Tech-Ausverkauf an den Börsen beschleunigt sich
Frankfurt, 17. Jul (Reuters) - Die Verkaufswelle bei den Technologieaktien nimmt weiter Fahrt auf. Der Dax und der EuroStoxx50 notierten am Freitag gegen Mittag jeweils rund ein Prozent tiefer bei 24.679 und 6207 Punkten. Unter Druck standen vor allem Werte aus dem Chipsektor wie Infineon, Aixtron und Siltronic, die rund fünf bis sieben Prozent verloren. Der europäische Technologie-Branchenindex büßte rund drei Prozent ein. Im Minus lagen auch die Futures für die technologielastigen Indizes an der Wall Street.
Die Anleger machen sich laut Experten zunehmend Sorgen, dass der starke Aufschwung bei Unternehmen rund um Künstliche Intelligenz (KI) übertrieben war. Zusätzlich verschärfe der Abbau gehebelter Positionen die Korrektur, sagte Jürgen Molnar, Stratege beim Broker Robo Markets. "Viele Investoren haben den KI-Boom auf Pump gespielt. Jetzt werden diese Wetten aufgelöst", erläuterte der Experte. "Gewinnmitnahmen treffen auf Zwangsverkäufe - ein Cocktail, der den Verkaufsdruck weiter erhöht und den Korrekturprozess verlängern könnte."
TECH-BILANZEN IM BLICK - ÖLPREIS STEIGT WEITER
Entscheidend für die weitere Kursentwicklung ist laut Experten die anlaufende Bilanzsaison im US-Technologiesektor. Den Startschuss dafür gab am Donnerstagabend der Streamingdienst Netflix, der Anleger allerdings mit seinem Ausblick verschreckte. Die Aktien rutschten im vorbörslichen US-Handel um fast zehn Prozent ab. "Wenn enttäuschende Ergebnisse auf hohe Bewertungen und ein schon angekratztes Sentiment treffen, führt dies unmittelbar zu Verkäufen", kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.
Am Ölmarkt arbeiteten sich die Preise nach erneuten Angriffen im Nahen Osten weiter nach oben. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI verteuerten sich um jeweils rund 1,5 Prozent auf 85,28 und 80,26 Dollar je Fass (159 Liter). Auf Wochensicht kommen sie auf ein Plus von jeweils zwölf Prozent - das größte seit rund drei Monaten. Auslöser sind die zunehmenden Angriffe zwischen den USA und dem Iran, die den Ölhandel durch die Straße von Hormus einschränken, sowie die Aufforderung Irans an die Huthi-Miliz, sich auf eine Schließung der Exportroute über das Rote Meer vorzubereiten. "Die Gefahr, dass das Rote Meer zu einem weiteren Brennpunkt für Lieferunterbrechungen wird, verkompliziert die Aussichten für den globalen Ölmarkt zusätzlich", kommentierte Tim Waterer, Chefanalyst beim Broker KCM.
BAFIN-PRÜFUNG BELASTET DERMAPHARM
Gefragt bei den Einzelwerten waren die Aktien des Solartechnik-Konzerns SMA Solar, die nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen um elf Prozent zulegten. Hingegen rutschten die Titel von Dermapharm um rund 2,5 Prozent ab. Die Finanzaufsicht BaFin nimmt die Bilanz des Arzneimittelherstellers genauer unter die Lupe.
An der Börse in Stockholm brachen die Aktien von Volvo Cars um 6,6 Prozent ein. Der schwedische Autobauer, der mehrheitlich zu Geely in China gehört, hat im zweiten Quartal einen Gewinneinbruch erlitten. Volvo Cars hofft nun auf eine Erholung durch die Auslieferung des neuen Elektromodells EX60.
Auch der Geschäftsbericht des britischen Luxusmodekonzerns Burberry hat die Anleger nicht überzeugt. Die Papiere gaben an der Börse in London rund vier Prozent nach und waren damit die größten Verlierer im Leitindex FTSE 100. Burberry verzeichnete im abgelaufenen Quartal dank einer starken Nachfrage in den USA und China zwar ein Umsatzplus. Allerdings dämpfte der Krieg im Iran die Ausgaben von Touristen in Europa.
(Bericht von Sanne Schimanski, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


