Paris, 15. Jun (Reuters) - Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS will einen neuen Kampfpanzer für die französische Armee auf Basis des deutschen "Leopard 2" bauen. KNDS stellte am Montag auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris ein Modell vor, das in den 30er Jahren den in die Jahre gekommenen französischen "Leclerc" ablösen könnte. Es wäre das erste gemeinsame Projekt seit der Fusion des deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (KMW) mit der französischen Nexter vor elf Jahren. Der neue Panzer baut auf der Wanne des "Leopard 2A8" auf, den unbemannten Turm mit dem Namen "Ascalon" und eine 120-Millimeter-Kanone soll der französische Teil von KNDS beisteuern.
"Wir bringen deutsche und französische Fähigkeiten zusammen in einer Lösung - entworfen, entwickelt und unterstützt von einem Unternehmen", sagte KNDS-Chef Jean-Paul Alary auf der Messe. Frankreich will mit dem Panzer mit dem Namen "Capint" eigentlich die Zeit überbrücken, bis das gemeinsame europäische Panzerprojekt MGCS (Main Ground Combat System) startklar ist, das ursprünglich in den 40er Jahren den "Leopard 2" und den "Leclerc" ersetzen soll. KNDS teilte mit, "Capint" ebne den Weg für MGCS. Der Leclerc soll 2038 außer Dienst gestellt werden.
Die französische Verteidigungsministerin Catherine Vautrin hatte im April erklärt, MGCS hinke etwa zehn Jahre hinter dem Zeitplan her, weshalb man eine Zwischenlösung brauche. Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnte am Wochenende, Frankreich wolle die Mittel für MGCS drastisch kürzen. Am Montag sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin, Deutschland und Frankreich hätten sich darauf geeinigt, MGCS "plattformunabhängig" weiterzuentwickeln und sich auf den Kern des Programms zu konzentrieren. Ziel sei die Erforschung und Entwicklung von Technologien für den Einsatz und die Führung bemannter und unbemannter gepanzerter Gefechtsfahrzeuge. Ob ein gemeinsamer Kampfpanzer damit obsolet ist, sei offen, sagte der Sprecher.
ALARY: MGCS-AUS WÄRE SCHLECHTE NACHRICHT FÜR EUROPA
Alary sagte in Paris, er glaube fest an das MGCS-Projekt. Es wäre eine schlechte Nachricht für Europa, wenn MGCS "scheitern würde wie FCAS". Deutschland und Frankreich hatten den Bau eines gemeinsamen Kampfjets im Zuge des Militärflugzeug-Projekts FCAS angesichts von Zwistigkeiten zwischen den Projektpartnern Airbus und der französischen Dassault kürzlich zu den Akten gelegt.
KNDS bereitet sich derzeit intensiv auf einen bis zu fünf Milliarden Euro schweren Börsengang vor, der Insidern zufolge noch vor der Sommerpause über die Bühne gehen soll. Doch sind einige Fragen noch ungeklärt, unter anderem, mit welchem Anteil Deutschland im Zuge des Börsengangs genau einsteigen werde. Der Bund will zwischen 30 und 40 Prozent von den Eigentümerfamilien der ehemaligen Wegmann-Gruppe übernehmen. Alary sagte, die Gespräche mit der Bundesregierung liefen weiter. "Aber das hält uns auf dem Weg zu einem Börsengang nicht auf." KNDS wolle den Schritt so rasch wie möglich gehen.
(Bericht von Florence Loève und Alexander Hübner, Mitarbeit: Andreas Rinke, redigiert von Olaf Brenner)



