Frasers greift mit halbherzigem Übernahmeangebot nach Hugo Boss

Es ist ein Übernahmeangebot mit angezogener Handbremse: Der expansionsfreudige britische Textil-, Schuh- und Sporthändler Frasers bietet den Anteilseignern des deutschen Modekonzerns Hugo Boss 38 Euro je Aktie in bar, wie das Unternehmen mitteilte. Die Offerte von Frasers, bereits mit rund 26 Prozent größter Hugo-Boss-Aktionär, entspricht einem Aufschlag von 4,3 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch.
Experten bezeichneten das als relativ wenig. Eine Mindestannahmeschwelle nannte Frasers nicht. Insgesamt bewertet das Angebot Hugo Boss mit 2,68 Milliarden Euro. Für die ausstehenden knapp 75 Prozent an dem schwäbischen Unternehmen müsste Frasers 1,98 Milliarden Euro auf den Tisch legen, wenn alle Aktionäre bei dem Angebot einschlagen.
Doch das ist fraglich: An der Börse sorgte der Vorstoß am Donnerstag für ein kräftiges Kursplus der Hugo-Boss-Aktien. Die im MDax gelisteten Titel sprangen um 8,5 Prozent auf 39,56 Euro und damit über den Angebotspreis. Das ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Offerte als niedrig gesehen wird. Die Frasers-Papiere gaben hingegen um bis zu 2,5 Prozent nach.
Flexibilität beim Zukauf weiterer Boss-Aktien
Experten werten das Angebot deshalb weniger als einen ernsthaften Versuch zur Komplettübernahme als vielmehr einen strategischen Schachzug. "Angesichts der geringen Prämie und der ausdrücklichen Unterstützung für die amtierende Führung von Hugo Boss dient dies vordergründig dazu, die Investitionsflexibilität von Frasers zu verbessern", kommentierten Analysten von Jefferies. Nach deutschem Übernahmerecht müsste Frasers bei Erreichen einer Schwelle von 30 Prozent ein Pflichtangebot vorlegen.
Mit dem nun freiwillig unterbreiteten Angebot verschafft sich der Konzern die Flexibilität, seine Beteiligung aufzustocken, auch über die Börse, ohne erneut zu einem Angebot gezwungen zu sein. Eine ähnliche Strategie hatte der italienische Medienkonzern MFE bei der Übernahme von ProsiebenSat.1 angewandt. Aktuell geht die Unicredit mit ihrer Offerte für die Commerzbank so vor.
Bei den Experten von J.P. Morgan hieß es, der Angebotspreis von 38 Euro bilde kurzfristig eine Untergrenze für die Bewertung. Ein Gegenangebot von anderer Seite sei jedoch nicht zu erwarten. Der Boss-Vorstand um Firmenlenker Daniel Grieder erklärte, der Vorstoß sei nicht mit dem Unternehmen abgestimmt.
Der Vorstand werde die Offerte prüfen und dann zu gegebener Zeit eine Empfehlung abgeben. Frasers erklärte seinerseits, man unterstütze Grieder und Aufsichtsratschef Stephan Sturm. Dies ist allerdings eine Kehrtwende, nachdem Frasers im Herbst noch erklärt hatte, das Vertrauen in Sturm verloren zu haben und sogar drohte, ihn wenn nötig abzuberufen.
Einkaufstour
Die in den 1980er Jahren gegründete Frasers Group ist in Deutschland keine Unbekannte: Sie hatte in der Vergangenheit die Fühler nach der Kette SportScheck ausgestreckt, die dann aber an den italienischen Sportfachhändler Cisalfa ging. Anfang März gab Frasers den Einstieg beim Herzogenauracher Sportartikelhersteller Puma bekannt.
Hinter Frasers steht der britische Milliardär Mike Ashley, der mit seiner Gruppe seit den 1980er Jahren ein Einzelhandelsimperium mit Ketten wie Sports Direct und House of Fraser aufgebaut hat. Sein Schwiegersohn Michael Murray, der Vorstandschef von Frasers ist, sei an der Entscheidung über das Angebot nicht beteiligt gewesen, weil er im Aufsichtsrat von Hugo Boss sitzt, teilte Frasers mit. Als Berater für die Offerte mandatierte Frasers BNP Paribas und die Deutsche Bank.
Hugo Boss steckt derweil mitten in einer Neuausrichtung. Der vor über 100 Jahren gegründete schwäbische Textilkonzern hatte im Dezember angekündigt, das Sortiment und den Vertrieb in den nächsten drei Jahren grundlegend umzubauen und dafür 2026 sinkende Umsätze und Gewinne in Kauf zu nehmen. Die neue Strategie mit dem Namen "Claim 5 Touchdown" soll die Effizienz verbessern und den Weg für nachhaltiges, profitables Wachstum ebnen.



