Volkswagen will in USA mit Pickups punkten - Audi-Vertriebschef wechselt in USA
Berlin, 07. Aug (Reuters) - Europas führender Autobauer Volkswagen krempelt seine US-Strategie um und will mit einem neuen Management dort und einer angepassten Produktstrategie durchstarten. Der bisherige Audi-Vertriebschef Marco Schubert wechsle in die USA und löse dort Kjell Gruner ab, der das Unternehmen verlasse, sagte ein mit dem Vorgang Vertrauter. Wachstumschancen sehe VW-Markenchef Thomas Schäfer bei Pickups und großen SUVs, beides renditeträchtige und in den USA stark gefragte Fahrzeuge, die der Konzern aus Wolfsburg bislang nicht im Angebot hat.
Der Insider sagte, Ziel sei es, den ersten Pickup noch in diesem Jahrzehnt auf den Markt zu bringen. Das Fahrzeug solle in den USA gebaut werden. Dort betreibt VW ein Werk in Chattanooga in Tennessee, in dem zuletzt die Fertigung des elektrischen ID.4 vorzeitig eingestellt wurde. Offen sei noch, ob VW das Fahrzeug selbst mit Hilfe von Zulieferern entwickle oder mit einem anderen Autobauer zusammenarbeite, sagte der Insider weiter. Eine Entscheidung solle in den kommenden Wochen und Monaten fallen. Ein VW-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.
Für eine Kooperation bei Pickups kommt vor allem Ford infrage. In Europa hatten die beiden Unternehmen 2020 eine weitreichende Zusammenarbeit vereinbart. So nutzt Ford die VW-Elektroplattform MEB für seine Modelle Explorer und Capri, die in Köln gebaut werden. Bei den Nutzfahrzeugen nutzt Ford die Technik des Caddy für seinen Tourneo. Der VW-Transporter baut dafür auf dem Ford Transit auf und wird wie dieser im türkischen Ford-Werk gebaut. Der VW-Pickup Amarok, der in Südafrika vom Band läuft, teilt sich die Basis mit dem Ford Ranger.
Bislang spielt Volkswagen auf dem US-Markt kaum eine Rolle. Die Wolfsburger kommen auf einen Marktanteil von vier Prozent und fahren der Konkurrenz mit Abstand hinterher. Das soll deutlich mehr werden. In der Vergangenheit hatte sich VW zeitweise zehn Prozent Marktanteil vorgenommen, diese Marke aber nie erreicht.
VW verfügt zwar über das Werk in Chattanooga, in dem das SUV Atlas und ein Derivat davon vom Band laufen. Kleinere Fahrzeuge wie der absatzstarke Tiguan, das SUV Taos oder die Limousine Jetta werden dagegen aus dem Werk in Mexiko importiert und unterliegen damit den Zöllen von US-Präsident Donald Trump. Die Modellpalette solle insgesamt überprüft werden, sagte der Insider. Offen ist, welche Modelle möglicherweise eingestellt werden.
(Bericht von Christina Amann, redigiert von Thomas Seythal)




