Nach Eskalation in Nahost - Iran erklärt Angriffe für beendet
- von Parisa Hafezi und Bo Erickson und Nayera Abdallah
Jerusalem/Dubai/New Brunswick, 08. Jun (Reuters) - Nach Wochen relativer Ruhe ist die Lage im Iran-Krieg wieder eskaliert. Israel griff am Montag eine Petrochemie-Anlage im Südwesten Irans sowie weitere militärische Ziele an - erstmals seit Beginn einer Waffenruhe am 8. April. Als Vergeltung feuerten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) nach eigenen Angaben Raketen auf eine vergleichbare Anlage in der israelischen Stadt Haifa. Am Montagmittag Das iranische Militär erklärte seine Operationen gegen Israel am Mittag vorerst für beendet. Zugleich drohten die Streitkräfte aber mit härteren Angriffen, sollte Israel seine Attacken im Libanon fortsetzen.
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) machten die USA für die jüngste Eskalation verantwortlich. Sie warnten vor den Folgen für die Weltwirtschaft, sollten weitere nicht-militärische Ziele angegriffen werden. Bei dem Angriff auf den Petrochemie-Komplex in Mahshahr seien Teile der Anlage beschädigt worden, meldete die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen Vertreter der Provinzverwaltung. Die israelische Armee bestätigte Angriffe auf mehrere Ziele in Mahshahr. Die dortigen Behörden ordneten die Evakuierung aller Mitarbeiter an. In Teheran waren am Montag zudem Explosionen zu hören. Die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr meldete, die Luftabwehr habe eine Drohne über der Stadt abgeschossen. Berichte über Opfer oder Schäden lagen zunächst nicht vor.
Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen im Jemen erklärten, sie stünden hinter einem Raketenangriff auf Israel – dem ersten seit dem Waffenstillstand. Dies habe dazu geführt, dass die israelische Luftabwehr aktiviert worden sei. Die Miliz kündigte zudem an, die israelische Schifffahrt im Roten Meer zu blockieren.
"ICH TREFFE DIE ENTSCHEIDUNGEN"
Die Angriffe erfolgten trotz eines Telefonats zwischen US-Präsident Donald Trump und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntag. Trump habe Netanjahu in dem Gespräch aufgefordert, von weiteren Angriffen abzusehen, da eine Einigung nahe sei, berichtete das US-Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter. Trump behauptete am Sonntag, die neuen Angriffe würden die Friedensgespräche mit Teheran nicht beeinträchtigen. "Dies wird keine Auswirkungen auf das Abkommen haben", sagte Trump der "Financial Times". "Ich treffe die Entscheidungen. Ich treffe alle Entscheidungen. Er (Netanjahu) trifft sie nicht." Ob das den Tatsachen entspricht, ist offen. Am Montag forderte Trump, Iran und Israel mussten sofort mit dem Beschuss aufhören.
Israel hatte am Sonntag erstmals seit der Ankündigung eines US-Friedensplans für den Libanon wieder Ziele in der Region Beirut angegriffen. Der Iran feuerte daraufhin elf ballistische Raketen auf Israel ab. Dies teilte der israelische Botschafter in Washington, Jechiel Leiter, auf der Plattform X mit. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt Ramat David nahe Nazareth ins Visier genommen. Das israelische Militär teilte mit, die Raketen seien von der Luftabwehr abgefangen worden.
LIBANON-KONFLIKT SORGT WEITER FÜR STREIT
Seit Beginn der Verhandlungen setzt Israel seine Angriffe im Libanon fort. Israelische Regierungsvertreter fordern, dass dieser Konflikt getrennt von einem Waffenstillstand mit dem Iran behandelt werden müsse. Teheran macht ein Friedensabkommen mit den USA jedoch unter anderem von einem Waffenstillstand im Libanon abhängig. Israel war im März im Libanon einmarschiert, um die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz zu bekämpfen. Der iranische Verhandlungsführer Mohammad Baqer Ghalibaf erklärte, US-Stützpunkte und israelische Einrichtungen zu legitimen Zielen, da Vereinbarungen über den Libanon verletzt worden seien.
Der umfassendere Konflikt ruht weitgehend, seit die USA und Israel ihre Angriffe auf den Iran Anfang April einstellten. Teheran blockiert jedoch weiter den Großteil des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Vor dem Krieg wurde über diese Meerenge ein Fünftel des weltweiten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Washington reagierte mit einer Blockade iranischer Häfen.
Trump fordert für ein Abkommen nach eigenen Angaben, dass der Iran keine Atomwaffen entwickelt. Er steht unter Druck, schärfere Bedingungen durchzusetzen als in dem 2015 unter dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama geschlossenen Atom-Abkommen, das Trump später aufgekündigt hatte. Teheran verlangt im Gegenzug die Aufhebung der US-amerikanischen und internationalen Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Gelder in Milliardenhöhe sowie die Kontrolle über die Straße von Hormus.
(Mit weiteren Reuters-Büros. Bearbeitet von Hans Busemann und Alexander Ratz, redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




