Gewinnmitnahmen bremsen Dax-Rekordjagd - Iran-Gespräche im Blick
Frankfurt, 05. Aug (Reuters) - Europas Aktienanleger haben zur Wochenmitte auf ihrer Rekordfahrt einen Gang heruntergeschaltet. Ermutigende Firmenbilanzen und wachsende Hoffnung auf ein Ende des Iran-Krieges bescherten dem Dax zunächst bei einem Stand von 26.403,81 Punkten den dritten Rekordstand in Folge. Anschließend setzten dann mit wieder anziehenden Ölpreisen Gewinnmitnahmen ein. Der deutsche Leitindex trat gegen Mittag bei 26.195 Punkten auf der Stelle, dem EuroStoxx50 ging es ebenso. Grundsätzlich beschrieben Analysten die Marktstimmung als weiterhin optimistisch. "Quartalsergebnisse, auch von Dax-Konzernen, wurden mehrheitlich positiv aufgenommen, und hinsichtlich der Bewertung des Technologiesektors bestehen derzeit keine Sorgen", fassten die Strategen der Helaba zusammen.
Neue Rekordstände an der Wall Street sorgten zusätzlich für Unterstützung. In Asien ging es für Chipwerte steil nach oben. Der japanische Nikkei-Index erklomm ein Zwei-Wochen-Hoch, der südkoreanische Kospi-Index gewann knapp vier Prozent. "Geopolitische Risiken dürften in den kommenden Tagen ein zentraler Treiber der Volatilität bleiben, je nachdem, ob zwischen den USA und dem Iran tatsächlich Fortschritte erzielt werden", sagte Kyle Rodda, Marktanalyst bei capital.com.
HICKHACK UM IRAN IM BLICK
US-Präsident Donald Trump sagte, seine Regierung habe am Dienstag "sehr gute Gespräche" mit dem Iran geführt. Katar sprach ebenfalls von Fortschritten. Teheran wies jedoch zurück, dass Gespräche im Gange seien. Die Ölpreise waren seit Wochenbeginn deutlich gefallen und traten zuletzt auf der Stelle. Anleger hoffen, dass bald eine Einigung zur Wiederherstellung des Schiffsverkehrs durch die blockierte Straße von Hormus erzielt werden könnte. "Der Hauptstreitpunkt scheint zu sein, ob der Iran weiterhin auf einer gewissen Kontrolle über die Wasserstraße bestehen wird und ob die USA standhaft bleiben und dieses Ergebnis ablehnen werden", kommentierten die Analysten von IG.
Der Ölpreisrückgang der vergangenen Tage linderte die Inflationssorgen an den Börsen und ließ die Angst vor steigenden Zinsen in den USA etwas verblassen. Der Goldpreis profitierte davon und legte zwei Prozent auf 4157 Dollar je Feinunze zu. Richtungsweisend für die Zinserwartungen dürfte der Bericht des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP sein, der einen Vorgeschmack auf die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag liefert.
FRESENIUS GLÄNZT MIT PROGNOSEANHEBUNG - INFINEON IM ABSEITS
Optimistische Gewinnaussichten beflügelten die Aktien von Fresenius. Sie stiegen um bis zu 9,3 Prozent an die Dax-Spitze. Der Gesundheitskonzern hob seine Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr an. Zu den Dax-Favoriten gehörten zunächst auch Siemens Energy, da Anleger die Rekordwerte bei Umsatz, Margen und Auftragseingängen im dritten Quartal honorierten. Im Verlauf machten die Investoren allerdings Kasse, der Kurs rutschte um rund ein Prozent ab. Bis zu 6,1 Prozent abwärts ging es auch für Infineon. Der Chipkonzern habe für das dritte Quartal ein durchwachsenes Ergebnis mit einer leicht enttäuschenden Rentabilität vorgelegt, sagte ein Händler. Trotz der optimistischen Stimmung im US-Technologiesektor verlor auch der US-Mitbewerber AMD im vorbörslichen US-Handel sieben Prozent, da die Zahlen die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllten. Das KI- und Satellitenunternehmen SpaceX sackte im vorbörslichen Handel zehn Prozent ab, da Befürchtungen aufkamen, dass hohe Investitionsausgaben den gesamten Cashflow aufzehren könnten.
Im Pharmasektor gaben Aktien von Novo Nordisk um mehr als vier Prozent nach. Der Arzneimittelhersteller setzte mit seinem Abnehmpräparat Wegovy weniger um als erhofft, was die über den Erwartungen liegenden Ergebnisse des zweiten Quartals überschattete.
(Bericht von Anika Ross, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

