Vermögensverwaltung treibt Allianz - Zögern bei Prognose

Reuters · Uhr

München, 07. Aug (Reuters) - ⁠Das Geschäft mit Fonds und anderen Vermögensverwaltungs-Produkten hat den Münchner Versicherungsriesen Allianz im ersten Halbjahr angeschoben. Das operative Ergebnis stieg von Januar bis Juni um knapp neun Prozent auf den Höchstwert von 9,4 Milliarden Euro, wie die Allianz am Freitag mitteilte. "Die Maschine läuft auf allen Zylindern", sagte Vorstandschef Oliver Bäte in einer Telefonkonferenz. Der Versicherer will aber sein Ziel, in diesem Jahr ein operatives Ergebnis zwischen ‌16,4 und 18,4 (2025: 17,4) Milliarden Euro zu erreichen, noch nicht nach oben schrauben. Angesichts der Schwankungen an den Märkten sei es dafür zu früh, sagte Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre. Sie deutete aber an, dass die Allianz die obere Hälfte der ⁠Spanne ins Visier ⁠nimmt: "Die operativen Ergebnisse aller Geschäftsbereiche liegen über den Mittelwerten ihrer jeweiligen Gesamtjahresziele."

Besonders gut läuft es bisher im Asset Management mit den Vermögensverwaltern Pimco und Allianz Global Investors. Den beiden Fondsgesellschaften flossen von Januar bis Juni zusammen 84 Milliarden Euro zu, so viel wie nie in einem ersten Halbjahr - wobei die kleinere AllianzGI prozentual sogar mehr neues Geld anzog. Im zweiten Quartal lagen die Zuflüsse bei 39 Milliarden Euro. Für externe Kunden verwaltet die Allianz inzwischen 2,16 Billionen Euro, 171 Milliarden mehr als zum ‌Jahreswechsel. Die steigenden Aktienkurse trieben zudem die Erfolgsprovisionen nach oben, so dass ‌die Sparte den Gewinn um 16 Prozent steigerte.

Beim Nettogewinn blieb die Allianz im zweiten Quartal mit 2,60 (2,84) Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück. Die Analysten hätten nicht einkalkuliert, dass die Allianz rund eine halbe Milliarde Euro für Investitionen in die Zukunft in die Hand genommen habe, ⁠schrieb JPMorgan. Die Allianz hatte angekündigt, den im ersten Quartal verbuchten Gewinn aus dem Verkauf ihrer Joint Ventures mit der ‌indischen Bajaj ins Geschäft zu investieren. Das schlug sich in Abschreibungen ⁠auf IT nieder, die im Zuge der Modernisierung außer Dienst gestellt wurde. "Wir investieren in Künstliche Intelligenz, Prävention von Risiken und intelligentere Lösungen", sagte Bäte. Die Allianz-Aktie trat knapp unter ihrem Jahreshoch auf der Stelle.

Investiert hat die Allianz auch in ihr Asien-Geschäft: In Singapur kaufte sie binnen weniger Wochen für zwei Milliarden Euro den Lebensversicherer HSBC ‌Life von der britisch-chinesischen Bank HSBC und für 376 Millionen Euro ⁠den Vermögensverwalter UOB Asset Management von der United Overseas ⁠Bank. "Wir arbeiten seit zehn Jahren daran, das Geschäft dort zu stärken", sagte Bäte. "Aber die Preise in Asien waren lange Zeit zu hoch."

PREISDRUCK IM INDUSTRIEGESCHÄFT WÄCHST

Das Geschäftsvolumen stieg im ersten Halbjahr bereinigt um Zu- und Verkäufe um 4,3 Prozent auf 98,6 Milliarden Euro, im zweiten Quartal lag die Zuwachsrate sogar bei 5,7 Prozent. Darin spiegeln sich auch höhere Erträge in der Schaden- und Unfallversicherung wider. Sie erwirtschaftete von April bis Juni einen operativen Gewinn von 2,5 (2,3) Milliarden Euro, so viel wie noch nie in einem Quartal. Während das Geschäft mit Privatkunden brummt, hält sich die Allianz bei Industriekunden zurück. Vor allem in der Großindustrie bröckelten die Preise, sagte Bäte.

Trotz Ausgaben von 1,4 Milliarden Euro für den Rückkauf von eigenen Aktien ⁠stieg die Solvenzquote im ersten Halbjahr von 218 auf 225 Prozent. So hoch sei sie zuletzt 2019 gewesen, sagte der Vorstandschef.

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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