Maximilian Nagel

Die Stimmung um Rüstungswerte hat sich 2026 merklich eingetrübt. Besonders sichtbar ist das am deutschen Marktführer Rheinmetall. Der Kurs des im Dax notierten Düsseldorfer Rüstungskonzerns hat sich vom Hoch im vergangenen Sommer binnen eines Jahres halbiert. Und auch bei den jüngsten IPOs der Branche lief’s allenfalls noch durchmischt.
Die Aktie von Vincorion beispielsweise tendierte nach dem Börsengang nur seitwärts. Zwar stieg der Kurs zum Handelsbeginn direkt auf 19,30 Euro, und damit klar über den Ausgabepreis von 17 Euro, mit aktuell 18,30 Euro notiert Vincorion aktuell aber unter den ersten frei gehandelten Kursen.
Der U-Boot-Zulieferer Gabler fiel sogar unter den Ausgabepreis. Für 44 Euro konnten Anleger die Anteile zeichnen, aktuell ist eine Aktie nur 42,40 Euro wert. Nur die Thyssenkrupp-Abspaltung TKMS hält sich gut. Hier ging der Handel bei 60 Euro los, derzeit notiert die Aktie des U-Boot-Herstellers gut 50 Prozent darüber.
Wie wird es jetzt bei SMAG? In dieser Woche läuft die Preisfindung für den Konzern aus Salzgitter, der auf Funkmasten spezialisiert ist. Zum Kundenkreis gehören dem Unternehmen zufolge 15 Nato-Staaten sowie zahlreiche weitere Rüstungskonzerne, unter anderem Rheinmetall, Hensoldt und Saab.
Das sind die Details zum IPO
Zwischen 46 und 54 Euro soll die Aktie kosten. Der Börsengang besteht dabei aus einer Kapitalerhöhung um 650.000 neue Aktien sowie dem Verkauf von 1,8 Millionen Aktien aus dem Bestand des bisherigen Aktionärs, der SMAG-Dachgesellschaft, die wiederum komplett dem Münchner Beteiligungskonzern Aequita gehört, der SMAG erst 2024 übernahm.
Bei voller Ausübung der Mehrzuteilung könnten insgesamt knapp 2,81 Millionen Aktien verkauft werden, womit die Dachgesellschaft weiterhin 50,1 Prozent der Anteile halten würde. Bestenfalls kommt SMAG damit auf eine Marktkapitalisierung von rund 305 Millionen Euro. In der Mitte der Spanne wären es noch 282 Millionen Euro; wir haben es hier also mit einer kleinen börsennotierten Gesellschaft zu tun.
Das Unternehmen würde zum mittleren Ausgabepreis netto 30,5 Millionen Euro einnehmen – eine im Vergleich hübsche Summe. Denn Ende März lagen die Barmittel der Firma bei nur 3,6 Millionen Euro. Mit dem Kapital will SMAG weiteres Wachstum finanzieren. Der größere Teil der Emissionserlöse von 102 Millionen Euro fließt wiederum dem bisherigen Eigner zu.
Bis zum 8. Juli läuft die Preisfindung noch, der erste Handel soll am 13. Juli stattfinden. SMAG geht dabei im Segment Scale an die Frankfurter Börse, welches weniger strenge Vorschriften beispielsweise in Bezug auf Veröffentlichungspflichten hat als die oberen Börsensegmente General und Prime Standard.
Robuste Masten für Funk und Radar: Das ist SMAGs Geschäft
Einziges Geschäftsfeld des Konzerns sind die besagten Masten, beispielsweise für Radare oder Funksysteme. „Wir sehen ein außergewöhnlich starkes strukturelles Nachfrageumfeld für missionskritische mobile Verteidigungskommunikations-Infrastruktur“, so SMAG-Chef Ulrich Feindt mit Verweis auf die stark steigenden Rüstungsausgaben in Europa.
Hinter diesen sperrigen Begriffen steckt eine im Grunde einfache Technik – auf Fahrzeuge oder Anhänger montierte, selbsttragende Masten, die also ohne stabilisierende Spannseile auskommen und in kürzester Zeit (teilweise unter zehn Minuten) ausgefahren werden.
Der Sinn dahinter ist, Sende- und Empfängersysteme, wie beispielsweise Radare, über störendem Terrain zu platzieren und damit die Effektivität zu erhöhen. SMAGs Masten kommen daher beispielsweise im Flugabwehr-System Patriot zum Einsatz.
Der Konzern selbst erklärt selbstbewusst, seine Masten seien eine „unsichtbare Kraft“ hinter der modernen Luftabwehr. Auch im Bereich der Drohnenabwehr will sich SMAG noch stärker positionieren, heißt es im Wertpapierprospekt.
Das Geschäft läuft weniger gut
Weil Drohnen in modernen Kriegen eine zentrale Rolle spielen, mag das vielversprechend erscheinen. Doch richtig nutzen kann SMAG den Rüstungsboom bisher offenbar nicht. Das Unternehmen verweist auf eine vielzitierte Roland-Berger-Studie, wonach die Rüstungsausgaben bis 2030 in Europa um neun Prozent pro Jahr steigen sollen. 2025 legte der reine Umsatz des Konzerns aber nur um rund 6,3 Prozent zu und blieb damit unter dem eigenen Plan, wie es im Geschäftsbericht heißt.
Werden Sondereffekte einbezogen, steigerte sich der Gesamterlös zwar um gut 18 Prozent. Allerdings zogen die Kosten sogar noch stärker an. 2025 wuchsen die Materialkosten um rund 24,4 Prozent, die Personalkosten sogar um 31,2 Prozent.
SMAG argumentiert zwar, man brauche mehr Personal für die Expansion, verweist zugleich aber auf insgesamt höhere Arbeitskosten. So oder so: Ziehen Kosten stärker als Umsätze an, ist das erstmal ein schlechter Trend. Dementsprechend halbierte sich die Marge des Vorsteuer-Ergebnisses (Ebt) von 14,4 auf 7,7 Prozent fast.
Im ersten Quartal 2026 wiederum rutschte SMAG sogar in die roten Zahlen und verbuchte einen Verlust von 725.000 Euro, obwohl der Umsatz um fast 28 Prozent auf 6,4 Millionen Euro stieg. Auch hier sind die Gründe schnell gefunden: Die Materialkosten schnellten um fast 33 Prozent hoch, die Personalausgaben sogar um 38,4 Prozent.
Wie sieht die Bewertung aus?
Entsprechend schwach sieht die Aktie von SMAG aus, wenn eine Bewertung kalkuliert wird. Insgesamt will das Unternehmen dieses Jahr 55 bis 60 Millionen Euro erlösen, die Marge für das bereinigte Ebit soll dabei bei 19 bis 21 Prozent betragen. Langfristig sind sogar 35 Prozent angestrebt.
Angenommen, SMAG schafft 60 Millionen Umsatz, und kann auch die obere Spanne bei der Marge erreichen, so ergibt sich ein Ebit von 12,6 Millionen Euro. Das wäre schon eine Verdreifachung zum Jahr 2025.
Das Verhältnis von Ebit zu Unternehmenswert – ist in diesem Falle identisch mit der Marktkapitalisierung, da SMAG keine Schulden hat – beliefe sich dann immer noch auf 20,6 bis 24,2, je nach Ausgabepreis. Damit wäre SMAG teurer als viele andere deutsche Rüstungskonzerne, die aber viel größer sind (siehe Tabelle unten). Und dabei rechnen wir hier noch großzügig mit dem optimistischen Fall.
Fazit: Kein Kauf zu diesem Preis
Wer an der Börse gerade günstige Mittelständler mit solidem Gechäft sucht, wird bei SMAG also nicht fündig. Rund läuft das fundamentale Geschäft, trotz steigender Rüstungsausgaben, keineswegs. Ob sich die angekündigte Ausweitung von Umsätzen und Margen so materialisiert, darf zumindest angezweifelt werden. Es ist zudem ein Warnzeichen, dass SMAG die eigenen Wachstumsambitionen im vergangenen Jahr verfehlte, obwohl die meisten Wettbewerber Rekordjahre vermeldeten.
Ebenfalls bedenklich ist die deutlich verhaltenere Stimmung gegenüber Rüstungswerten insgesamt. Womöglich will SMAG die an sich zuversichtliche Gesamtlage an den Märkten nutzen, um den Börsengang durchzuziehen. Aufgrund der relativ hohen Bewertung sind Auftaktgewinne aber nicht garantiert. Zudem zeigen die vorigen Börsengänge von Vincorion und Gabler, dass Rüstung an der Börse kein Selbstläufer mehr ist. Daher ist SMAG kein Kandidat fürs Depot.
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