
Ein erneuter Rutsch der Aktien aus dem Halbleiterbereich hat den Dax zum Wochenausklang deutlich mit nach unten gerissen. Bis zum Handelsschluss verlor der Leitindex des deutschen Aktienmarkts 1,29 Prozent auf 24.671 Punkte. Damit entfernte sich der Dax weiter von der zuletzt umkämpften Marke von 25.000 Punkten. Das ist das größte Tagesminus seit rund einem Monat.
Damit verpuffte im Dax zudem mehr als nur der Erholungsversuch vom Donnerstag. Der Dax rutschte wieder unter die für den kurzfristigen Trend wichtige 21-Tage-Linie. Der Wochenverlust ist fast identisch mit dem Tagesminus. Für den Monat Juni steht ein Rückgang um 1,7 Prozent zu Buche und für die erste Jahreshälfte noch ein Plus von 0,7 Prozent.
Für den MDax ging es am Freitag letztlich um 1,20 Prozent auf 31.588 Punkte bergab. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verabschiedete sich mit einem Tagesverlust von 0,7 Prozent.
In Asien hatten die Anleger nach den gefeierten Resultaten des US-Halbleiterkonzerns Micron bei Tech-Werten gleich wieder Gewinne mitgenommen - vor allem in Tokio und Seoul. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial legte zum europäischen Handelsende moderat zu, wogegen der technologielastige Nasdaq 100 nachgab.
"Bei den Investoren wachsen nach den jüngsten Nachrichten die Zweifel, ob die Konsumenten die Preiserhöhungen der Technologiekonzerne noch in der Masse mittragen werden", schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst bei CMC Markets. Er verwies darauf, dass Apple erstmals die gestiegenen Halbleiterpreise an seine Kunden weitergebe.
"Noch kommen die Gewinne und hohen Margen der Chipunternehmen zustande, weil Konzerne wie Apple diese bezahlen." Doch wenn Kunden die höheren Preise nicht mehr akzeptierten, dann "spult sich die Kette von hinten auf", warnte Lipkow. Dies würde die hoch bewertete Halbleiterbranche empfindlich treffen. Der Marktexperte Jürgen Molnar verwies als Stimmungsbremse auf Berichte über eine mögliche Verschiebung des OpenAI-Börsengangs und Preissorgen wegen des KI-Booms.
Zalando wegen Bafin-Prüfung mit großem Minus
Im Chipbereich erfasste die erneute Abwärtsbewegung viele deutsche Aktien, darunter den Halbleiterhersteller Infineon mit einem Abschlag von 4,5 Prozent. Für die Branchenausrüster Aixtron, Suss und PVA Tepla sowie den Waferhersteller Siltronic ging es zuletzt um bis zu 5,6 Prozent bergab. Die Abwärtsbewegung erfasste mit Siemens Energy und Hochtief auch KI-Profiteure aus anderen Branchen.
Etwas deutlicher erwischte es mit 6,3 Prozent Minus die Zalando-Aktien. Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat bei dem Modehändler eine Prüfung des Konzernabschlusses eingeleitet wegen Anhaltspunkten, dass gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen wurde. Eine Stellungnahme, dass es sich "um einen rein formellen, aber materiell unwesentlichen Aspekt in den Anhangsangaben" handele, sorgte im Verlauf für etwas Entlastung.
Im Rüstungssegment erholte sich Renk vom jüngsten Kursrutsch, der im Zuge eines verlorenen Rheinmetall-Großauftrags weite Teile der Branche erfasst hatte. Die US-Regierung gab am Vorabend den Vertragsabschluss für einen Auftrag im Wert von 691 Millionen US-Dollar bekannt. Mit einem Plus von 3,2 Prozent hob sich Renk positiv ab von den sonst schwachen Rüstungswerten.
Einen Bogen machen die Anleger weiter um Autowerte. VW wurden zwar zeitweise von einem Medienbericht über noch weitreichendere Umstrukturierungen gestützt, bis zum Handelsschluss verloren die Titel der Wolfsburger jedoch 3,9 Prozent. Dem "Manager Magazin" zufolge könnten in den kommenden Jahren bis zu 100.000 Stellen wegfallen und vier Werke geschlossen werden.
Die Bayer-Aktien verteidigten ihren Vortagskurssprung wegen eines wichtigen Erfolgs in den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten weitgehend. Analyst James Quigley von Goldman Sachs sieht mit der Entscheidung des Obersten Gerichts in den USA einen großen Schritt, um eine Dekade der Rechtsrisiken im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter zu beenden.
Euro stärker, Gold stabilisiert sich
Der Kurs des Euro stieg über die Marke von 1,14 Dollar. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1422 Dollar gehandelt. Am Morgen hatte der Euro zeitweise nur noch 1,1354 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1401 (Donnerstag: 1,1342) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8771 (0,8816) Euro.
Der Euro profitierte von den gesunkenen Ölpreisen, die ihre jüngste Talfahrt am Freitag nach einer kurzen Erholung am Vortag fortsetzten. Im Gegensatz zu den USA verfügt die Eurozone kaum über Ölvorkommen. Zudem wird Rohöl in Dollar gehandelt. Sinkende Ölpreise dämpfen also die Nachfrage nach dem Dollar.
Der Goldpreis stabilisierte sich nach schwachen Vortagen etwas. Am Freitag verteuerte sich das Edelmetall je Feinunze (31,1 Gramm) um 1,7 Prozent auf 4.081 US-Dollar. Gleichwohl verlor Gold so auf Wochensicht rund 2,5 Prozent. Seit Monatsmitte geht es für den Kurs stückweise nach unten, neue Aufwärtsimpulse gab es zuletzt nicht.
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(mit Material von dpa-AFX)



