Kolumne von Alexander Mayer

Das bedeuten Trumps Milliarden-Gewinne für den Bitcoin-Kurs

decentralist.de · Uhr

Der US-Präsident streicht Milliarden Dollar aus Krypto-Geschäften ein, wie aus einer neuen Offenlegung hervorgeht. Für sein großes Gesetzesvorhaben im Krypto-Bereich kann das ein Problem sein.

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Quelle: Chip Somodevilla/Shutterstock.com

US-Präsident Donald Trump hat seine Finanzen für das Jahr 2025 offengelegt und die Zahlen beeindrucken: Trump hat mit seinen Krypto-Geschäften offenbar mehr Geld verdient als mit seinem Immobilien-Imperium. Die vom US Office of Government Ethics veröffentlichte Finanzoffenlegung liefert den bislang umfassendsten Einblick in Donald Trumps Vermögensverhältnisse während seiner zweiten Amtszeit.

Trump macht Milliarden mit Krypto

Den Angaben zufolge erzielte er im vergangenen Jahr Einnahmen von mehr als 1,4 Milliarden Dollar aus verschiedenen Krypto-Unternehmen und digitalen Vermögenswerten. Den größten Einzelposten bilden rund 635 Millionen Dollar an Lizenzgebühren aus einer Vereinbarung mit "Celebration Coins".

Nach Informationen von Bloomberg stehen diese Einnahmen im Zusammenhang mit Trumps Memecoin-Geschäft rund um CIC Digital und den TRUMP-Token. Warum die Einnahmen als Lizenzgebühren ausgewiesen werden, geht aus den Unterlagen jedoch nicht eindeutig hervor.

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Laut den Angaben besitzt Trump zudem eine Cold Wallet mit Bitcoin-Beständen im Wert von circa 50 Millionen Dollar, Ethereum-Cold-Wallets im Wert von fünf bis 25 Millionen Dollar, mehrere Stablecoin-Bestände, sowie Anteile an der Krypto-Firma seiner Familie, World Liberty Financial.

Seine Golfanlagen und Resorts – darunter Mar-a-Lago, Trump National Doral sowie mehrere weitere Clubs – erwirtschafteten zusammen mehr als 290 Millionen Dollar. Hinzu kommen Lizenzgebühren aus Immobilienprojekten in Rumänien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Auch zahlreiche Markenprodukte tragen weiterhin zum Einkommen des Präsidenten bei. So flossen unter anderem Millionenbeträge aus Lizenzvereinbarungen für Trump-Uhren, Bücher sowie weitere Merchandising-Produkte. Die Erlöse aus Krypto-Projekten haben diese Einnahmen nun jedoch zum ersten Mal deutlich übertroffen. Neben Kryptowährungen offenbart der Bericht auch ein breit diversifiziertes Aktienportfolio. Trump hält Beteiligungen an zahlreichen US-Unternehmen, darunter Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon und Palantir.

Darum hat die Offenlegung eine besondere Tragweite

Brisant an der Finanzoffenlegung ist jedoch weniger die Höhe von Trumps Krypto-Vermögen als deren politischer Kontext. Zeitgleich ringt der US-Senat um den Clarity Act – ein Gesetz, das erstmals einen umfassenden regulatorischen Rahmen für den amerikanischen Kryptomarkt schaffen soll. Es soll unter anderem festlegen, welche Kryptowährungen künftig als digitale Rohstoffe gelten, welche Rolle die US-Börsenaufsicht SEC und die Rohstoffaufsicht CFTC übernehmen und wie Bereiche wie DeFi, Stablecoins oder Governance-Token reguliert werden.

Genau in diesen Marktsegmenten ist Trump beziehungsweise seine Unternehmensstruktur inzwischen selbst umfangreich engagiert. Die Finanzoffenlegung zeigt Beteiligungen an Bitcoin, Ethereum, Stablecoins, DeFi-Projekten, Governance-Token sowie erhebliche Einnahmen aus Memecoins und Token-Verkäufen.

Das eröffnet einen potenziellen Interessenkonflikt: Während die Trump-Regierung die regulatorischen Rahmenbedingungen für den Kryptomarkt mitgestaltet, könnte der Präsident gleichzeitig persönlich von einer für die Branche günstigen Gesetzgebung profitieren.

Demokraten fordern strengere Regeln

Republikaner und Befürworter des Gesetzes weisen diesen Vorwurf zurück. Sie argumentieren, dass die Offenlegung gerade belege, dass das bestehende Transparenzsystem funktioniere. Trump habe sämtliche Beteiligungen ordnungsgemäß angegeben und damit die gesetzlichen Offenlegungspflichten erfüllt.

Die eigentliche Debatte über mögliche Interessenkonflikte müsse daher getrennt von der dringend benötigten Marktregulierung geführt werden. Aus ihrer Sicht würde eine weitere Verzögerung des Clarity Act lediglich die regulatorische Unsicherheit für Unternehmen und Investoren verlängern.

Demgegenüber fordern zahlreiche Demokraten strengere Ethikregeln für amtierende Politiker. Mehrere Senatoren hatten bereits vorgeschlagen, Präsidenten, Vizepräsidenten und Kongressmitgliedern Beteiligungen an Krypto-Unternehmen oder entsprechende Geschäftsaktivitäten grundsätzlich zu untersagen. Ein entsprechender Änderungsantrag scheiterte jedoch im Senatsausschuss entlang der Parteigrenzen. Durch Trumps nun offengelegte Milliardeninteressen erhält diese Forderung neue politische Schlagkraft.

Kommt am Ende keine Mehrheit zustande?

Genau darin könnte das größte Risiko für den Clarity Act liegen. Für eine Verabschiedung im Senat sind 60 Stimmen erforderlich. Da die Republikaner diese Mehrheit nicht allein erreichen, sind sie auf die Unterstützung mehrerer Demokraten angewiesen. Sollten diese ihre Zustimmung an strengere Ethikregeln knüpfen, könnte sich das Gesetz weiter verzögern oder sogar komplett scheitern.

Beobachter gehen inzwischen davon aus, dass die Zeit bis zur Sommerpause entscheidend wird. Gelingt bis dahin kein parteiübergreifender Kompromiss, könnte sich das Gesetzgebungs-Verfahren nach den Zwischenwahlen neu aufrollen – mit ungewissem Ausgang. Für den Kryptomarkt wäre dies ein Rückschlag, da sich die Hoffnung auf klare regulatorische Rahmenbedingungen in den USA erneut deutlich nach hinten verschieben würde.

Was kann das für die Bitcoin-Kursentwicklung bedeuten?

Bitcoin befindet sich aktuell in einer schwierigen Marktphase. Zyklisch betrachtet ist das Jahr 2026 innerhalb des Bitcoin-Vierjahreszyklus als Bärenmarktjahr definiert. Ausgehend von historischen Marktdynamiken ist kein Ausbruch aus dem Bärenmarkt bis frühestens im vierten Quartal zu erwarten.

Gleichzeitig fällt die Verhandlung um den Clarity Act in eine saisonal ohnehin schwache Marktphase. Die Sommermonate sind für die traditionellen Märkte genauso wie für die Krypto-Märkte durchschnittlich die Monate mit der schwächsten Performance. Sollte sich nun zusätzliche Enttäuschung durch eine erhebliche Verzögerung des Clarity Acts ergeben, kann das den Kursdruck verstärken.

Aktuell sieht das Angebot/Nachfrage-Verhältnis für Bitcoin ohnehin schwach aus, da die ETFs seit Wochen gravierende Abflüsse verzeichnen und das institutionelle Interesse nachlässt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Bitcoin-Treasury-Unternehmen Strategy eine umfassende Strategie-Neuausrichtung angekündigt hat.

Aufgrund der wachsenden Sorgen um die Bilanz-Liquidität hat Strategy den potenziellen Verkauf von Bitcoin-Beständen in Höhe von bis zu 1,25 Milliarden Dollar freigegeben, um Dividendenzahlungen weiterhin garantieren zu können. Sollte es tatsächlich zu Verkäufen seitens Strategy kommen, wäre das sowohl marktpsychologisch als auch für das tatsächliche Angebot/Nachfrage-Verhältnis am Markt eine neue Belastung.

Abwärtspotenzial bis 50.000 Dollar

Aktuell hält sich der Bitcoin-Kurs innerhalb seiner Unterstützungs-Zone zwischen 58.000 und 60.000 Dollar. Sollte diese Unterstützung jedoch fallen, stünde einer weiteren Korrektur bis mindestens zur Marke von 50.000 Dollar nicht mehr viel im Wege.

Für langfristig orientierte Investoren, die weiterhin von der Investmentthese für die Kryptowährung überzeugt sind, würden sich in so einem Szenario günstige Einstiegskurse ergeben, die sich historisch an den Bodenbildungs-Phasen vergangener Zyklen orientieren. Der Kurs ist bereits unter den relevanten 200-Wochen-Trend gefallen und nähert sich dem sogenannten Realized Price, der aktuell bei einem Niveau von knapp 53.000 Dollar liegt.

Der Realized Price bezeichnet den durchschnittlichen Kaufpreis aller im Umlauf befindlichen Bitcoin. Im Gegensatz zum normalen Marktpreis basiert er nicht auf dem aktuellen Kurs, sondern auf dem Preis, zu dem jeder einzelne Bitcoin zuletzt on-chain bewegt wurde. Liegt der Bitcoin-Kurs unter dem Realized Price, befindet sich der Markt im Durchschnitt im Verlust – historisch ein Zeichen für Kapitulation und starke Unterbewertung.

Denke langfristig!

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