Mercedes: Mir genügt die Rüstungsfantasie nicht
Mercedes-Benz prüft mit Titan Technologies ein mobiles System zur Abwehr kleiner Drohnen. Die Idee erweitert das Geschäftsfeld, ändert kurzfristig aber weder die Ergebnislage noch das schwache große Bild der Aktie.
Martin Goersch
Was bewegt die Aktie?
Mercedes-Benz sucht neue Wachstumsfelder außerhalb des klassischen Autogeschäfts. Der Konzern arbeitet mit Titan Technologies an Plänen für ein mobiles Drohnenabwehrsystem. Grundlage könnten bestehende Plattformen wie Sprinter und G-Klasse sein. Das macht den Ansatz interessant, weil Mercedes keine völlig neue Fahrzeugarchitektur entwickeln müsste.
Der Schritt kommt in einer schwierigen Phase. Europäische Autohersteller verlieren in China Marktanteile, während chinesische Anbieter mit E-Autos stärker nach Europa drängen. BYD treibt die Internationalisierung bereits voran. Andere Hersteller dürften folgen.
Mercedes steht mit der Suche nach neuen Spezialmärkten nicht allein. Renault arbeitet an Drohnen für militärische und zivile Zwecke. Volkswagen prüft Kooperationen bei Raketenabwehrkomponenten. Der europäische Automarkt reagiert damit auf schwächere Perspektiven im Kerngeschäft.
Charttechnik
Der Chart zeigt den Druck klar. Die Mercedes-Aktie fiel in den vergangenen drei Jahren von rund 78 Euro auf etwa 48 Euro. Die Dreijahrestiefs um 45 Euro liegen wieder in Reichweite.
Auch die Bewertung liefert keinen klaren Kaufgrund. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei etwa acht. Über die vergangenen fünf Jahre lag der Schnitt bei rund 6,5. Die fundamentale Ausgangslage wirkt derzeit nicht besser als in diesem Zeitraum.
Martins Einschätzung
Die neue Spezialfahrzeug-Story kann langfristig interessant werden. Für die nächsten zwei bis vier Quartale dürfte sie aber kaum ergebniswirksam sein. Mercedes bleibt deshalb trotz der niedrigen Kurse kein überzeugender Kauf.




