Düsseldorf, 10. Jul (Reuters) - Der Einbruch des chinesischen Automarkts lastet auf den großen deutschen Herstellern. Rückgänge in der Volksrepublik sorgten dafür, dass die Auslieferungen bei Volkswagen und BMW im ersten Halbjahr schrumpften. Auch Konkurrent Mercedes-Benz litt unter dem harten Wettbewerb und der zurückhaltenden Stimmung der Verbraucher in der Volksrepublik. Steigende Spritpreise durch den Iran-Krieg befeuern dort zudem den Kauf von Elektroautos.
"Die Herausforderungen verstärkten sich im zweiten Quartal, insbesondere im Segment der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor", hatte Mercedes-Benz am Mittwoch beklagt. Die Stuttgarter erwischte es in dem wichtigen und in der Vergangenheit sehr lukrativen Exportmarkt prozentual am schwersten: Der Absatz schrumpfte um 28 Prozent auf nur noch 210.000 Autos. Auch den kriselnden Autobauer Volkswagen erwischte die Schwäche des chinesischen Marktes. Die Wolfsburger schrieben dort im Halbjahr ein Minus von 25,9 Prozent auf 973.000 Fahrzeuge. Die Konzerntochter Audi notierte dabei einen Rückgang von 19 Prozent. Bei BMW summierte sich das Minus in China im Halbjahr auf rund 20,4 Prozent. Die Münchner hatten bereits bei ihrer Gewinnwarnung Mitte Juni auf die Entwicklung in der Volksrepublik verwiesen. "Herausfordernd bleibt die Situation in China", bilanzierte auch Volkswagen-Vertriebschef Marco Schubert.
Der chinesische Automarkt steht seit längerem massiv unter Druck. Im Juni ging der Absatz in der Volksrepublik insgesamt um 23,4 Prozent auf 1,62 Millionen Fahrzeuge zurück, wie aus Daten des Branchenverbandes CPCA hervorgeht. Es war der neunte Monat in Folge mit einem Absatzminus. Für das gesamte erste Halbjahr summiert sich der Rückgang damit auf gut ein Fünftel auf 8,8 Millionen Autos. Besonders stark fiel der Einbruch dabei gerade im Einstiegssegment aus, wie der Herstellerverband CAAM erklärte. Das Premiumgeschäft ziehe dagegen an, sagte CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu. "Diejenigen mit Geld sind bereit, sich zu verbessern, während diejenigen mit wenig Kaufkraft schlichtweg ganz auf den Kauf eines neuen Autos verzichten."
Von diesem Trend profitierten insbesondere neue chinesische Premiumhersteller wie Nio, während die deutschen Autobauer zu kämpfen hätten, sagte Wang Xianbin, Vizepräsident beim Analysehaus Gasgoo. "Die chinesischen Verbraucher kaufen nicht länger deutsche Wertarbeit und deutschen Luxus."
Besser sah es für die deutschen Hersteller in anderen Märkten aus - vor allem im lange schwächelnden Europa konnten sie zulegen. Doch unter dem Strich reichten die Zuwächse nicht, um die Wachstumsdelle in China auszubeulen. Der Volkswagen-Konzern, zu dem Marken wie VW, Audi, Skoda oder Porsche gehören, lieferte im ersten Halbjahr mit 4,13 Millionen Autos sechs Prozent weniger Fahrzeuge an die Kunden aus als im Vorjahr. Gut gelaufen sei indes das Geschäft mit Elektroautos, erklärte der Konzern, der gerade um einen umfassenden Umbau ringt. Bei der BMW Group belief sich das Minus in den ersten sechs Monaten auf 4,2 Prozent, rund 1,15 Millionen Fahrzeuge gingen noch an die Kunden. Auch Mercedes-Benz ließ Federn - die Stuttgarter verkauften im ersten Halbjahr weltweit 1,01 Millionen Autos, das sind sechs Prozent weniger als im Vorjahr.
(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




