Erster Fed-Entscheid unter Kevin Warsh

Heute Abend ist die Botschaft das Wichtigste, nicht die Zahl

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Die erste Zins-Entscheidung der US-Notenbank unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh steht an. Der dürfte die Zinsen unverändert lassen. Spannender als die Zahl wird sein, was und wie er sagt.

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Quelle: Pla2na/Shutterstock.com

Wer aktuell die Daten des FedWatch Tools analysiert, erkennt einen bemerkenswerten Wandel in den Markterwartungen. Noch vor wenigen Monaten diskutierten Anleger vor allem darüber, wann die Fed mit Zinssenkungen beginnen könnte. Inzwischen hat sich die Debatte nahezu vollständig verschoben: Die Frage lautet heute nicht mehr, wann die Zinsen fallen, sondern ob die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh Ende des Jahres sogar wieder zu Zinserhöhungen gezwungen sein könnte.

Kevin Warsh
Vor diesen Herausforderungen steht der neue Fed-Chef07.05.2026 · 13:45 Uhr · onvista
Vor diesen Herausforderungen steht der neue Fed-Chef

Für die Zinsentscheidung der Währungshüter heute Abend besteht praktisch Einigkeit: Der Leitzins dürfte unverändert im Bereich von 3,50 bis 3,75 Prozent bleiben. Auch für die Sitzung im Juli rechnen die Märkte mit überwältigender Wahrscheinlichkeit mit keiner Veränderung. Die eigentliche Spannung beginnt erst im Herbst. Während die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen derzeit dominiert, nimmt die Zahl der Marktteilnehmer zu, die bis Jahresende wieder mit einem höheren Leitzins rechnen.

Keine Zinssenkung in diesem Jahr?

Besonders interessant ist dabei die Entwicklung der Wahrscheinlichkeiten für die Dezember-Sitzung. Dort zeigt sich inzwischen ein nahezu ausgeglichenes Bild zwischen einem unveränderten Zinsniveau und einer Anhebung um 25 Basispunkte (siehe Grafik unten). Aus Sicht des Terminmarktes ist der Dezember damit derzeit der wahrscheinlichste Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung. Die Oktober-Sitzung wird zwar ebenfalls aufmerksam beobachtet, gilt aber eher als möglicher Vorbote für einen Schritt zum Jahresende.

Der Grund für diese Verschiebung liegt vor allem in der überraschenden Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt zeigt bislang kaum Schwächen, das Wachstum bleibt solide. Damit entfällt das wichtigste Argument für schnelle Zinssenkungen. Schwächelt die Wirtschaft, kann die Zentralbank mit niedrigeren Zinsen gegensteuern und die Konjunktur unterstützen. Doch das scheint gar nicht notwendig zu sein.

Die Inflation setzt die Fed unter Druck

Im Gegenteil: Die Inflation lag im Mai mit 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr recht deutlich oberhalb des von der Fed angestrebten Niveaus von zwei Prozent (siehe Grafik unten). Sollte sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen, könnte die Notenbank sogar gezwungen sein, ihre Politik erneut zu verschärfen und die Zinsen zu erhöhen, um die Teuerungsrate runter zu bringen.

Besonders wichtig wird deshalb die heutige Kommunikation von Kevin Warsh. Sollte der neue Fed-Chef einen restriktiveren Ton anschlagen und die gleichzeitig veröffentlichte Zinsschätzung ("Dotplot") des wichtigsten Fed-Gremiums keine weiteren Zinssenkungen mehr signalisieren, dürfte der Markt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember weiter nach oben anpassen . Das wäre negativ für die Aktienmärkte.

Umgekehrt könnte eine vorsichtigere Wortwahl die aktuell recht aggressiven Erwartungen bezüglich neuer Zinserhöhungen wieder dämpfen. Für Spannung ist also gesorgt heute Abend. Die Pressekonferenz mit Warsh beginnt um 20:30 Uhr und kann hier live verfolgt werden.

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