch Lageraufstockungen wegen drohender Zölle und eine boomende Nachfrage nach in Irland hergestellten Wirkstoffen für Abnehmmedikamente. Dieser Effekt kehrte sich nun um.

SCHWIERIG FÜR DIE EZB

"Insgesamt erschweren die irischen Zahlen die Interpretation des Konjunkturtrends in der Euro-Zone erheblich", sagte ‌der Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Bantleon, Daniel Hartmann. Für ⁠die Europäische Zentralbank (EZB) macht das die Sache ⁠nicht einfacher. Sie dürfte kommenden Donnerstag ihren Leitzins zum ersten Mal seit fast drei Jahren anheben. Ökonomen rechnen fest damit, dass die Währungshüter den Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent heraufsetzen werden. Seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs ist die Inflation vor allem wegen des hohen Ölpreises gestiegen: Lag die Teuerungsrate im Februar noch bei 1,9 Prozent, waren es im Mai schon 3,2 Prozent. Dies liegt deutlich über der Zielmarke der EZB von zwei Prozent.

Höhere Zinsen können der Wirtschaft aber das Leben noch schwerer machen. Für die Euro-Zone erwartet ⁠die Industriestaaten-Organisation OECD im laufenden Jahr nur ein Wachstum von 0,8 Prozent, für 2027 von 1,2 Prozent.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion ‌unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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