Börsen nach Bilanzen höher - US-Jobdaten und Iran im Blick
Frankfurt, 07. Aug (Reuters) - Überraschend starke Unternehmensbilanzen haben die europäischen Aktienmärkte zum Wochenausklang gestützt. Die Spannung vor der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts und anhaltende Sorgen über die Lage im Nahen Osten grenzten jedoch die Kursgewinne am Freitag ein. Der Dax und der EuroStoxx50 legten gegen Mittag jeweils knapp ein Prozent auf 26.358,79 und 6547 Punkte zu. Damit steuerte der deutsche Leitindex auf den vierten Wochengewinn in Folge zu. Die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen ebenfalls im Plus.
"Die laufende Berichtssaison untermauert die Einschätzung, dass die europäischen Unternehmen im Grunde gesund sind", sagte Gordon Kerr, Stratege bei der Ratingagentur KBRA. "Die Anleger werden jedoch zunehmend wählerischer, denn die hohen Bewertungen lassen kaum noch Spielraum für Enttäuschungen."
GESUNDHEITSSEKTOR IM AUFWIND
An der Spitze der Gewinnerliste standen Gesundheitswerte, die um 1,8 Prozent zulegten. Die Aktien des Krebstherapie-Entwicklers Genmab sprangen um 9,3 Prozent in die Höhe, nachdem das Unternehmen einen höheren Umsatz für das erste Halbjahr gemeldet und seine Jahresprognose angehoben hatte. Die Papiere des irischen Baustoffkonzerns Kingspan kletterten nach einer Prognoseerhöhung um mehr als 17 Prozent.
Bei den deutschen Einzelwerten rutschte Daimler Truck nach Geschäftszahlen um 3,6 Prozent ab und war damit Schlusslicht im Dax. Der Lkw-Bauer kann den Kapriolen der US-Zollpolitik durch den Bau eines neuen Werkes auf seinem wichtigen Markt zwar künftig besser entgehen. Die unter US-Präsident Donald Trump erhöhten Einfuhrzölle belasteten jedoch noch das Ergebnis im zweiten Quartal. Ein Händler verwies zudem auf die überraschend schwachen Auftragseingänge.
Unter Druck gerieten auch die Aktien von Lanxess, die im MDax knapp sechs Prozent einbüßten. Der Spezialchemiekonzern hat im vergangenen Quartal zwar von einer gestiegenen Nachfrage und höheren Absatzmengen profitiert. Vorstandschef Matthias Zachert dämpfte jedoch die Hoffnungen auf eine schnelle konjunkturelle Erholung.
ÖLPREISE SCHWANKEN
Sorgen der Anleger über die Pläne des Irans für die Straße von Hormus lösten indes am Ölmarkt starke Schwankungen aus. Die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI bewegten sich zwischen minus 0,8 und plus 2,4 Prozent. Zuletzt lagen sie kaum verändert bei 82,21 und 77,16 Dollar je Fass (159 Liter). Am Donnerstag hatten die Preise um rund vier Prozent zugelegt, nachdem der Iran einen Gesetzentwurf zur Sperrung der Meerenge für Schiffe aus den USA und Israel geprüft hatte. Am Freitag reagierten die Preise auf den vom Iran veröffentlichten Entwurf für die Transitbedingungen in der Straße von Hormus, sagte Analyst Lin Ye von Rystad Energy. Dabei dürfte es sich jedoch um eine kontrollierte und an Bedingungen geknüpfte Durchfahrt und nicht um eine Wiederherstellung des normalen Verkehrsflusses handeln.
Trotz des Anstiegs am Donnerstag steuerten beide Ölsorten auf einen Wochenverlust von rund acht Prozent zu. "Auf einen Abwärtstrend bei den Energiepreisen ist in diesen Tagen aber kein Verlass", warnte Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. "Zu fragil sind die immer wieder anberaumten, dann aber doch ohne belastbares Ergebnis versandenden Gespräche der Konfliktparteien am Persischen Golf".
Die Anleger warteten auch auf den für 14.30 Uhr (MESZ) geplanten US-Arbeitsmarktbericht. Daraus erhoffen sie sich Hinweise auf die künftige Zinspolitik der US-Notenbank Fed. Experten rechnen für Juli mit 80.000 neuen Stellen nach 57.000 im Juni. Die Fed versucht, mit straffer Geldpolitik die Inflation in Schach zu halten und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen. "Ein stärkerer Arbeitsmarktbericht würde die Gewissheit zementieren, dass die Zinsen ihren Gipfel wohl noch nicht erreicht haben", warnte Stanzl.
(Bericht von Sanne Schimanski. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




