
Der Dax hat zum Wochenausklang überraschend fester eröffnet, trotz schwacher Vorgaben von den asiatischen Märkten und der Wall Street, die am Vortag wegen steigender Ölpreise deutliche Verluste einfuhren. Verantwortlich für die Stabilisierung waren vor allem gute Zahlen des Indexschwergewichts SAP.
Im frühen Handel legte der Dax 0,6 Prozent auf 24.906 Punkte zu. Auf Wochensicht deutet sich so ein moderates Plus an. Der MDax der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 0,5 Prozent auf 31.862 Punkte nach oben. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,6 Prozent.
SAP überrascht mit Zahl neuer Cloud-Verträge
Europas größter Softwarehersteller SAP kommt trotz widriger Bedingungen in der Weltwirtschaft gut voran mit dem Abschluss von Cloud-Verträgen. Der in den kommenden zwölf Monaten zu erwartende Umsatz mit den Abo-Verträgen legte bis Ende Juni im Jahresvergleich um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro zu, wie die Walldorfer am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mitteilten. Das war auch ein schnelleres Wachstum als im ersten Quartal. Die Aktie zog am Freitag kräftig an.
Das Tempo der Nachfrage ließ bei den Anlegern nämlich verschmerzen, dass sich das operative Ergebnis im Quartal schwächer entwickelte als gedacht und SAP-Chef Christian Klein in dem Bereich wegen zweier Zukäufe auch die Jahresprognose senkte. Die in New York gehandelten Aktien-Hinterlegungsscheine von SAP hatten nachbörslich bereits zugelegt, die Hauptnotierung der Aktie in Frankfurt gewann am Morgen 5,7 Prozent.
Seit Monaten schwächelt die SAP-Aktie merklich, weil KI das Geschäft mit Software grundlegend verändern, manche Geschäftsmodelle gar zerstören könnte. Die nun vorgelegten Zahlen zerstreuten diese Zweifel nun etwas.
Autowerte nach VW-Zahlen im Minus
Maue Zahlen bei Volkswagen wiederum zogen weitere deutsche Auto-Aktien mit in die Tiefe. Ein schwaches zweites Quartal von Volkswagen beunruhigt weiter die Anleger in der Autobranche. Eine enttäuschende Profitabilität der Wolfsburger und eine gesenkte Umsatzprognose wirkten sich am stärksten auf die eigenen Aktien aus, die im frühen Handel 1,6 Prozent verloren.
Titel der Konkurrenten Mercedes-Benz und BMW und der eigenen Sportwagentochter Porsche AG sanken um bis zu 0,9 Prozent. Für die Anteile der VW-Beteiligungsgesellschaft Porsche SE ging es um rund ein Prozent nach unten.
Laut dem JPMorgan-Experten Jose Asumendi hat der VW-Konzern mit seinen Zahlen die Erwartungen verfehlt. Im zweiten Quartal wurde noch etwas weniger verdient als im ohnehin schon schwachen Vorjahreszeitraum. Zudem erwartet Konzernchef Oliver Blume für das Gesamtjahr nur noch im besten Fall eine stabile Umsatzentwicklung. Positiv erwähnte der Experte aber den freien Mittelzufluss, der solide gewesen sei.
Adidas-Aktien bleiben ebenfalls unter Druck. Die Abwärtsspirale wird allerdings im frühen Xetra-Handel stärker, denn dort sank der Kurs zeitweise um mehr als fünf Prozent auf ein Sechswochentief. Zuletzt ging es noch um rund drei Prozent nach unten.
Als Begründung verwiesen Händler auf Enttäuschung, dass es am Vorabend eine Woche vor dem Quartalsbericht keine positiven Eckdaten von dem Sportartikelkonzern gegeben habe. Deren Ausbleiben habe sich dann auch schon nachbörslich belastend ausgewirkt. Seit April hatten die Aktien eine Rally hinter sich, die Anfang Juli während der Fußball-Weltmeisterschaft bei fast 188,80 Euro ihren Höhepunkt fand. Seitdem haben sie elf Prozent an Wert verloren.
(mit Material von dpa-AFX)



