Trading-Chance Rohöl: Erhöhte Wahrscheinlichkeit für…
Heute wollen wir Sie mitnehmen in die faszinierende Welt der Rohstoffe. Dabei erklären wir ein bedeutendes Wetter- und Klima-Phänomen, das derzeit wieder vorherrscht und Preise in Bewegung versetzt. Nach einer Einführung in das sogenannte ENSO-Phänomen gehen wir dann spezifisch auf den Rohölpreis ein, für den es ebenfalls eine statistische Signifikanz während El Nino Phasen gibt. Welche das ist und wie wir versuchen, daraus Prodit zu schlagen, erfahren Sie im Verlauf unseres Artikels.

Die beiden ENSO-Phänomene als Preistreiber
Ein ganz entscheidender Preistreiber für Rohstoffe ist das Wetter, da es die Angebots-, aber auch die Nachfrageseite maßgeblich beeinflusst. Eines der bedeutendsten und einflussreichsten Wetter- und Klima-Phänomene ist sicherlich das sogenannte ENSO-Phänomen. Es bezeichnet die wechselweise auftretenden El Nino und La Nina Phasen. Ihr Einfluss könnte kaum gegensätzlicher sein. El Nino kehrt die klassische Walker Zirkulation (Luft/Wasser) im pazifischen Raum um und stellt auch das übliche Wetter um den Pazifik herum auf den Kopf. Wo es normalerweise trocken und heiß ist, wird es kühl und feucht, und umgekehrt gilt selbiges. In 2026 haben wir inzwischen wieder ein El Nino Phänomen, was uns der ONI Index des NOAA Instituts anzeigt. Während El Nino gehen typischerweise die Preise für Getreide überdurchschnittlich gen Norden. Kakaopreise steigen im Durchschnitt siebeneinhalb Prozent während des Phänomens. Es würde den Rahmen hier sprengen, doch dem besseren Verständnis wegen sei erwähnt, dass die Statistik á la „in El Nino Phasen legt Markt X im Schnitt Y Prozent zu“ noch recht grob ist. Es geht noch viel genauer. Denn jeder Rohstoff benötigt ein bestimmtes Wetter, um gut oder gar sehr gut zu gedeihen. Nun wusste bereits Paracelsus, dass die Dosis das Gift macht, sprich: es kann auch zu viel des Guten geben. Und dann nimmt die Ernte eines Agrar-Rohstoffs selbst dann Schaden, wenn ein eigentlich günstiges Wetter-Phänomen vorliegt.
El Nino Einfluss auf den Rohölpreis
Die historische Analyse über einen Zeitraum von rund 40 Jahren (ca. 1985 bis heute) zeigt ein klares, wissenschaftlich belegtes Bild: El-Niño-Phasen tendieren im Durchschnitt dazu, einen leicht dämpfenden (negativen) Effekt auf die Preise von WTI Crude Oil auszuüben.
Dieser Zusammenhang wurde in umfangreichen ökonometrischen Modellen (unter anderem mit historischen Daten der NOAA und WTI-Spot- und Futures-Preisen) untersucht. Nachfolgend ist aufgeschlüsselt, wie sich der ONI (Oceanic Niño Index) auf WTI auswirkt und welche wirtschaftlichen Mechanismen dahinterstecken.
1. Die statistische Entwicklung im Überblick
Der ONI misst die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur in der Niño 3.4-Region. Ein Wert von $+0,5\text{ °C}$ oder höher (über mindestens 5 aufeinanderfolgende, überlappende 3-Monats-Mittelwerte) definiert eine El-Niño-Phase.
Aktuelle akademische Analysen des historischen Zeitraums zeigen folgende durchschnittliche Effekte auf die US-Rohölpreise (WTI):
Dynamischer Verlauf
Der Effekt von El Niño tritt nicht sofort am Tag des Temperaturpeaks ein, sondern wirkt zeitverzögert. Die stärkste statistische Korrelation und Preisreaktion bei WTI zeigt sich typischerweise mit einer Verzögerung von 6 bis 12 Monaten nach dem Höhepunkt der El-Niño-Erwärmung.
2. Die fundamentalen Treiber (Warum sinkt WTI bei El Niño?)
Dass El-Niño-Phasen historisch eher bearish (preisdämpfend) für Rohöl sind, liegt an zwei Hauptfaktoren: Heizölnachfrage und Saisonalität von Hurrikanen.
A. Milde Winter in Nordamerika (Nachfrageseite)
El Niño verändert den Jetstream über dem Pazifik und führt in der Regel zu deutlich milderen Wintern im Norden der USA und in Kanada.
Die Folge: Die Nachfrage nach Heizöl (Heating Oil) und damit direkt nach WTI-Rohöl bricht in den wichtigen Wintermonaten ein. Da die USA der größte Ölverbraucher der Welt sind, drückt diese geringere Heiznachfrage den WTI-Schnitt spürbar nach unten.
B. Weniger Hurrikane im Golf von Mexiko (Angebotsseite)
Während El-Niño-Phasen entsteht über dem Atlantik und dem Golf von Mexiko eine erhöhte Windscherung. Dies unterdrückt die Entstehung und Intensität von tropischen Wirbelstürmen (Hurrikanen).
Die Folge: Es kommt im historischen Vergleich zu deutlich weniger produktionsrelevanten Hurrikanen im Golf von Mexiko. Die Offshore-Ölförderung und die dort ansässigen Raffinerien erleiden weniger wetterbedingte Ausfälle. Das Angebot bleibt stabil, was preistreibende Angebotsschocks verhindert.
3. Historische Anomalien und das "große Bild"
Obwohl der statistische Durchschnitt negativ ist, darf man nicht vergessen, dass der Ölpreis primär von geopolitischen Ereignissen, der OPEC-Politik und der globalen Konjunktur gesteuert wird.
Beispiel 1997/1998 (Sehr starker El Niño): Der Ölpreis stürzte in dieser Phase dramatisch ab. Dies war jedoch nur zum Teil wetterbedingt; der Hauptauslöser war die zeitgleiche Asienkrise, die die globale Ölnachfrage einbrechen ließ.
Beispiel 2015/2016 (Sehr starker El Niño): Auch hier fielen die Ölpreise massiv (WTI rutschte zeitweise unter 30 $). Der primäre Treiber war hier jedoch der "Preiskrieg" zwischen der OPEC und den US-Fracking-Anbietern (Saturierung des Marktes). El Niño (milder Winter) verstärkte diesen Abwärtstrend lediglich als zusätzlicher Katalysator.
Fazit
Über die letzten 40 Jahre betrachtet wirkt ein El Niño statistisch wie ein moderater, aber stetiger Bremsklotz für den WTI-Preis, hauptsächlich getrieben durch wärmere Winter im Nordosten der USA und eine störungsfreie Ölförderung im Golf von Mexiko.
El Nino Statistik für Rohöl
Wie Sie sehen dauern El Nino Phasen unterschiedlich lange an und haben individuell anders ausgeprägte Intensitäten. Da die ENSO Phänomene nicht isoliert betrachtet auf den Ölpreis wirken, lässt sich nicht pauschal sagen, dass es „immer schwächelt“. So hatten wir beispielsweise 2009/10 aufgrund der unmittelbaren Nach-Krisen-Phase (Lehman) ein ohnehin niedriges Niveau beim Öl und eine durch umfassende Maßnahmen der Notenbank stimulierte Wirtschaft. Die Nachfrage war also trotz El Nino überdurchschnittlich hoch.

Wir haben also eine grob vereinfachte Logik, wenn wir sagen „In El Nino Phasen eher seitwärts oder abwärts“, doch diese genügt, um sich smart(er) am Markt zu bewegen.
Fazit
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Wichtige Chartmarken
Widerstände: 80 und 90 USD
Unterstützungen: 55 und 65 USD
Open end Turbo Bear Optionsschein auf WTI Crude Oil
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