
Der Dax hat am Donnerstag seine jüngste Verlustserie beendet und geringfügig zugelegt. Positive Impulse kamen aus den USA, wo weitere Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran die Anleger nicht mehr beeindruckt hatten. Vielmehr sorgten dort deutliche Kursgewinne bei Aktien aus der Halbleiterbranche für gute Laune. Der deutsche Leitindex schloss 0,06 Prozent im Plus bei 24.210 Punkten. Der MDax mit den mittelgroßen Werten gewann 0,52 Prozent auf 31.456 Zähler.
Dabei schaukelt sich der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran trotz offiziell geltender Waffenruhe weiter hoch. Trump hatte schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht angekündigt. Die USA würden das Land "sehr hart" treffen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social.
Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte nur wenig Einfluss auf die Kurse. Mit der ersten Erhöhung seit fast drei Jahren stemmt sich die EZB gegen den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs. Die Euro-Währungshüter hoben den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann.
"Da die Inflation im Euroraum über drei Prozent liegt und es wenig Hoffnung auf Entspannung im Iran-Konflikt gibt, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt", sagte Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. Die EZB folge damit dem, was die Märkte schon eingepreist hätten.
SAP rutscht unter wichtige Chartmarken
Unter den Einzelwerten standen die Aktien von SAP nach Quartalszahlen des Konkurrenten Oracle im Fokus. Mit einem Kursabschlag von 9,93 Prozent waren sie erneut schwächster Dax-Wert und weiteten ihre Verlustserie seit dem Zwischenhoch von Anfang Juni auf rund 17 Prozent aus.
Nachdem zur Wochenmitte bereits die für den kurzfristigen Trend relevante 21-Tage-Durchschnittslinie unterschritten wurde, folgte nun der Rutsch unter die 50-Tage-Linie. Diese beschreibt die mittelfristige Entwicklung. Die viel beachtete 200-Tage-Linie als Maß für den langfristigen Trend wurde bereits im August gerissen.
Hugo Boss profitiert von Übernahmefantasie
Der Aktienkurs des Modehändlers Hugo Boss verteuerte sich an der MDax-Spitze um 9,46 Prozent auf etwa 39,91 Euro und liegt damit über der Offerte des Großaktionärs Frasers Group. Frasers bietet im Rahmen eines Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie. Zuletzt kamen die Briten auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Analysten bezeichneten das Gebot in ersten Reaktionen als nicht besonders attraktiv.
Mit dem Anstieg über die 38 Euro setzen Anleger wohl eher darauf, dass Hugo Boss eigenständig mehr wert ist, als von Frasers geboten. Im vergangenen Jahr waren über Monate hinweg noch Kurse gezahlt worden, die mit bis zu 48 Euro deutlich darüber lagen. 2023 lag ein Zwischenhoch sogar bei knapp 76 Euro. Der Rekord aus dem Jahr 2015 beträgt 120 Euro.
SpaceX-IPO steht bevor: Am 12. Juni geht SpaceX an die Börse. Unser Chefanalyst Martin Goersch wird euch Freitag um 16 Uhr live auf unserem Youtube-Kanal mit einer ersten Einschätzung zur Aktie versorgen.
(mit Material von dpa)



