Unerwarteter Stellenrückgang in den USA - Vorerst wohl keine Fed-Zinserhöhung
Washington, 07. Aug (Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Juli erneut deutlich abgekühlt - und macht eine Zinserhöhung der Notenbank Fed vorerst unwahrscheinlicher. Unter dem Strich fielen sogar 23.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft weg, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Ökonomen hingegen hatten mit einem Aufbau von 80.000 Jobs gerechnet. Zudem kamen im Mai und Juni gut 100.000 weniger neue Arbeitsplätze hinzu als ursprünglich gemeldet. "Der US-Arbeitsmarktbericht für Juli war in nahezu allen Belangen enttäuschend", sagte LBBW-Experte Dirk Chlench. Er sehe sich in seiner Meinung bestärkt, "dass die US-Notenbank Fed im weiteren Jahresverlauf keine Leitzinserhöhungen vornehmen wird".
Dies sieht die Commerzbank ähnlich: "Die Fed wird lieber weitere Daten abwarten wollen, bevor sie möglicherweise vorschnell die Zinsen erhöht", erklärte Bank-Analyst Ralph Solveen. Auch er geht davon aus, dass die Notenbank 2026 ihre Leitzinsen nicht mehr anheben wird.
Die separat ermittelte Arbeitslosenquote sank derweil im Juli - und zwar auf 4,1 Prozent, nach 4,2 Prozent im Juni. Zudem stiegen die durchschnittlichen Stundenlöhne auf Jahressicht um 3,2 Prozent - und damit weniger stark als von Experten mit 3,5 Prozent erwartet. "Insgesamt enttäuscht der Arbeitsmarkt deutlich und so könnten die Zinserhöhungserwartungen bezüglich der Fed wieder gedämpft werden", sagte Ulrich Wortberg von der Helaba.
FINANZMÄRKTE ERWARTEN ZUNÄCHST STABILE ZINSEN IN DEN USA
Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Arbeitsmarkt genau im Blick, da sie für Vollbeschäftigung und für stabile Preise sorgen soll. Sie hat den Leitzins zuletzt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Zugleich teilte sie jüngst mit, der Beschäftigungszuwachs sei weiter gering, und die Arbeitslosenquote zeige Anzeichen einer Stabilisierung. Die Inflation bleibe zugleich wie bisher etwas erhöht.
In der US-Notenbank hatten sich angesichts der hartnäckig hohen Teuerung zuletzt die Rufe nach einer Zinserhöhung vermehrt. Fed-Chef Kevin Warsh hat sich jedoch mit Blick auf den weiteren geldpolitischen Kurs bewusst bedeckt gehalten. Die Chance auf einen Zinsschritt nach oben im September wird nach den Arbeitsmarktdaten nur noch auf etwa 44 Prozent geschätzt. Zuletzt waren es noch 59 Prozent.
Die US-Jobdaten beschleunigten die Rally an den Aktienmärkten. Denn viele Börsianer setzen nun auf stabile Zinsen und sehen eine geldpolitische Straffung in den USA in weitere Ferne rücken. Der Dax sprang am Freitagnachmittag um 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 26.445,18 Punkten und die US-Futures weiteten ihre Gewinne ebenfalls aus. Der Dollar geriet unter Druck, im Gegenzug wertete der Euro ein halbes Prozent auf 1,1576 Dollar auf. Der Goldpreis weitete seine Gewinne deutlich aus und legte drei Prozent zu.
(Bericht von Lucia Mutikani, Mitarbeit von Klaus Lauer und Anika Ross, redigiert von Elke Ahlswede. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




