Deutsche Exporte steigen fünften Monat in Folge - Rekord im Juni

Reuters · Uhr

Berlin, 07. Aug (Reuters) - Daten ⁠zu Produktion und Ausfuhren signalisieren ein leichtes Anziehen der Konjunktur in Deutschland. Vor allem die Exporteure haben ihre Erfolgsserie per Rekord ausgebaut und im Juni mit einem Wert von 139,3 Milliarden Euro so viel wie noch nie ins Ausland geliefert, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ihre Ausfuhren stiegen trotz Belastungen der Weltwirtschaft durch den Iran-Krieg den fünften Monat hintereinander und auch trotz sinkender Nachfrage aus den USA und China um 0,9 Prozent zum Vormonat. "Das ist ein ‌positives Signal, aber noch kein belastbarer Aufschwung", sagte der Präsident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura.

Ökonomen hatten beim Export nur mit 0,2 Prozent Wachstum gerechnet. Die Importe kletterten im Juni um 4,4 Prozent auf 123,9 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr stiegen die Exporte um 3,7 Prozent, was die ⁠Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ⁠als konjunkturellen Lichtblick bezeichnete. "Für eine wirtschaftliche Entwarnung ist es aber zu früh", warnte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Die Aussichten für den Welthandel sind weiter trüb." Die andauernden Spannungen und Kriege im Nahen Osten, die geschlossene Straße von Hormus sowie die drohende Sperrung der Meerenge Bab el-Mandab belasteten Handelsrouten und Lieferketten zwischen Europa und Asien.

US-GESCHÄFT BRICHT EIN - EU-EXPORTE FANGEN RÜCKGANG AUF

"Mit Ausnahme des Januars legten die Exporte im laufenden Jahr zu", sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Solch eine Serie war seit längerem nicht beobachtbar." Die meisten Ausfuhren in ein einzelnes Land gingen erneut in die USA: Dorthin wurden deutsche Waren ‌im Wert von 12,1 Milliarden Euro geliefert. Dies waren allerdings 14,2 Prozent weniger als im ‌Vormonat. Der Exportrückgang sei alarmierend, sagte Gitzel. "Vor allem der erneute starke Rückgang des US-Geschäfts zeigt, wie fragil die Entwicklung bleibt", betonte BGA-Präsident Jandura. "Die Zuwächse im europäischen Geschäft und anderen Märkten konnten den starken Rückgang in unserem wichtigsten Einzelmarkt mehr als ausgleichen." Das unterstreiche, wie wichtig breit aufgestellte Absatzmärkte gerade in Zeiten wachsender handelspolitischer Unsicherheit seien.

Das ⁠deutsche China-Geschäft verlor um 0,3 Prozent zum Vormonat auf 6,2 Milliarden Euro. Für Schwung sorgten hingegen Exporte in die EU-Staaten, die um 1,3 Prozent auf 79,3 ‌Milliarden Euro stiegen. Auch das Geschäft mit dem Vereinigten Königreich legte um 7,7 ⁠Prozent zu.

"INZWISCHEN SCHEINT DIE TALFAHRT DER INDUSTRIE BEENDET"

Derweil überraschten die Daten zur Produktion mit dem dritten Anstieg in Folge ebenfalls positiv. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,2 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistikamt mitteilte. Dies sei maßgeblich auf Zuwächse in der Autoindustrie zurückzuführen - mit plus 3,6 Prozent. Auch der sonstige Fahrzeugbau - Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge - sorgten mit plus 8,4 Prozent ‌für Impulse. Im Maschinenbau gab es ein Minus von 3,9 Prozent.

"Inzwischen scheint die Talfahrt ⁠der Industrie beendet", sagte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch. Zu den Abwärtsrisiken ⁠gehörten die geopolitische Lage sowie die Energieversorgung. "Der niedrige Füllstand der Gasspeicher dürfte bald verstärkt in den Blick genommen werden - und wer weiß, welche Folgen die niedrigen Pegelstände der großen Flüsse noch zeitigen", erklärte der Experte. "Alles in allem sah es aber vor vier, fünf Monaten insgesamt schlechter aus als heute."

Die Industrieproduktion bewege sich weiter auf niedrigem Niveau, sagte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Wegen des Niedrigwassers im Rhein dürfte sich daran im Sommer nichts ändern." Und danach wird es wohl nur langsam bergauf gehen.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, das Niedrigwasser am Rhein und an anderen Wasserstraßen beeinträchtige wichtige Schifffahrtswege. "Unternehmen, die auf diese Transportwege besonders angewiesen sind, drohen höhere Transportkosten." Die Bundesregierung stimme sich eng ab, um die Folgen für den Wirtschaftsstandort möglichst gering zu halten.

Die Fertigung allein bei der Industrie stagnierte im Juni. In der Industrie sind die Auftragsbücher mittlerweile so gut gefüllt wie noch nie seit Beginn ⁠der Statistik 2015. Die Wirtschaft war hierzulande im Frühjahr trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni um 0,2 Prozent zum Vorquartal. Zu Jahresbeginn hatte es ein Plus von 0,4 Prozent gegeben.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere ‌Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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