Europa-Anleger schwanken zwischen Hoffen und Bangen

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 10. Jul (Reuters) - ⁠Anleger haben sich vor dem Wochenende mit Engagements an den europäischen Aktienmärkten zurückgehalten. Dax und EuroStoxx50 notierten am Freitagmittag jeweils kaum verändert bei 25.121 beziehungsweise 6276 Punkten.

Der Nahost-Konflikt belaste die Börsen trotz der jüngsten Kampfhandlungen nur begrenzt, sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst der Consorsbank. "Die Anleger können sich mit der fragilen Lage arrangieren, solange – wie jetzt auch wieder – der Gesprächsfaden nicht ‌vollends reißt." Rückenwind erhoffen sich Börsianer zudem vom US-Börsendebüt des Speicherchip-Herstellers SK Hynix. "Er kann Aufschluss über das allgemeine Interesse an KI-Aktien liefern und die Branchenstimmung beeinflussen", betonte Analystin Ipek Ozkardeskaya von der Swissquote Bank.

Der südkoreanische Konzern ⁠teilte die ADR-Hinterlegungsscheine ⁠für seine Zweitnotiz an der Wall Street zu 149 Dollar zu. Mit einem Volumen von 26,5 Milliarden Dollar ist dies der zweitgrößte Börsengang der Geschichte nach dem des Raumfahrtkonzerns SpaceX. Zu Wochenbeginn hatten mit Enttäuschung aufgenommene Quartalsergebnisse des Hynix-Rivalen Samsung Ängste vor einem Abflauen der KI-Blase geschürt.

ÖLPREIS GIBT TROTZ NAHOST-SPANNUNGEN NACH

An den Rohstoffmärkten gaben die Energiepreise trotz der Gefechte in Nahost erneut nach. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu ‌1,2 Prozent auf 75,36 Dollar je Barrel (159 Liter) und der europäische Erdgas-Future ‌um 2,4 Prozent auf 46,61 Euro je Megawattstunde. "Der Markt scheint zwischen politischer Eskalation und tatsächlichen Versorgungsengpässen zu unterscheiden", sagte Anlagestratege Dilin Wu vom Brokerhaus Pepperstone. Öl- und Gastanker durchquerten wieder die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus, wie sich aus ⁠Schiffverfolgungsdaten ablesen ließ.

An den Devisen- und Anleihebörsen rückte Japan ins Rampenlicht. Die Regierung in Tokio will unter anderem den ‌staatlichen Pensionsfonds GPIF ermuntern, verstärkt in heimische Wertpapiere zu investieren. ⁠Anleger griffen daraufhin bei der Landeswährung und bei japanischen Bonds zu. Dies drückte den Kurs des Dollar um bis zu 0,7 Prozent auf 161,29 Yen und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf 2,7 Prozent. Da japanische Pensionsfonds bislang etwa 50 Prozent ihrer Mittel im Ausland anlegten, werde diese Maßnahme japanische ‌Wertpapiere langfristig stützen, prognostizierte Analyst Fabien Yip vom Brokerhaus IG ⁠Markets.

VOLKSWAGEN UNTER DRUCK - VODAFONE IM AUFWIND

Zu den Verlierern ⁠am deutschen Aktienmarkt zählte Volkswagen mit einem Minus von rund einem Prozent. Der Wolfsburger Autobauer musste im ersten Halbjahr auf dem wichtigen chinesischen Markt einen Absatzrückgang um 26 Prozent hinnehmen. Zudem stößt der "Zukunftsplan" des Managements, mit dem das Unternehmen aus der Krise geführt werden soll, auf Widerstand des Aufsichtsrats. Innerhalb des Konzerns würden Synergien bislang nur unzureichend gehoben, kritisierte DZ Bank-Analyst Michael Punzet. "Die angedachte Reduzierung der Modell- und Angebotspalette ist ebenfalls nicht neu."

In London steuerten die Titel von Vodafone dagegen mit einem Kursplus von bis zu 13,6 Prozent auf den größten Tagesgewinn seit Anfang 1999 zu. Der Telekomkonzern E& aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verkauft seinen rund 16-prozentigen ⁠Anteil an dem britischen Mobilfunker an Xavier Niel. Der französische Milliardär ist Gründer des Telekommunikationsunternehmens Iliad.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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