Dax gibt zum Wochenschluss Gas - Friedenshoffnung im Iran-Krieg
Frankfurt, 12. Jun (Reuters) - Die Hoffnung auf einen Durchbruch bei den Friedensverhandlungen im Iran-Krieg hat die europäischen Aktienmärkte zum Wochenschluss durchstarten lassen. Der Dax gewann in der Spitze 2,2 Prozent auf 24.753 Zähler, der EuroStoxx50 rückte um 2,4 Prozent vor. US-Präsident Donald Trump kündigte zuletzt - wie schon oft in den vergangenen Wochen - eine baldige Verständigung mit dem Iran an. Ein Abschluss sei in den kommenden Tagen möglich, erklärte der Republikaner. Experten warnten jedoch, die Friedensglocke zu früh zu läuten. "Die Kursgewinne dürften auf Sand gebaut sein, wenn ein glaubhaftes Kriegsende nicht von allen Seiten bestätigt wird", sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Mit einer bloßen Absichtserklärung wird sich der Markt nicht lange zufriedengeben."
Am Ölmarkt brachte die Erwartung eines Friedensdeals die Preise ins Rutschen. Die Notierungen für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI gaben seit Mittwoch um jeweils um gut siebeneinhalb Prozent auf 85,80 beziehungsweise 83,20 Dollar je Fass nach. Das sind die tiefsten Stände seit Mitte März beziehungsweise April. Das Vertrauen, dass letztendlich eine Einigung erzielt und die Straße von Hormus wieder geöffnet werde, sei größer geworden, sagte Tamas Varga, Analyst bei PVM Oil Associates. Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass die globalen und regionalen Ölreserven noch immer niedrig seien und selbst mit einem Abkommen weiter sinken könnten, da es Zeit brauche, um eine ununterbrochene Ölversorgung wiederherzustellen, erklärte er.
Seit Beginn des Krieges Ende Februar sind die Ölpreise massiv nach oben geschnellt - zeitweise lag Brent bei 126 Dollar je Fass. Der Iran blockiert den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, über die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Bedarfs an Öl und Flüssigerdgas verschifft wurde.
BANKENWERTE PROFITIEREN VON FRIEDENSRALLY
Die Friedenshoffnung sorgte bei vielen Aktien für deutliche Kursgewinne. Im Aufwind waren vor allem die konjunktur- und zinssensiblen Bankenwerte. Im Dax gehörten die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank mit einem Plus von 6,2 und 4,5 Prozent zu den stärksten Werten. Der europäische Bankenindex notierte zeitweise 4,2 Prozent höher und lag auf dem höchsten Stand seit Anfang Februar. Die Finanzwerte profitierten von der nachlassenden Rezessionsangst, zudem verbessere sich die Zinskurve, sagte ein Händler. Die EZB hatte am Donnerstag erstmals seit fast drei Jahren die Leitzinsen angehoben - von 2,0 auf 2,25 Prozent. Sie ist damit die erste große Zentralbank, die ihre Geldpolitik als Reaktion auf den Ölpreissprung infolge des Iran-Krieges verschärft. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält eine weitere Zinserhöhung im Juli für möglich. Der Euro notierte mit 1,1589 Dollar knapp im Plus.
Ebenfalls gefragt waren - wegen der fallenden Energiepreise - Aktien aus dem Reise- und Touristiksektor. Im MDax rückten die Titel von TUI und Lufthansa um jeweils mehr als acht Prozent vor. Die Papiere der British-Airways-Mutter IAG und Air France-KLM gewannen 6,8 beziehungsweise 9,7 Prozent. Die Aktien des Flugzeugbauers Airbus und des Triebwerksherstellers MTU legten im Dax jeweils mehr als vier Prozent zu.
RÜSTUNGSWERTE UND ENERGIEAKTIEN UNTER DRUCK
Das Nachsehen hatten dagegen die Rüstungswerte. Hensoldt, TKMS, Renk und Rheinmetall verloren in der Spitze zwischen 3,2 und 1,6 Prozent. Unter die Räder kamen auch Energieaktien, die unter dem Preisrutsch beim Öl litten. Die Titel von BP, TotalEnergies und Shell fielen zwischen 5,1 und 3,6 Prozent. Der europäische Branchenindex gab drei Prozent nach.
Am Nachmittag dürfte sich der Fokus vieler Anleger auf den lang erwarteten Börsengang von SpaceX richten. Der Raumfahrtkonzern des Milliardärs Elon Musk debütiert an der US-Technologiebörse Nasdaq mit einem Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar, es ist der größte Börsengang aller Zeiten. Zum Ausgabepreis von 135 Dollar je Aktie wird SpaceX mit 1,75 Billionen Dollar bewertet. Musk hat einen ungewöhnlich großen Anteil von 30 Prozent der angebotenen 555,6 Millionen Anteilsscheine für Kleinanleger reserviert, unter denen er zahlreiche Fans hat. Die Entwicklung der SpaceX-Aktie sei ein Lackmustest für den gesamten Aktienmarkt, sagte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets.
(Bericht von: Daniela Pegna, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


