Arbeitnehmer fordern rasche Entscheidung zu Volkswagen-Werk in Osnabrück

Reuters · Uhr
Artikel teilen:

Berlin, 10. ⁠Jun (Reuters) - Im Ringen um die Zukunft des Volkswagen-Werks in Osnabrück fordern die Arbeitnehmer eine rasche Entscheidung. Aus dem Werk seien viele Ideen für eine Nutzung über 2027 hinaus hervorgegangen, sagte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Placke am Mittwoch nach einer Betriebsversammlung. "Die Belegschaft steht hier fest zusammen, und ‌sie erwartet, dass der Vorstand jetzt zügig eine echte Perspektive für alle Beschäftigten liefert!" Volkswagen stehe in der Verantwortung, eine Anschluss-Perspektive für den Standort zu finden. "Und die ⁠muss jetzt ⁠auch zügig kommen." Ziel müsse eine wirtschaftliche Zukunftssicherung und eine nachhaltige Lösung für alle Beschäftigten sein, sagte Placke.

Volkswagen erklärte, derzeit Perspektiven für den Standort zu prüfen. Das Werk sei auf Kleinserien- und Spezialprojekte spezialisiert. "Vor diesem Hintergrund führt das Unternehmen Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, um nachhaltige Beschäftigungsperspektiven zu entwickeln", sagte ein Sprecher. Parallel dazu ‌habe das Werk in den vergangenen Monaten verschiedene Fahrzeugkonzepte ‌entwickelt, um potenzielle Marktchancen und Zukunftsperspektiven auszuloten. "Ob und in welchem Umfang daraus konkrete Projekte entstehen, ist derzeit offen." Zuletzt hatte Volkswagen mit Prototypen auf der Rüstungsmesse "Enforce Tac" in Nürnberg für ⁠Aufsehen gesorgt.

In dem Volkswagen-Werk in Osnabrück läuft derzeit das T-Roc-Cabrio vom Band. Ende 2024 ‌hatte Europas größter Autobauer im Rahmen seines ⁠Sparprogramms beschlossen, die Fertigung im kommenden Jahr auslaufen zu lassen. Danach ist die Zukunft der Fabrik mit 2300 Mitarbeitern offen.

VW-Chef Oliver Blume hatte zuletzt eine Lösung für das Werk bis Jahresende in Aussicht gestellt. Insidern zufolge ist ‌der israelische Iron-Dome-Hersteller Rafael an dem Werk ⁠interessiert, um dort etwa Fahrzeuge oder Startvorrichtungen ⁠für das Raketenabwehrsystem zu bauen. Ein Rafael-Sprecher äußerte sich nicht zu dem Thema. Auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin ist Rafael mit einem eigenen Stand vertreten und präsentiert dort unter anderem das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Das System ist seit Jahren in Israel im Einsatz und wird dort zur Abwehr von Drohnen und Raketen genutzt. Auch in den USA wird der Iron Dome genutzt.

Volkswagen sucht schon länger nach einer Folgenutzung für das Werk. Zeitweise hatte auch Rheinmetall Interesse, der Düsseldorfer Rüstungskonzern ⁠winkte jedoch im März ab.

(Bericht von Christina Amann, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte)

Plus-Analysen
83 Prozent Kursverlust seit 2021
Neuer Übernahmeversuch: Die Gründe hinter Paypals Absturz15. Juli · onvista
Trendwende beim Pharmakonzern
So viel Potenzial hat die Novo-Nordisk-Aktie jetzt noch14. Juli · onvista
Martin Goersch zu Aktien, Gold und Krypto
KI-Superzyklus oder Blase? Meine Erwartungen fürs zweite Halbjahr13. Juli · onvista