Drohnenprojekte von Rheinmetall, Mercedes und Heideldruck

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München/Frankfurt/Berlin, 10. Jun (Reuters) - ⁠Angesichts wachsender Bedeutung militärischer Drohnentechnologie verbünden sich die etablierten Industriekonzerne Rheinmetall, Mercedes-Benz und Heidelberger Druckmaschinen mit neu gegründeten Drohnenspezialisten. Auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin vereinbarte der Rüstungsanbieter Rheinmetall am Mittwoch eine Zusammenarbeit mit dem Münchner Startup ERC System, das Elektroflieger bisher für zivile Zwecke entwickelt. Mercedes-Benz und der Drohnenspezialist Tytan aus München unterschrieben auf der Messe ebenfalls eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit. Der Druckmaschinenbauer Heidelberg kündigte für ‌Donnerstag eine Kooperation mit einer Firma aus der Ukraine zu Abwehrtechnik an.

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall hat bereits eine Reihe von Partnerschaften geschlossen und will nun mit ERC eine elektrische Drohne für Frachttransporte bis 250 Kilogramm produzieren. Für die Fertigung in ⁠Nordrhein-Westfalen solle bis 2029 ⁠eine dreistellige Anzahl an Arbeitsplätzen entstehen, teilten die Unternehmen und das Land NRW bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit. Damit werde der "Grundstein für die Industrialisierung eines zukunftsweisenden unbemannten Flugsystems in Deutschland" gelegt, erklärte Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Vize-Ministerpräsidentin und Landeswirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) sprach von einem "entscheidenden Beitrag zur Resilienz des Landes".

ERC entwickelt Elektroflieger, die senkrecht starten wie Hubschrauber und vorwärts fliegen wie Flugzeuge. Die Tochter des bayerischen Technologiekonzerns und Rüstungsdienstleisters IABG hatte im Februar einen 2,7 Tonnen schweren Elektroflieger mit Tragflächen von 16 Metern Spannweite in ‌die Luft gebracht. Er bietet Platz für mehrere Personen und soll ab 2031 ‌beim Luftrettungsdienst DRF eingesetzt werden. Eine kleinere, unbemannte Version namens "Victor" soll nun in Zusammenarbeit mit Rheinmetall bereits 2028 serienreif sein. Damit werde eine militärische Fähigkeitslücke geschlossen, sagte ERC-Co-Chef Maximilian Oligschläger der Nachrichtenagentur Reuters. Denn es gebe bereits viele Drohnen für Transporte bis 20 Kilogramm sowie traditionelle ⁠Hubschrauber für Frachten ab 500 Kilogramm, aber noch keine unbemannten Senkrechtstarter für mittlere Nutzlasten.

DROHNENABWEHR AUF DER G-KLASSE

Das Drohnenabwehrsystem von Tytan könnte künftig ‌auf Fahrzeugen von Mercedes-Benz installiert werden - dem bei der Bundeswehr verbreiteten ⁠Geländewagen G-Klasse und dem Transporter Sprinter. "Die Bedrohungslage ist real, jeden Tag erleben wir Überflüge über deutsche und europäische kritische Infrastruktur", erklärte Tytan-Chef Balazs Nagy. Gemeinsam mit der industriellen Expertise des Autobauers soll die Plattform "Drone Defender" geschaffen werden. Insider sagten der "Financial Times", Tytan wolle die Produktion des "Defender" bis Ende des Jahres aufnehmen.

Heidelberger Druck treibt unterdessen mit der ‌Erweiterung seines Drohnengeschäfts den Ausbau von Alternativen zum wachstumsschwachen Kerngeschäft voran. ⁠Rüstung werde neben dem Angebot von Ladetechnik für Elektromobilität ⁠ein weiteres Standbein, erklärte das Unternehmen in Wiesloch. So werde das Joint Venture Onberg, das von Heideldruck und dem US-israelischen Technologieunternehmen Ondas gegründet wurde, Drohnenabwehrsysteme vertreiben und später in Brandenburg in Serie produzieren. Bei der ILA in Berlin werde Onberg eine Absichtserklärung zur möglichen Zusammenarbeit mit einem ukrainischen Unternehmen zu einem Drohnenabwehrprojekt bekannt geben. Der auf Druckmaschinen spezialisierte Maschinenbauer mit mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz erhofft sich von dem Verteidigungsgeschäft in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro Erlöse im Jahr, wie Vorstandschef Jürgen Otto sagte.

Technik zur Verteidigung, wenn auch keine Waffen oder Munition, will auch der Technologiekonzern Bosch liefern. "Das ist eine Pflicht, die wir wahrnehmen müssen", sagte Bosch-Chef Stefan Hartung der Nachrichtenagentur Reuters. Das Umsatzpotenzial hält er aber für begrenzt: "Dass es ⁠jetzt Wertschöpfung wirklich massiv absichert, kann ich im Moment bei uns nicht sehen."

(Bericht von Jörn Poltz, Ilona Wissenbach, Maria Rügamer, Rachel More und Anneli Palmen, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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