Bauflaute zwingt Wienerberger zu Gewinnwarnung - Aktie rutscht ab
Wien, 21. Jul (Reuters) - Die anhaltende Flaute im Wohnungsneubau hat den österreichischen Baustoffkonzern Wienerberger zu einer Senkung seiner Jahresziele gezwungen. Das operative Ergebnis (Ebitda) werde 2026 voraussichtlich bei rund 700 Millionen Euro liegen, teilte das Unternehmen am Dienstag in Wien mit. Bislang hatte das Management etwa 810 Millionen Euro angepeilt. An der Börse sorgte die Gewinnwarnung für einen Ausverkauf: Die Wienerberger-Aktie brach um bis zu 7,4 Prozent ein und steuerte auf den größten Tagesverlust seit Februar zu. Zuletzt notierten die Papiere noch 6,9 Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn haben sie damit rund 32 Prozent an Wert verloren.
"Das erste Halbjahr war herausfordernder, als wir zu Beginn des Jahres erwartet hatten", erklärte Konzernchef Heimo Scheuch. Die erhoffte Erholung im Neubau sei in mehreren Schlüsselmärkten wie den USA, Kanada und Großbritannien ausgeblieben. Wegen hoher Finanzierungskosten hielten sich Bauherren und private Hauskäufer weiter zurück. Diese Schwäche dürfte das Ebitda im Gesamtjahr um etwa 100 Millionen Euro belasten. Im zweiten Quartal sank das operative Ergebnis um neun Prozent auf 230 Millionen Euro. Analysten der Erste Group erklärten, das Ausmaß der Prognosesenkung sei wesentlich drastischer als erwartet. Um gegenzusteuern, will das Management nun sein Sparprogramm beschleunigen.
Der Umsatz kletterte allerdings von April bis Juni um 13 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. Dies verdankt der weltgrößte Ziegelhersteller organischem Wachstum sowie Zukäufen. Wienerberger baut sein Geschäft seit einiger Zeit um, um die Abhängigkeit vom zyklischen Wohnungsneubau zu verringern. Der Fokus liegt verstärkt auf den Bereichen Infrastruktur und Renovierung, die inzwischen mehr als 60 Prozent der Erlöse ausmachen. Übernahmen wie jene des italienischen Fliesenherstellers Italcer oder des Dachspezialisten Terreal sollen diese Strategie stützen. Während die Bereiche Infrastruktur und Renovierung nach Unternehmensangaben weiter robuste Nachfrage verzeichnen, bleibt die Entwicklung im Wohnungsneubau der entscheidende Unsicherheitsfaktor. Nach Einschätzung der Erste Group richtet sich die Hoffnung der Investoren nun vor allem auf eine mögliche Erholung der Wohnungsmärkte im Jahr 2027.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

