
Neue Hoffnungen auf eine Lösung im Iran-Krieg haben dem Dax am Dienstag ein weiteres Rekordhoch beschert. Erstmals in seiner Geschichte kletterte der deutsche Leitindex über die Marke von 26.500 Punkten, nachdem er erst in der Woche zuvor die Marke von 26.000 Zählern übersprungen hatte.
Die Marktteilnehmer balancierten weiter zwischen Krisenmodus und Rekordlaune und hätten sich aktuell für Letzteres entschieden, resümierte Marktanalyst Timo Emden von Captrader. Unterstützung kam einmal mehr von sinkenden Ölpreisen. Zuvor hatte Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif gesagt, dass die Signale der vergangene Tage darauf hindeuteten, dass die USA und der Iran "kurz vor einer Art Einigung stehen".
Letztlich ging das deutsche Börsenbarometer mit einem Plus von 0,26 Prozent auf 26.391 Zählern aus dem Tag. Der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,08 Prozent auf 32.224 Punkte nach.
Für den Dax fasste Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank den starken Lauf seit Ende Juli so zusammen: Ein gutes Gewinnwachstum der Dax-Unternehmen, gepaart mit moderaten Bewertungen und zurückhaltender Anlegerstimmung hätten ein "konstruktives Umfeld" erzeugt.
KI-nahe Werte wieder mit starken Gewinnen
In der Gesamttendenz zunehmend gefragt waren am Dienstag die Aktien mit KI-Fantasie, wie Infineon und Siemens Energy als größte Dax-Gewinner zeigten. Dem konnten einige Unternehmen aus dem MDax und SDax folgen, die im Bereich der Chipindustrie als Ausrüster aktiv sind. Titel von Suss Microtec, Aixtron und PVA Tepla legten am Nachmittag zwischen 2,4 und 5,2 Prozent zu.
Individuell stark im Fokus standen die Aktien von PNE wegen eines Kursabsturzes um fast 20 Prozent. Anleger quittierten damit einen erfolglosen Versuch des Energieprojektentwicklers, für sich selbst einen Käufer zu finden. Wie es hieß, lagen die Preisvorstellungen etwaiger Kandidaten unterhalb des derzeitigen Börsenkurses.
Die Saison der Unternehmensberichte hatte einige Nebenwerte zu bieten, darunter Immobilienunternehmen. Ein operativ überzeugendes erstes Halbjahr konnte dem Kurs von TAG Immobilien nur wenig Schwung geben, doch Patrizia gehörten im SDax mit 3,1 Prozent Plus zur Favoritengruppe. Der Kurs des Immobilien-Vermögensverwalters erreichte dank einer kräftigen Gewinnsteigerung ein Vierwochenhoch.
OHB dank baldiger SDax-Aufnahme stark
Der Salzgitter-Kurs kam mit minus 1,6 Prozent unter Druck. Der Stahlkonzern hatte finale Zahlen mit enttäuschenden Details vorgelegt. Wie Analyst Dominic O'Kane von JPMorgan schrieb, verfehlte die Stahlfertigung wegen höherer Kosten die Erwartungen. Unter den weiteren Unternehmen mit vorgelegten Zahlen gaben die Titel der Norma Group um rund ein Prozent nach. Das Feedback war hier eigentlich gut, doch bei den Aktien kam es auf dem höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren zu Gewinnmitnahmen.
Titel von OHB stiegen um 5,6 Prozent nach der Nachricht, dass das Raumfahrtunternehmen in Kürze im SDax den Platz des Stahlhändlers Klöckner & Co einnimmt, der wegen der Übernahme durch Worthington Steel ausscheidet.
Wenig Bewegung bei Gold und Euro
Der Euro bewegte sich unterdessen so gut wie nicht. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung 1,1540 US-Dollar. Sie bewegte sich so auf dem Niveau aus dem frühen Handel. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1540 (Montag: 1,1555) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8665 (0,8654) Euro.
Auch beim Edelmetall Gold gab es keine größeren Kursausschläge. Am Dienstagnachmittag verlor der Preis des Edelmetalls 0,4 Prozent, eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete damit 4.385 US-Dollar. Gleichwohl rangierte der Preis nach der zuletzt starken Erholung weiter auf dem höchsten Niveau seit Anfang Juni.
(mit Material von dpa-AFX)



