Saudi-Arabien, Pakistan und Türkei schließen Verteidigungspakt
Riad/Karatschi/Ankara, 07. Aug (Reuters) - Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan haben am Freitag ein neues Verteidigungsbündnis besiegelt. Der Pakt umfasst eine Beistandsklausel, wonach ein bewaffneter Angriff auf eines der Länder als Angriff auf alle drei gewertet wird. Dies teilten die Staaten in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Abkommen ziele darauf ab, die kollektive Abschreckung zu stärken sowie Frieden und Stabilität in der Region zu fördern. Die Vereinbarung wurde in der saudiarabischen Stadt Mekka, der heiligsten Stätte des Islam, unterzeichnet. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif verband den Termin mit einer Pilgerfahrt, bevor er auf den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und den Präsidenten des Nato-Landes Türkei, Recep Tayyip Erdogan, traf.
Der neue Verteidigungspakt kommt in einer Zeit zustande, in der die drei sunnitisch geprägten Länder mit wachsender Sorge auf den schiitischen Iran blicken. Aber auch das Vorgehen Israels beunruhigt die nicht benachbarten Staaten, während die USA als gemeinsamer Verbündeter selbst im Zentrum der Eskalation des seit Jahrzehnten schwelenden Nahost-Konflikts stehen.
Mit einem Angriff der USA und Israels begann Ende Februar der Iran-Krieg. In der Folge wurden US-Stützpunkte und zivile Einrichtungen in Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten angegriffen. Schon seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 infolge des Hamas-Überfalls auf Israel hat es in fast sämtlichen Staaten der Region Angriffe gegeben. Die Türkei und Pakistan am Rande des Nahen Ostens entkamen bisher größeren Attacken, sind aber beide im Sinne ihrer eigenen Sicherheit und ihrer Wirtschaft an einer Beruhigung der Lage interessiert.
Mit dem Abkommen bündeln drei der einflussreichsten Staaten der islamischen Welt ihre Kräfte. Die Türkei verfügt nach den USA über das zweitgrößte Militär der Nato, Saudi-Arabien beherbergt die heiligsten Stätten des Islam und ist einer der weltweit größten Erdölexporteure, während Pakistan als einziges muslimisches Land Atomwaffen besitzt. Unklar blieb, ob nukleare Abschreckung Teil der Vereinbarung ist. Experten gehen aber nicht davon aus, da Pakistan sich mit seinen Atomstreitkräften auf die von dem Land wahrgenommene Bedrohung durch den Nachbarn Indien fokussiert. Dem Pakt gingen fast einjährige Verhandlungen voraus. Er baut auf langjährigen bilateralen Militärbeziehungen zwischen den einzelnen Partnern auf.
(Bericht von Timour Azhari, Ariba Shahid, Tuvan Gumrukcu, Samia Nakhoul, Daren Butler und Maha El-Dahan; geschrieben von Elke Ahlswede; redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)