Applied Digital: Warum der Umsatzsprung nicht reicht
Applied Digital wächst rasant im KI-Rechenzentrumsgeschäft. Der Markt schaut trotzdem auf die steigende Schuldenlast und verkauft die Aktie nach anfänglicher Stärke ab.
Martin Goersch
Was bewegt die Aktie?
Applied Digital steigerte den Umsatz um 580 Prozent auf 258,7 Millionen Dollar. Der Wert lag 164 Millionen Dollar über den Erwartungen und damit mehr als doppelt so hoch wie vom Markt angenommen. Bereinigt erzielte das Unternehmen 4 Cent Gewinn je Aktie und übertraf die Schätzungen um 23 Cent.
Der wichtigste Treiber ist High Performance Computing. Von knapp 260 Millionen Dollar Umsatz kamen rund 203 Millionen Dollar aus diesem Bereich. Das operative Ergebnis lag dort bei 26 Millionen Dollar. Applied Digital wandelt sich damit vom Bitcoin-Miner immer stärker zum Anbieter von Rechenleistung für KI-Rechenzentren.
Die Nachfrage bleibt hoch. Das Unternehmen hat Kapazitäten auf 175 Megawatt ausgeweitet und erste 100 Megawatt bereits unter Vertrag gestellt. Die Verträge bringen Planungssicherheit, weil Kunden auch dann zahlen müssen, wenn sie die Rechenleistung nicht abrufen.
Das Problem liegt auf der Schuldenseite. Für das Geschäftsjahr 2026 liegt der Netto-Zinsaufwand bisher bei 29 Millionen Dollar. Neue Anleihen über 2,15 Milliarden und 1,59 Milliarden Dollar mit Zinssätzen von 6,75 und 7 Prozent sind darin aber noch nicht vollständig enthalten. Daraus kann eine jährliche Zinsbelastung von rund 250 bis 256 Millionen Dollar entstehen. Eine weitere Anleihe mit mehr als 9 Prozent Zins verschärft das Thema zusätzlich.
Martins Einschätzung
Das Geschäft von Applied Digital bleibt attraktiv, aber der Markt verlangt Glaubwürdigkeit bei der Finanzierung. Langfristig kann der Bedarf an KI-Rechenleistung die Aktie tragen. Kurzfristig bleibt die Schuldenlast der zentrale Bremsfaktor.




