
Der Dax bleibt am Dienstag in Reichweite der 25.000-Punkte-Marke. Nach dem positiven Wochenstart wegen des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran zum Ende des Krieges legte der Leitindex im frühen Handel um 0,32 Prozent auf 24.967 Punkte zu.
Der MDax mit den mittelgroßen Werten gewann 0,25 Prozent auf 32.666 Zähler.
Zu Wochenbeginn war der Dax nur zeitweise über die 25.000 Punkte gestiegen. Darüber hatten die Anschlusskäufe gefehlt, nachdem die Märkte in der Aussicht auf einen Deal auch schon am Freitag angezogen hatten. Der LBBW-Experte Rolf Schäffer sieht darin einen "diplomatischen Erfolg auf Bewährung", betonte aber auch, dass noch kein Schlussstrich unter den Konflikt gemacht werden könne.
Bei Anlegern rückt nun der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Mittwoch in den Fokus, gefolgt vom großen Verfall an den Terminbörsen am Freitag. "Die Notenbanker rund um den neuen Fed-Chef (Kevin) Warsh werden sich wohl in Zurückhaltung üben und damit den Markterwartungen entsprechen", kommentierten die Helaba-Experten. Die Erwartung zeitnah steigender Zinsen habe sich mit den sinkenden Ölpreisen der letzten Tage zurückgebildet.
Brenntag-Aktie am Dax-Ende
Nach einer skeptischeren Einschätzung der Deutschen Bank sind die Aktien von Brenntag am Dienstagmorgen um zwei Prozent auf 54,88 Euro gefallen. Dann versuchten sich die Papiere des Chemikalienhändlers zunächst an der zuletzt umkämpften exponentiellen 200-Tage-Linie zu stabilisieren.
Der Deutsche-Bank-Experte Tristan Lamotte sieht angesichts des Entspannungsweges aus dem Nahost-Krieg das Risiko einer Normalisierung der Sonderkonjunktur für die Branche. Diesbezüglich hatte er bisher vor allem auf Brenntag gesetzt. Entsprechend sieht er nun die Konkurrenz namens IMCD und Azelis im Vorteil, deren Chemikalienpreise während des Kriegs weniger angezogen hätten und nun auch weniger korrigieren dürften.
Brenntag hatten sich nach dem Kriegs-Tief Anfang März bis Anfang Mai um 45 Prozent erholt, waren zuletzt aber bereits wieder deutlich zurückgekommen. Lamotte signalisiert mit seinem Kursziel von 57 Euro allerdings kaum frisches Potenzial.
Anders sieht es bei IMCD und Azelis mit Kurszielen von 122 Euro und 14,20 Euro aus, die jeweils neue Jahreshöchststände versprechen. Hier votiert Lamotte weiter mit "Buy", während er Brenntag auf "Hold" abstufte. Doch auch IMCD und Azelis geben am Dienstagmorgen zunächst etwas nach.
Redcare steigt kräftig an
Der angehobene Jahresausblick von Redcare und der davon ausgelöste Kurssprung beschäftigt am Dienstag nochmals die Anleger. Die Titel der Online-Apotheke waren am Montag im Späthandel schon mit fast 18 Prozent ins Plus gesprungen auf ein Hoch seit Anfang März. Auf diesem Niveau etablierten sich die Aktien nun im frühen Handel am Dienstag mit weiteren Kursgewinnen.
Am Morgen legte der Redcare-Kurs nochmals um rund sechs Prozent zu. Er näherte sich mit 59,45 Euro der 60-Euro-Marke, die eine wichtige charttechnische Hürde ist. In diesem Bereich verläuft die 200-Tage-Linie, die in den vergangenen Monaten nicht erreicht wurde. Sollte sie passiert werden, könnte dies das charttechnische Blatt längerfristig positiv wenden.
Redcare hatte am Montagabend mitgeteilt, dass man ein höheres Umsatzwachstum und eine höhere operative Marge anpeile. Laut Felix Dennl von der Privatbank Metzler deutet das höhere Profitabilitätsziel darauf hin, dass das zusätzliche Wachstum "wertsteigernd skaliert wird". Dies zerstreue die Bedenken der Investoren hinsichtlich einer Margenverwässerung durch Bonusprogramme und einer verstärkten Werbeintensität bei frei verkäuflichen Produkten.
Experte Olivier Calvet von der UBS kommentierte am Dienstag, vor allem der Zeitpunkt habe überrascht, nicht aber die anspruchsvolleren Ziele an sich. Diese sind ihm zufolge noch nicht zu optimistisch. Sinan Doganli von Oddo BHF jedoch schrieb, ein solides Quartal sei noch keine Erlösung angesichts der Herausforderungen, einen nachhaltig positiven freien Mittelzufluss zu erzielen.
Trotz des Kurssprungs haben die Redcare-Aktien immer noch eine Wegstrecke vor sich, um zu einer positiven Jahresbilanz zu kommen. 2026 haben sie immer noch mehr als neun Prozent verloren. Ende März hatte der Kurs nahe der 30-Euro-Marke noch auf dem tiefsten Stand seit 2019 notiert.
(Mit Material von dpa-afx)
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