Dax trotz neuer Iran-Eskalation stabil - Chipwerte schwach

Die jüngste Entwicklung im Nahost-Konflikt hat den Dax am Montag kaum negativ beeinflusst. Auch weitere Gewinnmitnahmen bei Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz (KI) konnte der deutsche Leitindex abschütteln.
Nach zwischenzeitlichen Verlusten gewann er letztlich 0,19 Prozent auf 25.114 Punkte. Damit notierte der Dax knapp über der für den kurzfristigen Trend wichtigen 21-Tage-Linie, um die er jüngst pendelte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen stieg um 0,20 Prozent auf 31.981 Zähler.
"Schnäppchenjäger haben den Dax zurück über die Marke von 25.000 Punkten gekauft", kommentierte Andreas Lipkow, Marktanalyst bei CMC Markets. "Die Käufer blenden die potenziellen Folgen der jüngsten Eskalation im Nahen Osten vorerst aus." Lipkow verwies allerdings auf die wieder steigenden Ölpreise und damit verbundene Inflations- sowie Zinssorgen.
Das US-Militär attackierte in der Nacht auf Montag den Iran erneut, nachdem es das Land bereits am Wochenende angegriffen hatte. Es war bereits die vierte Angriffswelle der USA, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten. Nachdem das US-Militär seine Attacken für beendet erklärt hatte, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Insa am Nachmittag über neue Angriffe im Südwesten des Landes. US-Präsident Donald Trump kündigte außerdem die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen iranische Häfen an.
Schwäche in Asien belastet deutsche Chip-Aktien
An den überwiegend schwachen asiatischen Märkten litten vor allem die gut gelaufenen technologielastigen Indizes wie der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei 225 unter heftigen Kursverlusten. Am deutschen Aktienmarkt gerieten mit der asiatischen Tech-Schwäche vor allem Halbleitertitel unter Druck: Im Dax büßte Infineon 2,9 Prozent ein und im MDax Elmos 3,8 Prozent. Damit gehen die Gewinnmitnahmen bei KI-Aktien erst einmal weiter.
Dagegen schaffte der Internetdienstleister Ionos ein Kursplus von knapp acht Prozent. Die Aktien bestätigten das schon bekannte Muster, dass Werte mit latenten KI-Verdrängungssorgen oft tendenziell von einer Schwäche von Chipwerten und anderen KI-Boomern profitieren. Hinzu kam eine Kaufeinstufung durch die Bank of America. Ionos sei ein One-Shop-Stop der europäischen Digitalisierung für kleine und mittelständische Unternehmen, schrieben die Analysten.
Unter Druck standen angesichts der Nachrichten aus Nahost Aktien aus der Reise- und Freizeitbranche: Die Fluggesellschaft Lufthansa und der Reisekonzern Tui belegten mit Kursabschlägen von 4,1 und 1,1 Prozent hintere Plätze.
Dagegen stemmte sich Fraport mit plus 1,8 Prozent gegen den Sektortrend. Der Flughafenbetreiber legte zwar schwache Verkehrsdaten für den Juni vor und senkte seine Jahresprognose für das Passagieraufkommen. Die US-Bank JPMorgan betonte indes die Bestätigung der übrigen Ziele. Zudem stufte die französische Bank Exane BNP Paribas die Aktien hoch.
Die Anteile des Kochboxenversenders Hellofresh sackten im Nebenwerte-Index SDax auf ein Rekordtief ab - zuletzt verloren sie 1,6 Prozent. Analyst Sven Sauer von Kepler Cheuvreux senkte sein Kursziel und stufte die Papiere auf "Reduce" ab. Er begründete dies mit erneut gesenkten Erwartungen bis 2028, aber vor allem mit seinem nun geringeren Vertrauen in das Timing einer Umsatz-Trendwende.
Gold bricht zum Wochenauftakt ein
Der Euro bewegte sich zum US-Dollar kaum, trotz der erneuten Attacken im Iran-Krieg. Damit reagierte der Wechselkurs ebenso wenig wie die Börsen auf die erneute Eskalation des Konflikts. Am Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1418 US-Dollar. Bereits am Morgen hatte der Euro um 1,14 Dollar gependelt. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1424 (Freitag: 1,1430) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8753 (0,8748) Euro.
Ein deutliches Minus verbuchte indes das Edelmetall Gold. Je Feinunze (31,1 Gramm) verbilligte sich der Preis um 1,73 Prozent auf 4.013 US-Dollar. Damit sackt der Goldkurs nach einer ohnehin mauen Vorwoche weiter ab. Zuletzt erwies sich die Marke von 4.000 Dollar aber als Unterstützung für den Kurs.
Eigentlich sollten geopolitische Spannungen für Gold als Krisenwährung sprechen. Die Vormonate hatten jedoch gezeigt, wie empfindlich der Goldpreis auf den Krieg zwischen den USA und dem Iran reagiert. Die Logik dahinter: Durch den Konflikt verteuert sich Öl, was wiederum die Inflation in fast allen Bereichen des Lebens anheizt. Die Erwartung von Zinsanhebungen als Reaktion darauf lasten merklich auf dem zinslosen Edelmetall.
(mit Material von dpa-AFX)




