UniCredit-Angebot wird für Commerzbank-Aktionäre attraktiv

Reuters · Uhr
Artikel teilen:

München, 16. Jun (Reuters) - Kurz ⁠vor dem Ende der Annahmefrist wird die Umtauschofferte der italienischen UniCredit für die Commerzbank-Aktionäre plötzlich attraktiv. Am Dienstag stieg die Commerzbank-Aktie zwar um knapp ein Prozent auf 36,50 Euro, doch zogen die Papiere von UniCredit gleichzeitig um mehr als vier Prozent an, so dass die Anteilseigner des Frankfurter Geldhauses UniCredit-Aktien im Wert von 37,67 Euro bekommen könnten, wenn sie die Offerte annehmen. Seit der Ankündigung des Übernahmeangebots im März waren Commerzbank-Papiere an der Börse stets mehr ‌wert gewesen als die 0,485 UniCredit-Aktien, die die Mailänder Großbank dafür bietet.

Der Bund als zweitgrößter Commerzbank–Aktionär erteilte dem Vorstoß der Italiener trotzdem eine klare Absage - nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil der Regierung das aggressive Vorgehen von UniCredit-Chef Andrea Orcel missfällt. "Eine Annahme des Angebots ⁠kam bereits wirtschaftlich nicht ⁠in Frage, da das Übernahmeangebot keine angemessene Prämie auf den aktuellen Kurs der Commerzbank-Aktie enthält", hieß es in einer Mitteilung der Deutschen Finanzagentur, die die Beteiligung von zwölf Prozent an der Commerzbank für den Bund verwaltet. Der Lenkungsausschuss der zuständigen Ministerien habe sich deshalb dafür entschieden, die Aktien zu behalten.

"Darüber hinaus unterstützt der Lenkungsausschuss die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank AG und lehnt das aggressive Vorgehen der UniCredit SpA ab", erklärte die Finanzagentur. Die Commerzbank spiele eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands. Zudem sei sie als Arbeitgeber für den ‌Finanzstandort Frankfurt wichtig. "Beides gilt es auch in Zukunft sicherzustellen."

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp forderte einem Bericht des "Manager ‌Magazins" zufolge in einem Gespräch mit Orcel einen prozentual zweistelligen Aufschlag auf den Aktienkurs - also deutlich mehr als 40 Euro.

UNICREDIT HAT SCHON MINDESTENS 39 PROZENT SICHER

UniCredit hat überraschend bereits knapp zwölf Prozent der Commerzbank-Aktien eingesammelt, obwohl die Annahme bis Montag für deren Aktionäre ein Verlustgeschäft war. Ein Aktienpaket von 26,8 Prozent hatten sich ⁠die Italiener bereits vorher gesichert, sie kämen also schon jetzt auf rund 39 Prozent.

Die Commerzbank wirft UniCredit aber vor, bei dem Übernahmeangebot gemeinsame Sache ‌mit Banken gemacht zu haben, die auch ihre Vertragspartner bei Derivaten sind. ⁠Tatsächlich sind die komplexen Papiere, mit denen sich UniCredit gegen einen Kursverfall ihrer Commerzbank-Aktien abgesichert hat, offenbar an die eingereichten Anteilsscheine gebunden. Ihre Partner haben deshalb einen Anreiz, das Tauschangebot anzunehmen, um notfalls lieferfähig zu sein. Die Arbeitnehmervertreter der Commerzbank haben bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen Marktmanipulation gestellt. Ein Sprecher der Behörde bestätigte Vorermittlungen. Man wolle darin auch die Prüfungen der Finanzaufsicht BaFin ‌einbeziehen.

ZIEL VON 30 PROZENT AN COMMERZBANK ERREICHT

UniCredit-Aktien haben seit Donnerstag um fast zehn ⁠Prozent angezogen, womit sich der Umtausch von Commerzbank-Aktien auch für ⁠andere Aktionäre lohnen würde. Analysten erklären sich den Kursanstieg damit, dass Börsianer erleichtert seien, weil die Italiener ihre Offerte nicht aufgestockt hätten. Die Angst davor habe die UniCredit-Aktie vorher belastet, sagte Tobias Lukesch von Kepler Cheuvreux.

Orcel hatte mit dem Tauschangebot nach eigenem Bekunden eigentlich nur die Schwelle von 30 Prozent überspringen wollen, um danach freie Hand für weitere Aktienkäufe zu haben. Seither hat er aber mehrfach klargemacht, dass es ihm um mehr geht: die Übernahme der Commerzbank. Er hat bereits seine strategischen Pläne für die Bank vorgestellt und erst am Montag Gedankenspiele angestellt, die Macht im Aufsichtsrat zu übernehmen. Bisher sind die Italiener dort nicht vertreten.

Da UniCredit ihr offizielles Ziel, ihren Commerzbank-Anteil auf mehr als 30 Prozent aufzustocken, erreicht hat, bekommen die Aktionäre des Frankfurter Geldhauses von Freitag an bis zum 3. Juli noch einmal zwei Wochen Zeit, ⁠ihre Aktien anzudienen. "Die Tatsache, dass UniCredit nun die Möglichkeit hat, in Zukunft weiter aufzustocken, dürfte den Commerzbank–Aktien Raum geben, weiter zu steigen", sagte Lukesch.

(Bericht von Alexander HübnerMitarbeit: Tom Sims und Danny Callaghanredigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

Plus-Analysen
Kolumne von Stefan Riße
Sind die KI-Prognosen zu optimistisch, wird das Gemetzel großheute, 12:00 Uhr · Acatis
83 Prozent Kursverlust seit 2021
Neuer Übernahmeversuch: Die Gründe hinter Paypals Absturz15. Juli · onvista
Trendwende beim Pharmakonzern
So viel Potenzial hat die Novo-Nordisk-Aktie jetzt noch14. Juli · onvista