VW-Großaktionär Porsche SE pocht auf Einschnitte bei Volkswagen

Reuters · Uhr

Frankfurt, 07. Aug (Reuters) - ⁠Der VW-Großaktionär Porsche SE drängt aus Sorge um die Zukunft seiner Kernbeteiligung auf rasche Entscheidungen im Streit um Stellenabbau und Werksschließungen bei Volkswagen. Der Konzern stehe an einem historischen Wendepunkt, erklärte der Chef der Holding der Familien Porsche und Piech, Hans Dieter Pötsch, am Freitag. Alle Beteiligten müssten im Sinne ‌des Unternehmens und seiner Wettbewerbsfähigkeit Verantwortung übernehmen. "Je länger sich die Entscheidungen hinziehen, desto größer werden die Probleme." Das unternehmerisch und wirtschaftlich Gebotene stehe im Vordergrund. "Alles andere muss zurückstehen." VW-Chef Oliver Blume ⁠war Ende ⁠Juni im VW-Aufsichtsrat mit seinem strikten Kostensenkungsplan am Widerstand der Arbeitnehmervertreter und des Landes Niedersachsen gescheitert.

Das angepasste Konzernergebnis nach Steuern sank im ersten Halbjahr aufgrund der schwachen Entwicklung bei VW und der anderen Kernbeteiligung Porsche AG um 200 Millionen Euro auf 0,9 Milliarden Euro. Nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf VW und Porsche führten zu einem Nettoverlust von 2,2 Milliarden nach einem Plus von noch 300 ‌Millionen Euro vor Jahresfrist.

ZUKUNFT VON VW STEHT AUF DEM SPIEL

Bei ‌Volkswagen brach der Nettogewinn im ersten Halbjahr fast um ein Drittel ein, der Umsatz stagnierte. Die Sportwagentochter Porsche erzielte unterdessen ein Drittel Gewinnzuwachs gegenüber dem schwachen Vorjahreszeitraum. Während Porsche unter dem neuen Chef Michael Leiters ⁠etwa ein Jahr nach Start der Gespräche ein weiteres Sparpaket mit Stellenabbau auf den Weg brachte, ‌haben sich die Sozialpartner im VW-Konzern im Streit ⁠über harte Einschnitte festgefahren. Die Arbeitnehmer und das Land Niedersachsen durchkreuzten im Aufsichtsrat den zustimmungspflichtigen Plan von VW-Chef Oliver Blume, mit dem Überkapazität in Deutschland abgebaut werden soll.

Die Details dazu wurden nicht bekannt. Aber Blume stellte zuletzt weitere rund 50.000 Arbeitsplätze nach bereits ‌gestrichenen 50.000 weltweit und vier Werke in Deutschland infrage. ⁠Sollte das in die Tat umgesetzt werden, ⁠hätte die Kernmarke VW hierzulande nur noch das Stammwerk Wolfsburg als Montagefabrik. Der Betriebsrat und das Land wollen den Kahlschlag verhindern. Sie nutzen dafür ihre mit Satzung und VW-Gesetz verbürgten Mitspracherechte. Blume will jetzt bis Jahresende einen Konsens finden.

Die Porsche SE appellierte, die Blockade aufzugeben. "Bei den jetzt anstehenden Entscheidungen geht es um die Zukunft von Volkswagen", sagte Pötsch. Porsche-SE-Finanzchef Johannes Lattwein erklärte, die Holding stehe als VW-Mehrheitsstammaktionär hinter den Vorschlägen des Konzernvorstands. Überkapazitäten müssten abgebaut, Kostenstrukturen substanziell zurückgefahren und der Konzern strukturell entscheidungs- und handlungsfähiger werden. "Das Ziel ist Wettbewerbsfähigkeit. Auf dem Weg ⁠dahin darf es keine Denkverbote geben." Andernfalls laufe VW Gefahr, im internationalen Wettbewerb dauerhaft ins Hintertreffen zu geraten.

(Bericht von Ilona Wissenbach, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung ‌unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

Artikel teilen:

Das könnte dich auch interessieren

Berenberg sieht viele Herausforderungen
Autowerte unter Druck - Auch BMW ins Minus gedrehtgestern, 09:19 Uhr · dpa-AFX
Autowerte unter Druck - Auch BMW ins Minus gedreht
Chinesischer Autohersteller
BYD will auch Lkw in Europa produzieren - "europäisches Unternehmen"14. Sept. · Reuters
Ein BYD-Autohaus ist zu sehen.
Verluste im Chip-Sektor
KI-Bedenken belasten Dax-Titel - Halbleiterwerte im Minus14. Sept. · dpa-AFX
Infineon Headquarter Germany
Plus-Analysen
Teures Öl und steigende Zinsen
Die besten Investments für ein Anti-Inflations-Depotgestern, 12:02 Uhr · onvista
Mehrere Faktoren belasten
Bei Gold wird es erst schlimmer, bevor es besser wird15. Sept. · onvista