Drei Legenden: Was Dalio, Zulauf und Soros erwarten
Die drei Börsenveteranen Dalio, Zulauf und Soros denken unterschiedlich, kommen aber aktuell zum gleichen Schluss: In den nächsten Jahren droht Chaos an den Märkten. Aussteigen wäre trotzdem die falsche Idee.
Heiko Böhmer

Die international anerkannten Investoren Ray Dalio, Felix Zulauf und George Soros haben in ihrer Karriere selten in dieselbe Richtung geschaut. Drei völlig unterschiedliche Denkschulen, drei völlig unterschiedliche Temperamente.
Umso auffälliger, dass sich ihre Signale gerade jetzt zu einem gemeinsamen Bild verdichten: Vorsicht für die nächsten ein bis zwei Jahre.
Dalio: Fünf Jahre „große Turbulenz“
Dalio denkt in Schuldenzyklen. Sein Bild: Kredit ist wie ein Kreislaufsystem, das der Wirtschaft Kaufkraft zuführt — bis Schulden und Schuldendienst schneller wachsen als das Einkommen. Genau das sieht er aktuell in den USA, die rund sieben Billionen Dollar ausgeben, aber nur fünf Billionen einnehmen.
Die Zinslast des US-Staates allein hat die Marke von einer Billion Dollar pro Jahr schon überschritten. Dalio nennt drei Risiken, die sich derzeit verdichten: eine politisch verursachte Rezession, schwindendes ausländisches Vertrauen in US-Anlagen und das teure Wettrüsten bei künstlicher Intelligenz.
Zusammen ergibt das die Basis für seinen viel zitierten „finanziellen Herzinfarkt“ — kein Crash über Nacht, sondern ein Systemversagen auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Dazu kommt, was Dalio einen möglichen „Kapitalkrieg“ nennt: Wenn Geld selbst zur Waffe wird, drohen Kapitalkontrollen und ein Rückzug ausländischer Käufer von US-Anleihen. Seine eigene Formulierung für das Zeitfenster: Die nächsten zwei bis drei Jahre würden sich anfühlen „wie eine Zeitreise durch eine riskantere Phase“.
Seine Antwort darauf ist trotzdem keine Panik, sondern Struktur: ein breit diversifiziertes Depot, mit bis zu 15 Prozent Gold als Versicherung gegen genau dieses Szenario.
Zulauf: Der Bullenmarkt hat ein Ablaufdatum
Felix Zulauf wurde im Juni in einem viel beachteten Gespräch mit Jeffrey Gundlach konkreter als sonst: Die Aktienmärkte könnten seiner Einschätzung nach schon im dritten Quartal 2026 oder spätestens im ersten Quartal 2027 ihren Höhepunkt erreichen, gefolgt von einem klassischen Bärenmarkt mit 30 bis 50 Prozent Rückgang — ausgelöst durch Rezession und eine Bewertungskorrektur zugleich.
Sein Beweis liefert die Infrastruktur hinter dem KI-Boom selbst: Die Investitionsquote der Hyperscaler ist von zehn auf 30 Prozent ihres Umsatzes gestiegen. Die Speicherchip-Preise haben sich verdoppelt bis verdreifacht. Der freie Cashflow der großen Technologiekonzerne kippt bereits ins Negative.
Zulauf sieht zudem den 40 Jahre alten Anleihe-Bullenmarkt endgültig beendet, den Dollar nach einer letzten Stärkephase in einen säkularen Abwärtstrend eintreten — und Gold in einem säkularen Aufwärtstrend, während sich die Welt von einer unipolaren in eine multipolare Ordnung verschiebt.
Soros: Wenn die eigene Theorie zur Warnung wird
George Soros äußert sich heute seltener persönlich zu Wort, aber seine Theorie der Reflexivität passt derzeit wie kaum ein anderes Konzept auf die KI-Blase. Sein Kerngedanke, schon vor Jahrzehnten formuliert: Ein sich selbst verstärkender Trend läuft, bis er es nicht mehr tut — und dreht sich dann ebenso stark in die Gegenrichtung.
Auf die KI-Welt übertragen: Microsoft steckt 80 Milliarden Dollar in eigene Infrastruktur, um seine Marktmacht zu verteidigen, Nvidia wächst, indem es in die eigenen Kunden investiert. Ein geschlossener Kreislauf, der sich selbst finanziert — bis er es nicht mehr kann.
Bemerkenswert: Auch Soros Fund Management fährt diesen Trend derzeit noch mit, mit einer deutlich aufgestockten Position bei Taiwan Semiconductor. Reflexivität heißt eben auch, im Feedback-Loop mitzuschwimmen, solange, bis man aussteigt.
Was das für die nächsten zwei Jahre bedeutet
Drei unterschiedliche Zugänge, ein gemeinsamer Kern: Ein durch Schulden finanzierter, extrem konzentrierter Investitionsboom trägt heute die Märkte — und genau diese Konzentration macht sie anfällig. Keiner der drei nennt ein exaktes Datum, und das ist auch gut so. Punktprognosen waren noch nie die Stärke der Börse. Aber alle drei zeichnen dasselbe Zeitfenster: die kommenden ein bis zwei Jahre.
Das ist kein Aufruf zum Ausstieg, sondern zur Disziplin. Breite Streuung über Regionen und Stile, eine Position in Gold, und der nüchterne Blick auf Bewertung statt Story — das ist keine neue Idee, aber gerade jetzt eine besonders relevante. Genau das ist auch der Grund, warum wir seit Monaten auf Qualitätsaktien mit echter Substanz setzen, statt auf die immer gleichen KI-Gewinner. Wenn drei so unterschiedliche Köpfe zum gleichen Schluss kommen, lohnt es sich zuzuhören.
Bleiben Sie diszipliniert. Die nächsten zwei Jahre werden es verlangen.
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