Zwei Drittel der Einzelhändler erwarten 2026 sinkende Umsätze
Berlin, 14. Jul (Reuters) - Die Mehrheit der deutschen Einzelhändler rechnet in diesem Jahr mit sinkenden Einnahmen. 65 Prozent erwarten Umsätze leicht oder deutlich unter dem Vorjahresniveau, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) am Dienstag zu einer Umfrage unter 600 Unternehmen mitteilte. Im vergangenen Jahr lag dieser Wert bei 53 Prozent. Nur 18 Prozent gehen von Umsatzsteigerungen im Vergleich zu 2025 aus. Der HDE hält deshalb an seiner Prognose fest. Demnach dürfte der Branchenumsatz in diesem Jahr um zwei Prozent auf 697,4 Milliarden Euro steigen - befeuert vor allem durch den Online-Handel. Ohne Preiserhöhungen würde allerdings nur ein reales Plus von 0,5 Prozent herausspringen.
"Die Lage kann und darf uns nicht zufriedenstellen", sagte HDE-Präsident Alexander von Preen in Berlin. "Die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen ist auf dem gleichen Niveau wie im zweiten Corona-Lockdown. Die Situation ist noch dramatischer als sie es im eher bescheidenen Vorjahr bereits war." Der HDE-Umfrage zufolge bewerten 42 Prozent der befragten Handelsunternehmen ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht. Bei fast zwei Dritteln der Befragten hat sie sich im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verschlechtert. 69 Prozent berichten von gegenüber dem Vorjahr gesunkenen Gewinnen. Die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland werde in diesem Jahr voraussichtlich erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 fallen. Knapp 5000 Händler dürften aufgeben, sagte von Preen. Auch wenn neue Geschäfte hinzukämen, könne dies nicht kompensiert werden.
KONKURRENZ AUS FERNOST
"Das Problem für viele Unternehmen sind die steigenden Kosten für Beschäftigung, Energie und Wareneinkauf - bei gleichzeitig stagnierenden Umsätzen", betonte der HDE-Präsident. Hinzu kommt die Konkurrenz aus China. Allein die beiden Händler Temu und Shein hätten zuletzt etwa zwei Drittel des Wachstums im Online-Geschäft ausgemacht. Diese würden "häufig mit sehr unfairen Mitteln in den Wettbewerb eingreifen", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Wer sich Pakete mit geringem Warenwert in die EU schicken lassen möchte, muss allerdings seit 1. Juli etwas tiefer in die Tasche greifen. Seither fällt nun eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Warengruppe in der Sendung an.
Der HDE warnte ausdrücklich vor einer Abschaffung von oder Verschlechterungen bei den Minijobs. "800.000 Minijobber im Einzelhandel und viele Unternehmen in der Branche sind auf einen vernünftigen und zukunftssicheren Umgang mit dieser Beschäftigungsform angewiesen", sagte von Preen. "Da sollte die Politik nicht mit den Lebensmodellen vieler Menschen spielen." Darüber hinaus brauche es einen verbindlichen Deckel von 40 Prozent bei den Lohnnebenkosten.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




