Verbände-Kritik an Luftfahrtstrategie - "überholtem Wachstumsmodell verpflichtet"

Reuters · Uhr
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Berlin, 10. ⁠Jun (Reuters) - Mehrere Umwelt- und Verkehrsverbände kritisieren die neue Luftfahrtstrategie der Bundesregierung als unzureichend. Die Strategie setze weiter vor allem auf Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrs, ohne ausreichende Antworten auf die Herausforderungen des Klima-, Gesundheits- und Ressourcenschutzes zu geben, erklärten die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF), ‌die Umweltschutzorganisation Germanwatch und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Mittwoch. "Diese Luftfahrtstrategie ist keine Strategie für die Zukunft, nicht einmal für die nächsten 15 Jahre, für die sie ⁠gelten soll", ⁠monierte BVF-Präsident Werner Kindsmüller. "Sie bleibt einem überholten Wachstumsmodell verpflichtet." Wachstum des Luftverkehrs bedeute für die Betroffenen mehr Lärm und mehr gesundheitsschädliche Schadstoffe. "Das darf nicht die Zukunft sein", betonte Kindsmüller.

Die Bundesregierung wird die Luftfahrtstrategie im Laufe des Tages vorstellen, und Bundeskanzler Friedrich Merz will sich am Nachmittag auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) bei ‌Berlin dazu äußern. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte jüngst auf ‌einer Branchenkonferenz die Luftfahrt als industrielles Rückgrat, Pfeiler der Souveränität und Treiber für Innovationen bezeichnet. In einem früheren Entwurf für die Strategie heißt es, die Regierung bekenne sich zum ⁠Luftverkehrs- und Luftfahrtindustriestandort Deutschland und sehe die gesamte Luftfahrt als strategisch bedeutsamen Sektor an. ‌Es dürfte allerdings Kritik von Airlines wie ⁠dem irischen Billigflieger Ryanair geben, die ihr Flugangebot zurückfahren und dies mit zu hohen Kosten in Deutschland begründen.

Die Umweltschutzorganisation Germanwatch kritisierte, die Strategie bleibe hinter den ökologischen, wirtschaftlichen und technologischen Möglichkeiten zurück. "Der Hochlauf erneuerbar erzeugter synthetischer Flugkraftstoffe ‌wird nicht ausreichend ambitioniert angepackt." Die ⁠Bundesregierung müsse deutlich ambitionierter handeln, wenn das ⁠Ziel eines klimaneutralen Luftverkehrs bis spätestens 2050 erreicht werden solle.

"Dort, wo attraktive Alternativen bestehen, müssen Flugverkehre auf die Schiene verlagert werden", ergänzte Luftfahrtexperte Alfred Schreiber vom Verkehrsclub Deutschland. Nötig seien dafür schnelle und zuverlässige Bahnverbindungen, ein leistungsfähiges europäisches Nachtzugnetz und faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern. "Zudem sollte die öffentliche Finanzierung dauerhaft defizitärer Regionalflughäfen kritisch überprüft werden." Unrentable und hoch subventionierte Regionalairports sollten aufgelöst oder zum Verkehrslandeplatz herabgestuft werden. "Es kann nicht sein, diese weiter mit enormen kommunalen Haushaltsmitteln oder Quersubventionen ⁠künstlich aufrecht zu erhalten."

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)