Kostenanstieg macht Ericsson zu schaffen - Aktie bricht ein
Stockholm, 14. Jul (Reuters) - Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat im zweiten Quartal infolge höherer Kosten für elektronische Bauteile Einbußen verzeichnet, dabei aber mehr verdient als erwartet. "Wir haben im zweiten Quartal Maßnahmen ergriffen, um die Kosteninflation bei den Komponenten abzumildern", erklärte der scheidende Konzernchef Börje Ekholm am Dienstag. Da sich die Auswirkungen in den kommenden Quartalen verstärken dürften, "werden wir weiterhin interne Maßnahmen sowie Preisanpassungen vorantreiben, um diesen Effekt abzufedern." Ericsson geht davon aus, dass der Anstieg der Bauteilekosten infolge des Booms bei Künstlicher Intelligenz (KI) den Druck erhöhen wird, die Preise anzuheben.
"Der gesamte KI-Ausbau übt erheblichen Druck auf die gesamte Branche aus, uns eingeschlossen", sagte Finanzvorstand Lars Sandström im Gespräch mit Reuters. Neben den Preisen für Speicherchips seien auch kundenspezifische Halbleiter betroffen, die Ericsson für den Aufbau von Telekommunikationsinfrastruktur benötigt, so Sandström. Speicherchiphersteller haben in den vergangenen Monaten Aufträge von KI-Unternehmen priorisiert, wodurch weniger Kapazitäten für Elektronikhersteller übrig blieben.
Ericsson hatte im vergangenen Monat den Abschied von Ekholm angekündigt; zudem wurden zahlreiche Mitarbeiter im Zuge einer Umstrukturierung über ihre Entlassung informiert. Sandström sagte, es werde im Verlauf des Jahres weitere Umstrukturierungen geben, einschließlich Entlassungen.
Der bereinigte Betriebsgewinn sank im zweiten Quartal um sieben Prozent auf 6,52 Milliarden schwedische Kronen (rund 590 Millionen Euro). Analysten hatten im Schnitt mit 6,42 Milliarden Kronen gerechnet. Der Umsatz fiel um sechs Prozent auf 52,7 Milliarden Kronen und verfehlte damit die Markterwartung von 53,6 Milliarden.
An der Börse nahmen die Anleger reißaus. Die Papiere von Ericsson brachen zeitweise um mehr als zehn Prozent ein und waren damit Schlusslicht im europäischen Index Stoxx 600. Den Analysten von Jefferies zufolge könnten stetig steigende Komponentenpreise die Bruttomarge von Ericsson im vierten Quartal belasten. Auch die Experten von JPMorgan gehen davon aus, dass Anleger sich Sorgen um die Auswirkungen der Komponentenkosten auf die Margen machen werden.
(Bericht von Supantha Mukherjee in Stockholm, geschrieben von Anneli Palmen, redigiert von Ralf BanserBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



