Volkswagen will Sparpaket bis Jahresende festzurren - Gewinn gesunken

Reuters · Uhr

Berlin, 24. Jul (Reuters) - Volkswagen-Chef Oliver ⁠Blume will noch in diesem Jahr weitere Einsparungen unter Dach und Fach bringen. Er sei dazu im Gespräch mit dem Aufsichtsrat und dem Betriebsrat, um so bald wie möglich zu einem Ergebnis zu kommen, sagte Blume am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr. Es handle sich nicht nur um ein Sparprogramm, sondern ein umfassendes Vorhaben, um Volkswagen schneller, resilienter, wettbewerbsstärker und innovativer zu machen. Ziel sei es, auch bei acht Millionen verkauften Autos pro Jahr Geld zu verdienen. Schon jetzt werde an den ersten Maßnahmen gearbeitet, etwa einer Reduzierung der Modellvielfalt.

Im ersten ‌Halbjahr brach der Nettogewinn um fast ein Drittel ein, der Umsatz stagnierte. Ein Betriebsratssprecher sagte, die Zahlen zum ersten Halbjahr zeigten wie erwartet Licht und Schatten. "In der Tat steht das Geschäftsmodell des VW-Konzerns an mehreren Stellen unter Druck und muss optimiert werden", sagte er. Allerdings sei klar: "Eine Debatte über Standortschließungen und Personalabbau in historisch großen Dimensionen ist ⁠nicht das neue Geschäftsmodell für ⁠den VW-Konzern, denn das ist keine neue Umsatz- und Gewinnquelle, es bringt keinen technologischen Vorsprung, schafft keine wettbewerbsfähigen Produkte und erschließt auch keine neue Kundschaft für unsere Fahrzeuge."

In dem anstehenden Sparprogramm sind Zehntausende Stellen in Gefahr, die Fertigung in vier Werken in Deutschland könnte auslaufen. Zu raschen Werksschließungen werde es jedoch nicht kommen. Es sei unrealistisch, bis 2030 eine Fabrik zu schließen, weil dort schließlich Modelle gefertigt würden, die Volkswagen brauche, sagte der VW-Chef. Zumal er ohnehin andere Optionen einer Schließung vorziehe, wie etwa den Bau von chinesischen Modellen. Das VW-Geschäft in China biete hier Möglichkeiten, sagte Blume. "Wir müssen nicht darüber nachdenken, Wettbewerber in unsere Werke zu lassen. Wir sind wie alle anderen chinesischen Unternehmen ein chinesischer Autobauer." Volkswagen sei ‌hier in einer anderen Situation als etwa die Opel-Muttergesellschaft Stellantis.

Gemeinsam mit dem chinesischen Autobauer Leapmotor entwickelt Opel ein ‌elektrisches SUV, das im Corsa-Werk im spanischen Saragossa gebaut werden soll. Chinesische Autobauer sind derzeit auf der Suche nach Fertigungskapazitäten in Europa, um europäische Einfuhrzölle auf Elektroautos aus China zu umgehen und einen direkten Zugang zum Markt zu erhalten. Zuletzt hatte der Volvo-Eigentümer Geely einen Teil der Ford-Fabrik in Spanien gekauft, um dort Elektroautos für den europäischen Markt zu bauen.

Allerdings erhöht der zunehmende Wettbewerb mit chinesischen Autobauern ⁠in Europa den Druck auf Volkswagen. Weil der chinesische Markt einbreche, steigerten chinesische Hersteller ihre Exporte. Hier müsse die Politik helfen, sagte Blume. "Wir brauchen gleiche Wettbewerbsbedingungen, nicht mehr und nicht ‌weniger", sagte er. In einigen Bereichen funktioniere das schon, etwa bei Elektroautos, wo in der Europäischen ⁠Union Zusatzzölle fällig werden. "Wo es nicht funktioniert, ist bei den Plug-In-Hybriden." Zudem sei mehr Geschwindigkeit beim Industrial Accelerator Act (IAA) mit seinen Regelungen zum Schutz der Produktion in Europa nötig.

GEWINN BRICHT WEGEN CHINA EIN

In China selbst kämpft Volkswagen mit der einbrechenden Nachfrage und den schwindenden Gewinnen. Das hinterlässt in der Bilanz Spuren. Seit Jahresanfang brach der Gewinn nach Steuern um fast ein Drittel ein, operativ lag der Rückgang bei 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Dabei spielten Sondereffekte wie das Aus ‌für die Fertigung des elektrischen ID.4 in den USA eine Rolle. Für das Gesamtjahr bleibt Volkswagen bei ⁠seiner Gewinnprognose. Beim Umsatz sind die Wolfsburger dagegen pessimistischer und sagen einen ⁠Rückgang um bis zu drei Prozent voraus, statt eines Anstiegs um bis zu drei Prozent. Im ersten Halbjahr waren es mit 158,1 Milliarden Euro 0,2 Prozent weniger als vor Jahresfrist.

An der Börse gaben die Aktien rund zwei Prozent nach und gehörten damit zu den schwächeren Werten im Dax. Bernstein-Analyst Stephen Reitman sagte, es sei ermutigend, dass VW an seiner Gewinnprognose festhalte. "Das VW-Management wagt den Spagat, auf der einen Seite die Investoren zu beruhigen und zugleich auf der anderen Seite den Arbeitnehmern deutlich zu machen, dass die Hütte brennt und schmerzhafte Einschnitte unvermeidlich sind", sagte er. "Das ist eine nahezu unmögliche Aufgabe."

Besser als im Vorjahr lief es im Volumengeschäft mit den Marken Volkswagen, Skoda und Seat/Cupra. Hier stieg die Gewinnmarge um 0,1 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent, der Umsatz verbesserte sich um mehr als 500 Millionen Euro auf 72,5 Milliarden Euro. Die Markengruppe Progressive, zu der Audi gezählt wird, erwirtschaftete eine Marge von 3,8 Prozent, das ist ein halber Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Porsche verdiente ebenfalls deutlich besser als vor Jahresfrist, obwohl der Absatz gesunken ist. ⁠In der kommenden Woche will der Stuttgarter Autobauer die Belegschaft und die Öffentlichkeit über das zweite Paket an Stellenstreichungen informieren. Medienberichten zufolge sollen in den kommenden Jahren mindestens 5000 Arbeitsplätze wegfallen, nachdem 2025 bereits der Abbau von 3900 Stellen beschlossen worden war.

(Bericht von Christina Amann, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte)

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