Düsseldorf, 21. Jul (Reuters) - Die Thyssenkrupp-Marinetochter TKMS ist aus dem Bieterprozess für die Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) ausgestiegen. Es habe keine Einigung über die wirtschaftlichen Konditionen einer Übernahme gegeben, erklärte TKMS-Chef Oliver Burkhard am Dienstag. Ins Visier genommen hat die Werft auch der Düsseldorfer Konkurrent Rheinmetall, der erklärtermaßen im Marine-Geschäft wachsen will.
"Der Erwerb der German Naval Yards Kiel wäre eine schöne Option gewesen, aber kein Muss", fügte Burkhard hinzu. Nach sorgfältiger Prüfung sehe TKMS aber "aktuell keine Notwendigkeit für einen Erwerb", unterstrich er. "Da wir kein Einvernehmen über die wirtschaftlichen Konditionen erzielen konnten, wurde der Bieterprozess daher nun beendet", begründete Burkhard die Entscheidung. Das Unternehmen wolle nun "andere Optionen in Kiel verfolgen, um unsere logistische Flexibilität zu steigern und Lösungen entwickeln, die größtmöglichen Wert für TKMS und unsere Anteilseigner schaffen". "Wir sind nicht bereit, jeden Preis der Welt zu bezahlen", hatte der TKMS-Chef im Mai mit Blick auf die Tochter des französischen Familienkonzerns CMN Naval gesagt. Diese war früher als Howaldtswerke-Deutsche Werft bekannt - und liegt auf dem TKMS-Gelände in Kiel.
Neben TKMS hatte auch Konkurrent Rheinmetall Interesse an der Werft angemeldet. Rheinmetall will im zu Jahresbeginn gegründeten Marine-Geschäft, mit dem der Konzern sein Angebot abgerundet hat, rasch wachsen. Zuletzt hatten die Düsseldorfer die Marine-Sparte der Lürssen-Werft (NVL) für einen vorläufigen Kaufpreis von rund 1,5 Milliarden Euro übernommen und damit die milliardenschwere Marine-Sparte geschmiedet. "Wir haben ein unverbindliches Angebot vorgelegt, um die German Naval Yards zu kaufen", hatte Rheinmetall-Chef Armin Papperger erst im Mai gesagt. Rheinmetall schielte dabei auch auf das Fregatten-Programm F126. Dieses hatte Verteidigungsminister Boris Pistorius dann aber im Juni gestoppt - auch weil die Kosten aus dem Ruder gelaufen waren. Die Bundesregierung plant nun stattdessen den Kauf von acht Fregatten des Typs MEKO A-200 von TKMS. Ein Rheinmetall-Sprecher wollte sich am Nachmittag nicht zu den jüngsten Entwicklungen rund um die Kieler Werft äußern. Diese ist unter anderem auf den Bau großer Marineschiffe wie Fregatten oder Korvetten spezialisiert. Aber auch Jachten hat sie im Angebot.
(Bericht von Matthias Inverardi, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


