Thyssenkrupp hält börsennotierte Töchter an der langen Leine

Reuters · Uhr
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München, 15. ⁠Jul (Reuters) - Der Industriekonzern Thyssenkrupp will seinen börsennotierten Töchtern mehr Entscheidungsfreiheit geben. Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp soll sich bei den eigenständigen Gesellschaften künftig nur noch mit "Geschäften mit potentiell hohen finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen" beschäftigen, wie dem Kauf und Verkauf von Beteiligungen, außerordentlichen Kapitalerhöhungen, dem Einstieg in neue Geschäfte oder ‌Investitionen über 150 Millionen Euro. Das geht aus einer Satzungsänderung hervor, die laut der am Mittwoch versandten Einladung am 7. August auf einer außerordentlichen virtuellen Hauptversammlung beschlossen werden ⁠soll. Operative Einzelgeschäfte ⁠müssten dann dem Aufsichtsrat nicht mehr vorgelegt werden.

Anlass für die außerordentliche Hauptversammlung ist die Abspaltung der Werkstoff-Handelstochter tk accelis (bisher Thyssenkrupp Materials Services), die an die Frankfurter Börse gebracht werden soll. Die Thyssenkrupp-Aktionäre bekommen dabei für je 20 Aktien eine tk-accelis-Aktie. Der Mutterkonzern behält 51 Prozent der Anteile. Materials Services war im Geschäftsjahr 2024/25 auf einen Umsatz von 11,4 Milliarden ‌Euro gekommen. Die Sparte, die den Handel mit und die ‌Verarbeitung von Materialien wie Stahl und Kunststoffen umfasst, beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter.

Die Satzungsänderung ist Teil des Konzepts von Vorstandschef Miguel Lopez, Thyssenkrupp von einem Industriekonzern in eine Finanzholding mit Mehrheitsbeteiligungen umzuwandeln. ⁠Die Wasserstoff-Tochter Thyssenkrupp Nucera hat er ebenso bereits an die Börse gebracht wie die Rüstungsschmiede TKMS. ‌Nun ist tk accelis an der Reihe. ⁠An der Aufzugsparte TK Elevator hält Thyssenkrupp nur noch eine Minderheitsbeteiligung. Die Finanzinvestoren Advent und Cinven wollen sie an den finnischen Rivalen Kone verkaufen.

Einem Bericht des "Manager Magazins" zufolge zieht der Mutterkonzern inzwischen auch einen Börsengang der Stahlsparte Thyssenkrupp Steel Europe in ‌Betracht. Der Konzern erwäge auch hier eine ⁠Abspaltung (Spin-Off), berichtete das Magazin. Eine Entscheidung gebe ⁠es aber noch nicht. Ein Spin-Off könne im Herbst 2027 erfolgen, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

"Thyssenkrupp Steel Europe befindet sich weiterhin in einer wichtigen Phase der Neuausrichtung", erklärte der Konzern. Dabei seien maßgebliche Fortschritte erzielt worden - insbesondere bei der Umsetzung des Sanierungskonzepts, der Lösung für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) sowie mit Blick auf verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen. Diese Fortschritte schafften eine gute Grundlage, um das Stahlgeschäft aus eigener Kraft wettbewerbsfähig und profitabel aufzustellen. "Die Verselbstständigung von Thyssenkrupp Steel Europe bleibt mittelfristig erklärtes Ziel mit ⁠einer möglichen Minderheitsbeteiligung der Thyssenkrupp AG."

(Bericht von Alexander Hübner und Tom Käckenhoff, redigiert von Ralf BanserBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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