
Der Dax hat zur Wochenmitte erneut kräftig nachgegeben, belastet von schwachen KI-Werten in Asien und den wieder aufgeflammten Kämpfen im Iran. Gut eine Stunde nach Handelsbeginn verlor der Leitindex des deutschen Aktienmarkts gut ein Prozent auf 25.214 Punkte. Der MDax rutschte um 1,4 Prozent auf 32.174 Zähler ab.
Nach wie vor belasten Gewinnmitnahmen bei KI-Aktien, wie sie an Asiens Börsen erneut zu beobachten sind. Obendrein scheint die Entspannung in Iran-Krieg vorerst ein Ende gefunden haben. Darauf deuten die steigenden Ölpreise hin. Nach jüngsten Attacken des Iran auf mehrere Tanker in der Straße von Hormus, griff das US-Militär Ziele im Iran an. Zudem wurden die Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft gesetzt.
Noch am Montag hatte der Dax mit einem Test der 25.900-Punkte-Marke seinen dreitägigen Rekordlauf gekrönt. Dann hatten Gewinnmitnahmen eingesetzt - insbesondere im KI-Bereich. Und die sind noch nicht abgehakt. So sackte der südkoreanische Kospi, zuletzt Sinnbild der KI-Rally, erneut kräftig ab und büßte zum Handelsschluss etwas mehr als fünf Prozent ein. Nun ist er wieder zurück auf dem tiefsten Stand seit Mitte Mai. Der US-Halbleiterindex SOX hatte am Vorabend seine Talfahrt wieder aufgenommen und am Ende nur mit Mühe die 50-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend signalisiert, verteidigt.
Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank sieht angesichts der erneuten gegenseitigen Angriffe in Nahost und des erneuten Embargos iranischer Ölexporte wieder Unsicherheit aufflammen. Das komme gerade zu jenem Zeitpunkt, "als die Märkte die geopolitischen Risiken samt der dadurch begleiteten Inflationssorgen abhaken wollten", erklärte er.
Zwar sieht er in den Ereignissen keine Abkehr vom Friedensprozess. "Sie sind aber eine Entwicklung in die falsche Richtung." Außerdem wird Stanzl zufolge an der Börse die Sommerpause immer spürbarer. Es fehle mit Blick auf den recht dürftigen Terminkalender an triftigen Gründen, um bei Aktien zuzugreifen.
Chip-Aktien uneinheitlich, Unicredit nähert sich Commerzbank-Übernahme
Trotz der schwachen Vorgaben hielten sich deutsche Chip-Werte weitestgehend stabil, hatten allerdings an den Tagen zuvor bereits kräftig nachgegeben. Im Dax verloren Infineon-Aktien leichte 0,4 Prozent. Unter den Nebenwerten tendierten Siltronic, Aixtron, Suss Microtec und Elmos Semiconductor uneinheitlich. Während Aixtron über ein Prozent verlor, hielten sich die übrigen Werte nahe null oder gewannen sogar moderat hinzu.
Die Unicredit kommt indes einer Übernahme der Commerzbank näher. Das Übernahmeangebot der Italiener wurde bis Ablauf am 3. Juli für 17,6 Prozent der Commerzbank-Papiere angenommen, teilte die Großbank mit. Zusammen mit den 26,77 Prozent, die die Großbank aus Mailand schon vor der Offerte hielt, steigt der direkt Unicredit-Anteil an der Commerzbank damit auf gut 44 Prozent.
Zudem haben die Italiener über Kaufoptionen zusätzlich Zugriff auf mehr als drei Prozent der Commerzbank-Aktien, halten weitere Finanzinstrumente und kämen so nach eigenen Angaben auf mehr als 47 Prozent. Die Unicredit kann nun an der Börse weitere Commerzbank-Aktien kaufen, steht dabei aber unter Beobachtung der Finanzaufsicht. Mit dem aufgestockten Anteil ist eine Commerzbank-Übernahme wahrscheinlicher geworden. Commerzbank-Aktien fielen moderat.
Vonovia am Dax-Ende, Talanx leidet unter Anteilsverkauf
Der Anstieg der Ölpreise belastete den europäischen Immobiliensektor im frühen Handel. Neben den Rohstoff- und Bauwerten zeigt er damit die deutlichste Reaktion darauf, dass der Iran-Krieg nach US-Angriffen wieder Thema ist. Steigende Ölpreise schüren Inflationssorgen und machen letztlich eine Zinsreaktion der Notenbanken wieder wahrscheinlicher. Bei Rohstoff- wie Bauwerten spielen dadurch gedämpfte Konjunkturerwartungen die Hauptrolle.
Im Dax lagen Vonovia mit minus drei Prozent am Indexende. Sie hatten sich wie der Immobiliensektor in den vergangenen vier Wochen klar erholt. Die Anleiherenditen - und damit die Marktzinsen - waren von Mitte Mai bis Ende Juni klar gesunken. Dies begünstigt die Finanzierung von Transaktionen in der Branche. Im MDax verloren TAG Immobilien, LEG oder auch Aroundtown zwischen 3,1 und 4,2 Prozent.
Talanx litten unter dem Verkauf eines Großaktionärs und verloren rund 4,2 Prozent. Eine Aktienplatzierung durch den Anteilseigner Meiji Yasuda Life belastete. Dieser hatte seine 4,3 Millionen Aktien für 110,70 Euro bis Marktpreis, also dem Schlusskurs von 115,80 Euro angeboten, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente am Vorabend berichtet hatte. Laut einem Händler betrug der Platzierungspreis am Ende 110,70 Euro je Aktie.
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(mit Material von dpa-AFX)


