Bei Bitcoin ist die nächste Bärenmarkt-Rally im Gang
Bitcoin hat sich nach schwachen Vormonaten wieder ein gutes Stück erholt. Doch Hoffnungen auf eine Trendwende sollten sich Anleger nicht machen, denn der Kurs folgt weiterhin starken saisonalen Mustern.
Alexander Mayer

Der Bitcoin-Kurs befindet sich aktuell wieder im Aufwind, nachdem er Ende Juni ein neues Jahrestief gezeichnet hatte. Mit der jüngsten Erholungsbewegung konnte der Kurs wieder über den 200-Wochen-Trend klettern und hat mit seinen letzten zwei Wochen-Kerzen den Bereich zwischen 58.000 und 60.000 Dollar als wichtige charttechnische Unterstützung bestätigt, die sich aus dem Doppeltop des letzten Zyklus und der entsprechenden Handelsspanne aus dem Jahr 2024 ergibt.
Mit Blick auf die übliche Saisonalität bei Bitcoin sollten Anleger sich jedoch nicht zu viele Hoffnungen machen, dass es sich hier bereits um das Ende dieses Bitcoin-Bärenmarktes handelt. Zwar sind die Sommer-Monate zwischen Mai und September historisch die schwächsten für Bitcoin, der Juli zeichnet sich jedoch regelmäßig durch eine starke Zwischenerholung aus.

Das gilt vor allem in Bärenmarktjahren: Im Jahr 2018 stach der Juli mit einem Kurszuwachs von 20 Prozent hervor. Im letzten großen Bärenmarkt 2022 waren es 17 Prozent, nach schwachen Vormonaten.
Bisher hält Bitcoin sich weiterhin mit einer beeindruckenden Präzision sowohl an seine saisonalen als auch an seine gesamt-zyklischen Kursdynamiken. Charttechnisch gesehen ist ein Anstieg bis an das Bullmarket-Supportband oder bis an den 200-Tage-Trend mit Blick auf vergangene Dynamiken ein möglicher Orientierungspunkt für eine weitere Zwischenrally in diesem übergeordneten Abwärtstrend.
Diese Faktoren können Bitcoin aus dem Bärenmarkt befreien
Saisonal betrachtet stehen Bitcoin noch einige schwere Monate bevor. Es zeichnen sich jedoch einige fundamentale Faktoren ab, die das Fundament für den nächsten Bullenmarkt legen können.
Mit dem CLARITY Act könnte erstmals ein umfassender Rechtsrahmen für digitale Vermögenswerte geschaffen werden. Das Gesetz soll die seit Jahren bestehende Unsicherheit beenden, welche Behörde für welche Bereiche des Kryptomarktes zuständig ist.
Bitcoin selbst wäre davon zwar nur indirekt betroffen, da die Kryptowährung regulatorisch bereits weitgehend als digitale Commodity gilt. Für Banken, Vermögensverwalter und andere Finanzunternehmen würde ein klarer Rechtsrahmen jedoch deutlich mehr Planungssicherheit schaffen.
Dadurch könnte sich die institutionelle Adoption erheblich beschleunigen. Während die Spot-Bitcoin-ETFs vor allem Kapital in Bitcoin gelenkt haben, würde ein regulatorisch geöffneter Markt Investitionen in die gesamte Blockchain-Infrastruktur erleichtern. Langfristig könnte genau das den nächsten Aufwärtstrend auf ein deutlich stabileres Fundament stellen.
Aktuell kämpft der CLARITY Act um eine Verabschiedung durch den Senat. Das Zeitfenster ist eng, da die Zwischenwahlen in den USA näher rücken und damit eine potenzielle Änderung der Mehrheiten. Der Markt sieht für eine Verabschiedung noch in diesem Jahr aktuell eine Chance von etwa 40 Prozent.
Stablecoins und Tokenisierung schaffen reale Nachfrage
Jeder große Bitcoin-Bullenmarkt wurde bislang von einem neuen Narrativ begleitet. Das nächste könnte jedoch deutlich nachhaltiger sein: Stablecoins und die Tokenisierung realer Vermögenswerte.
Stablecoins entwickeln sich zunehmend zur digitalen Infrastruktur des US-Dollars und ermöglichen schnelle, kostengünstige Zahlungen rund um den Globus. Gleichzeitig arbeiten immer mehr Banken und Vermögensverwalter an der Tokenisierung von Anleihen, Aktien oder Immobilien.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, würde die Blockchain schrittweise zur Infrastruktur des globalen Finanzsystems werden. Anders als frühere Hype-Themen wie NFTs oder Memecoins beruhen Stablecoins und tokenisierte Vermögenswerte auf realen wirtschaftlichen Anwendungsfällen. Dadurch könnten sie dauerhaft Kapital in das Krypto-Ökosystem ziehen und den nächsten Bullenmarkt wesentlich nachhaltiger tragen.
Mehr Liquidität bleibt der wichtigste Kurstreiber
Der wichtigste langfristige Einflussfaktor für Bitcoin bleibt die globale Liquidität. Historisch entstanden nahezu alle großen Bitcoin-Rallys in Phasen lockerer Geldpolitik, wenn sinkende Zinsen und steigende Geldmengen Kapital in Risikoanlagen lenkten.
Zwar wirkt die Geldpolitik derzeit weiterhin restriktiv, doch die hohe Staatsverschuldung und steigende Refinanzierungskosten sprechen dafür, dass dauerhaft hohe Zinsen kaum durchzuhalten sind. Früher oder später dürfte der Druck auf die Notenbanken steigen, die Liquiditätsbedingungen wieder zu lockern.
Für Bitcoin wäre ein solcher Richtungswechsel historisch betrachtet ein starker Rückenwind. Durch Spot-ETFs, Unternehmensreserven und institutionelle Investoren ist die Kryptowährung heute deutlich stärker im traditionellen Finanzsystem verankert als in früheren Zyklen. Neue Liquidität könnte deshalb wesentlich schneller in den Markt fließen – und damit den Grundstein für den nächsten nachhaltigen Aufwärtstrend legen.
"Wer heute alles auf KI setzt, macht in meinen Augen einen Fehler." Das sagt Sven Wagenknecht, Chefredakteur des reichweitenstärksten deutschen Krypto-Newsportals, der uns in einem Interview seine Sicht auf die aktuelle Marktlage verrät und warum in Bitcoin und Co. noch eine Menge Potenzial steckt. Das vollständige Interview gibt es auf dem onvista-Youtube-Kanal.






