
Nach dem verhaltenen Wochenstart hat sich am Dienstag am deutschen Aktienmarkt letztlich der Optimismus durchgesetzt. Der Dax tat sich zunächst erneut mit der Richtungssuche schwer, legte am Nachmittag aber klar zu und schloss mit einen Zuwachs von 0,66 Prozent auf 25.011 Punkten. Dies war zugleich das Tageshoch.
Damit bleibt das Rekordhoch des Börsenbarometers von rund 25.900 Punkten von Anfang Juli in Sichtweite. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es am Dienstag um 0,42 Prozent auf 31.812 Zähler nach oben.
In einem weiterhin unsicheren Umfeld stützten überraschend gute Konjunkturdaten den Dax ebenso wie am Nachmittag die freundlichen US-Börsen, wo Technologiewerte wieder Aufwind verspürten. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim erhobenen Konjunkturerwartungen legten im Juli stärker zu als erwartet.
Chip-Werte teilweise zweistellig im Plus
An den asiatischen Börsen hatte die Aussicht auf eine Entspannung im Nahen Osten für Rückenwind gesorgt. In Seoul legten KI- und Halbleiteraktien wieder zu, die zuletzt in großem Stil verkauft worden waren.
Davon profitierten auch Branchenwerte hierzulande. So stiegen die Anteilsscheine von Infineon an der Dax-Spitze um 5,6 Prozent. Im Nebenwerteindex SDax hatten die Papiere von LPKF mit einem Plus von 12,1 Prozent die Nase klar vorn. Unter den Favoriten im MDax zogen Aixtron und Suss Microtec um 7,3 und 9,1 Prozent an.
Am MDax-Ende knickten die Vorzugsaktien des Göttinger Labor- und Pharmazulieferers Sartorius um acht Prozent ein. Der US-Wettbewerber Danaher hatte im abgelaufenen Quartal mit seinem operativen Ergebnis enttäuscht.
Münchner Rück fallen nach guter Entwicklung zurück
Unter den schwächsten Werten im Dax fielen die zuletzt stark gelaufenen Aktien der Munich Re um 3,1 Prozent. Finanzchef Andrew Buchanan sagte der "Börsen-Zeitung" mit Blick auf die Rückversicherung: "Im Rahmen der Arbeiten für den Halbjahresabschluss werden wir sehr genau auf das Geschäft in der Pipeline für das dritte und vierte Quartal schauen. Daraus wird sich ergeben, welche Prognose wir dem Markt geben." Munich Re scheine also seine Prognosen für die Schaden- und Unfallrückversicherung zu hinterfragen, sagte ein Händler.
Die Einleitung einer Prüfung des Halbjahresabschlusses durch die Finanzaufsicht Bafin hat die Aktien des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich nicht lange unter Druck gesetzt. Am Markt setzte sich die Auffassung durch, dass es nur um eine zeitliche Verschiebung einer bestimmten Wertminderung innerhalb des Geschäftsjahres geht. Die Papiere waren zwischenzeitlich um 5,5 Prozent abgesackt, standen aber zum Handelsschluss mit 0,7 Prozent im Plus.
Gold verbucht weitere Zugewinne
Der Euro handelte am Dienstag leicht tiefer. Am Nachmittag wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1407 US-Dollar gehandelt. Am Morgen hatte sie noch etwas höher notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1418 (Montag: 1,1426) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8758 (0,8751) Euro.
Die am Nachmittag erneut gestiegenen Rohölpreise haben den Dollar etwas gestützt. Angesichts des wieder aufgeflammten Iran-Kriegs sieht die Internationale Energieagentur (IEA) die weltweite Ölversorgung zunehmend unter Druck. "Die Eskalation der Feindseligkeiten, von der die Straße von Hormus und die Energieinfrastruktur in der Region betroffen sind, verstärkt die Sorgen um die Versorgungssicherheit und die Unsicherheit hinsichtlich der Marktaussichten", sagte IEA-Direktor Fatih Birol in einer am Dienstag auf der Internetseite des Interessenverbands von Industriestaaten veröffentlichten Stellungnahme.
Gold verbuchte unterdessen weitere Zugewinne. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) stieg um 1,7 Prozent auf 4.077 Dollar. So hoch hatte zuletzt zur Monatsmitte notiert. Gleichwohl bleibt der Kurs damit in der jüngsten Handelsspanne, die eng um die Marke von 4.000 Dollar verläuft.
(mit Material von dpa-AFX)




