Wells Fargo: Wieso die Zahlen besser sind als der Kurs
Wells Fargo verliert nach den Zahlen 2,7 Prozent, obwohl Umsatz, Gewinn und Kreditqualität überzeugen. Der Rückgang wirkt zunächst wie Gewinnmitnahme nach einer starken Bewegung.
Martin Goersch
Was bewegt die Aktie?
Der Gewinn je Aktie lag 28 Cent über dem Konsens. Rund vier Cent davon kamen aus einem Steuervorteil, doch auch bereinigt bleibt die Überraschung solide. Der Umsatz erreichte 22,6 Milliarden Dollar und lag damit rund 770 Millionen Dollar über den Erwartungen. Gegenüber dem Vorjahr stieg er um etwa 8,5 Prozent.
Der Nettozinsertrag lag mit 12,32 Milliarden Dollar leicht über den Erwartungen. Die zinsunabhängigen Erträge legten um 13 Prozent zu. Besonders stark wirkt die Kreditqualität: Wells Fargo bildete 914 Millionen Dollar Kreditvorsorge, während der Markt 1,19 Milliarden Dollar erwartet hatte.
Die Netto-Kreditausfälle sanken, obwohl das Kreditvolumen um rund zwölf Prozent stieg. Die Effizienzquote liegt inzwischen bei etwa 60 Prozent. Dazu laufen die Aktienrückkäufe weiter: Im ersten Halbjahr kaufte Wells Fargo eigene Aktien für sieben Milliarden Dollar zurück. Die Dividende soll um zehn bis elf Prozent steigen.
Charttechnik
Der Chart steht an einer wichtigen Stelle. Verliert die Aktie das Tief der schwachen Tageskerze, droht ein Fehlausbruch. Daraus ließe sich ein Ziel knapp unter 80 Dollar ableiten.
Martins Einschätzung
Fundamental gefallen die Zahlen. Der Turnaround bleibt intakt, die Kostenkontrolle greift und die Kapitalrückflüsse sind stark. Charttechnisch braucht die Aktie nun schnell Stabilisierung, damit die gute operative Lage wieder zählt.


