Britische Wirtschaft geschrumpft - Formel-1-Absagen in Nahost belasten
12. Jun (Reuters) - Die britische Wirtschaft ist im April erstmals seit über einem halben Jahr wieder geschrumpft - auch wegen der Absage großer Sportveranstaltungen wie Formel-1-Rennen in Nahost im Zuge des Iran-Kriegs. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie die Statistikbehörde ONS am Freitag in London mitteilte. Das ist das erste monatliche Minus seit August 2025.
Der in Großbritannien besonders starke Dienstleistungssektor schrumpfte mit 0,2 Prozent überdurchschnittlich. Ausschlaggebend war hier wohl vor allem die britische Unterhaltungsbranche, der die Absage der Formel-1-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien sowie größerer Tennis-Turniere und Fußball-Events in Nahost infolge des Iran-Krieges zu schaffen machte. "Ein Teil dieses Rückgangs lässt sich auf die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten zurückführen, da die Absage zahlreicher Sportveranstaltungen in der Region die Geschäftstätigkeit britischer Unternehmen beeinträchtigt hat", erklärte die Statistikbehörde. Dagegen verzeichnete die Industrie, angetrieben von einer höheren Produktion in der Pharmabranche, ein Plus von 0,4 Prozent. Auch der Bausektor meldete ein leichtes Wachstum.
Laut Thomas Pugh, Chefökonom bei der Beratungsfirma RSM, dürften sich die Aussichten wohl weiter eintrüben. "Höhere Energiepreise und Kreditkosten sowie eine erneute Phase politischer Unsicherheit dürften dazu führen, dass das Wachstum für den Rest des Jahres fast zum Erliegen kommt", sagte Pugh. Auch verstärkten die Daten seiner Einschätzung nach den Eindruck, dass die Bank of England die Zinsen am kommenden Donnerstag wahrscheinlich nicht antasten wird.
(Bericht von Andy Bruce und Suban Abdulla, geschrieben von Lena Rueckerl, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



