
(Reuters) - Trotz des anhaltenden Preisdrucks bleibt die Münchener Rück zuversichtlich für einen Rekordgewinn im laufenden Jahr. "Wir gehen mit Rückenwind in die Hurrikan-Saison", sagte Vorstandschef Christoph Jurecka am Freitag in München. Die Nummer zwei unter den weltgrößten Rückversicherern hat sich für 2026 einen Gewinn von 6,3 Milliarden Euro vorgenommen, 3,93 (3,18) Milliarden stehen nach der ersten Jahreshälfte zu Buche. "Wenn wir eine normale Hurrikan-Saison haben, werden wir unsere Ziele erreichen", versprach Finanzvorstand Andrew Buchanan.
Nur beim Versicherungsumsatz muss die Münchener Rück Abstriche machen: Mit 62 Milliarden Euro fällt er um zwei Milliarden Euro geringer aus, nachdem der Rückversicherer weniger Geschäft gezeichnet hat, weil die Preise bröckeln.
"Wir können es uns leisten, auf Geschäft zu verzichten", sagte Jurecka. In den Verhandlungen mit den Erstversicherern und Maklern zum 1. Juli seien die Preise riskobereinigt um 5,5 Prozent zurückgegangen. Dabei ging es vor allem um Verträge in Nord- und Südamerika sowie Australien. Die Münchener Rück habe deshalb mit 2,9 Milliarden Euro neun Prozent weniger Geschäft gezeichnet, vor allem bei der Zeichnung von Spitzenrisiken (XL) und im US-Haftpflicht-Geschäft. "Unsere Disziplin war wieder augenfällig."
Dass es im ersten Halbjahr erneut unterdurchschnittlich viele Naturkatastrophen und andere Großschäden gab, habe bei den Preisverhandlungen nicht geholfen, räumte Jurecka ein. Im zweiten Quartal musste die Münchener Rück nur 191 (Vorjahr: minus 87) Millionen Euro dafür ausgeben. Und auch die Waldbrände, die derzeit in Südeuropa toben, sähen nicht nach einem besonders großen Schadenereignis aus, sagte Buchanan.
Grundsätzlich sei der Markt noch in einer guten Verfassung, betonte der Vorstandschef. Immerhin sei man bei den Preisen auf dem Niveau von 2021 - das damals für gut befunden wurde. Für die weitaus wichtigere Erneuerungsrunde zum 1. Januar erwartet die Münchener Rück "ein Marktumfeld, in dem trotz der hohen Wettbewerbsintensität das nach wie vor gute Preisniveau und die erzielten Verbesserungen in den Vertragsbedingungen weitgehend gehalten werden können".
Die Münchener-Rück-Aktie gab um 3,7 Prozent nach. Analysten von JPMorgan erklärten, das Ergebnisziel zu erreichen sei schwieriger geworden. Der Versicherungsumsatz im Schaden- und Unfall-Geschäft sei im zweiten Quartal stärker zurückgegangen als erwartet.
Auf einen weicher werdenden Markt stellt sich Jurecka schon seit längerem ein. Der Anteil der Schaden-Rückversicherung am Konzerngewinn soll von 60 Prozent auf 50 Prozent schrumpfen. Die anderen Sparten - Kranken- und Lebens-Rückversicherung, die Spezialversicherung und der Erstversicherer Ergo - sollen den Rest beisteuern. Im zweiten Quartal profitierte die Münchener Rück von einem besonders hohen Kapitalanlageergebnis, das auf 3,16 (2,19) Milliarden Euro stieg. Steigende Aktienkurse und ein gutes Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) trugen dazu bei. Unter dem Strich stand ein Quartalsgewinn von 2,21 (2,09) Milliarden Euro.




