
Der Dax hat am Donnerstag mit einem moderaten Minus eröffnet. Nachdem er am Vortag die Marke von 25.000 Punkten knapp verloren hatte, rutschte der Leitindex des deutschen Aktienmarkts am Morgen um 0,39 Prozent auf 24.902 Punkte ab. Der MDax der mittelgroßen Werte verlor 0,4 Prozent auf 31.972 Zähler. Der Euro Stoxx 50 als Leitindex der Eurozone notierte praktisch unverändert.
Analyst Martin Utschneider von Robomarkets sprach von einer "richtungslosen Grundtendenz" beim Dax. Dieser dürfte er treu bleiben, zumal er sich auch am Vortag nicht aus seiner jüngsten Seitwärtsspanne habe lösen können. Das belege eine "ausgeprägte Unentschlossenheit der Marktteilnehmer".
Solange der "erbitterte Kampf" zwischen Optimisten und Pessimisten um die 25.000-Punkte-Marke nicht entschieden sei, bleibe die zukünftige Richtung des Börsenbarometers unklar, ergänzte Thomas Altmann von QC Partners. Trotz der anhaltenden gegenseitigen Angriffe der USA und des Iran im Nahen Osten gingen die Märkte weiterhin von einer "nur kurzen Eskalationswelle" und der baldigen Wiederaufnahme von Verhandlungen aus.
Starke TSMC-Zahlen stützen Chipaktien nicht
Impulse setzte die Quartalsberichtssaison der Unternehmen, die allerdings erst in der kommenden Woche allmählich Fahrt aufnimmt. Die vorbörslich positiv aufgenommenen Geschäftszahlen der schweizerischen ABB zogen den Aktienkurs von Siemens zunächst etwas nach oben, ehe die Aktie im frühen Handel nach unten drehte und rund 0,4 Prozent verlor. Siemens Energy büßte in gleichem Maße ein.
Der taiwanesische Chipkonzern TSMC legte zudem unerwartet starke Quartalszahlen vor und hob den Ausblick für das Gesamtjahr an. Zudem will der weltgrößte Auftragsfertiger mehr investieren als bislang angekündigt. In diesem Jahr will TSMC 60 bis 64 Milliarden US-Dollar in neue Anlagen und Technologien stecken. Damit wurde die Spanne für das Investitionsziel um acht Milliarden Dollar erhöht. Experten werten dies als Vertrauensbeweis und Beleg für eine weiter hohe Chipnachfrage infolge des Aufbaus von KI-Infrastruktur.
Das half deutschen Chipaktien jedoch nicht. Der Dax-notierte Halbleiterkonzern Infineon verlor 1,8 Prozent, die Branchen-Nebenwerte Aixtron, Siltronic und Suss Microtec rutschten zwischen 1,7 und 3,8 Prozent ab. Seit einigen Wochen schwanken die zuvor stark gelaufenen Aktien zwischen deutlichen Verlusten und Erholungsgewinnen.
Der Finanzdienstleister Hypoport berichtete für das erste Halbjahr eine Stagnation in der privaten Immobilienfinanzierung. Nach dem Zinsanstieg infolge des Iran-Kriegs hätten viele Verbraucher im ersten Quartal noch schnell Kredite abgeschlossen, berichtete das Unternehmen. Dieser Vorzieheffekt ging demnach zulasten des zweiten Quartals. Die Aktie Hypoports sank um 2,7 Prozent.
Analystenkommentare treiben Knorr-Bremse und Schaeffler an
Für klare Kursbewegungen sorgten ansonsten Analystenaussagen. Die Aktien von Knorr-Bremse zogen an, nachdem die US-Bank JPMorgan ihnen den Stempel "Positive Catalyst Watch" aufgedrückt hatte. Damit gab Experte Akash Gupta seinen optimistischen Erwartungen für die Ende Juli anstehenden Quartalszahlen des Bremsenspezialisten Ausdruck.
Beim Auto- und Industriezulieferer Schaeffler gab es mit plus 2,4 Prozent klare Gewinne. Die Schweizer Bank UBS strich ihr Verkaufvotum für die Aktien und stuft diese nun mit "Neutral" ein. Dagegen folgten bei Evotec nach dem jüngsten Kurseinbruch infolge einer Gewinnwarnung weitere Kursverluste. Die Privatbank Berenberg strich ihre Kaufempfehlung, die Aktie rutschte um rund 1,3 Prozent ab.
Schwach zeigte sich auch der Goldpreis, der zuletzt eng um die Marke von 4.000 Dollar pendelte. Kleinere Zwischenerholungen verlor der Kurs meist sofort wieder, stabilisierte sich aber an der runden Marke wiederholt. Am Donnerstagmorgen sank der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) um 0,7 Prozent auf 4.028 Dollar.
(mit Material von dpa-AFX)



