Leitindex gibt deutlich nach und fällt unter 25.000 Punkte

Der Dax hat am Donnerstag seine bisher in dieser Woche verbuchten Gewinne eingebüßt. Zu viele Unsicherheiten aus verschiedenen Richtungen veranlassten die Anleger zur Zurückhaltung. Weiter steigende Ölpreise und Gewinnmitnahmen bei Chipwerten als Reaktion auf einen enttäuschenden Ausblick von STMicroelectronics setzten dem Aktienmarkt besonders zu.
Der Dax fiel wieder unter die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten und büßte am Ende 1,56 Prozent auf 24.763 Zähler ein. Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,96 Prozent auf 31.674 Punkte nach unten.
Zurückhaltung herrschte auch, weil Europas größter Softwarekonzern SAP am Abend nach US-Börsenschluss seine mit Spannung erwarteten Geschäftszahlen vorlegt. Unternehmenschef Christian Klein steht wegen der Konkurrenz durch Künstliche Intelligenz (KI) unter Druck.
Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen, war derweil vom Markt erwartet worden und bewegte zunächst kaum. Eine Zinsanhebung könnte es jedoch im September geben, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen. Denn die Risiken für die Teuerung sind nicht gebannt, solange der Iran-Krieg andauert und die Ölpreise in die Höhe treibt.
Laut dem Chef-Ökonom der ING Bank, Carsten Brzeski, deuteten die Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz zur Zinsentscheidung klar auf eine Zinserhöhung im September hin. So habe Lagarde die Risiken für eine anziehende Inflation und für eine Abschwächung der Wirtschaft betont.
Steigende Ölpreise wegen der anhaltenden Angriffe im Iran-Krieg schürten am Donnerstag weiter Inflationsängste und blieben damit ein Problem für die Märkte. Zudem erklärten vom Iran unterstützte Huthi-Milizen, sie hätten zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer angegriffen; dies verschärft den Nahostkonflikt weiter und droht zu schwerwiegenderen Versorgungsunterbrechungen zu führen.
Es mehrten sich die Anzeichen, dass US-Präsident Donald Trump den Iran-Krieg nicht nur verbal eskaliere, sondern auch an eine massive Ausdehnung der Angriffe denke, schrieben die Autoren vom Börsenbrief Fuchs-Kapital in ihrer aktuellen Ausgabe. Für die Rohstoff- und Finanzmärkte verheiße dies nichts Gutes.
Tech-Riesen verlieren deutlich
Mit Blick auf die Schwergewichte aus der Tech-Branche, allen voran Alphabet und Tesla, überwog die Enttäuschung. Die Google-Mutter Alphabet übertraf zwar umsatzseitig im vergangenen Quartal die Erwartungen der Wall Street, doch dass nun noch mehr Geld in den Ausbau der KI-Infrastruktur gesteckt werden soll, brachte die Aktie zum einbrechen. Sie sackte um etwas mehr als 7,6 Prozent ab, womit rund 260 Milliarden US-Dollar Börsenwert vernichtet wurden.
Tesla-Aktien brach um 14,1 Prozent ein. Der Elektroautohersteller habe zwar Absatz und Umsatz stark gesteigert, doch wegen milliardenschwerer Investitionen sei ein deutlich geringerer Gewinn übriggeblieben als erwartet, kommentierte etwa Marktbeobachter Stephen Innes.
Nutzfahrzeugwerte gefragt – Halbleiterbranche mit Kursverlusten
Im Fokus der Berichtssaison hierzulande standen die Nutzfahrzeug-Hersteller. Die Papiere von Daimler Truck gewannen an der Dax-Spitze etwa als 3,6 Prozent. Der Nutzfahrzeug-Hersteller hatte dank Fortschritten in den Vereinigten Staaten die Prognose erhöht. Im MDax waren die Anteilsscheine des Wettbewerbers Traton mit einem Plus von gut zehn Prozent an der Spitze. Die VW-Nutzfahrzeugtochter wird für das Gesamtjahr etwas optimistischer.
Weniger gut kamen die Nachrichten aus der Halbleiterbranche an. STMicroelectronics hatte seine zuletzt erfolgsverwöhnten Anleger mit dem Umsatzausblick enttäuscht und die Aktien so ins Minus gebracht, was auch auf die Wettbewerber negativ abfärbte. So fielen die Papiere von Infineon am Dax-Ende um rund 6,2Prozent. Unter den größten Verlierern im MDax gaben die Anteilsscheine von Suss Microtec um etwa 5,2 Prozent nach.
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(mit Material von dpa-AFX)


