Hannover Rück erwartet Rekordgewinn trotz Preisverfall

Der Rückversicherer Hannover Rück rechnet trotz des anhaltenden Preisverfalls im Kerngeschäft weiter mit einem Rekordgewinn im laufenden Jahr. Vorstandschef Clemens Jungsthöfel peilt nach wie vor einen Überschuss von mindestens 2,7 Milliarden Euro an. Anders als der deutlich größere Rivale Munich Re weitete die Hannover Rück ihr Geschäft bei der Vertragserneuerung zum Sommer sogar deutlich aus - und sieht sich gegenüber ihren großen Wettbewerbern im Vorteil.
An der Börse wurden die Neuigkeiten vom Mittwoch zunächst positiv aufgenommen. Die Hannover-Rück-Aktie gewann am Vormittag zeitweise anderthalb Prozent. Zuletzt gehörte sie mit einem Plus von einem halben Prozent auf 251,60 Euro noch zu den stärkeren Titeln im Dax.
Rückversicherer wie die Hannover Rück und die größeren Anbieter Swiss Re und Munich Re müssen nach jahrelangen Prämienerhöhungen im Geschäft mit Erstversicherern wie Allianz und Generali seit vergangenem Jahr sinkende Preise hinnehmen. Bei den branchenweiten Vertragserneuerungen im Schaden- und Unfallgeschäft zum 1. Januar und 1. April waren die Preise bereits merklich gesunken.
Bei den jüngsten Erneuerungsrunden zum 1. Juni und 1. Juli musste auch die Hannover Rück einen noch stärkeren Rückgang verkraften. Bereinigt um Inflation und veränderte Risiken sanken die Preise der Hannover Rück um 4,5 Prozent - und damit nicht ganz so stark wie bei den großen Rivalen. Alle Erneuerungsrunden seit Anfang 2026 zusammengerechnet liegt der Preisrückgang des Konzerns damit bei 3,9 Prozent.
Während die Munich Re ihr erneuertes Geschäft zuletzt deshalb um neun Prozent zurückfuhr, baute die Hannover Rück ihr Volumen sogar um gut zwölf Prozent aus. Finanzvorstand Christian Hermelingmeier betonte, dass der Rückversicherer aus Niedersachsen dabei nicht nur auf Marktanteile schielt: "An unserer Geschäftspolitik hat sich nichts geändert. Wir zeichnen Geschäft, wenn es unsere Mindestmargen in den jeweiligen Sparten erfüllt."
Munich-Re-Chef Christoph Jurecka hatte vergangene Woche betont, dass sein Konzern bewusst auf Geschäft verzichte, "für das wir keine risikoadäquaten Preise erhalten". Für die Hannover Rück rechnen sich manche Preise aus Sicht von Hermelingmeier trotzdem - dank der geringeren Verwaltungskosten des Unternehmens. Die Kostenquote der Hannover Rück liege "bei der Hälfte unserer Wettbewerber", sagte er.
Während die Munich Re wegen des Preiskampfs ihre Umsatzprognose für 2026 kappte, hält die Hannover-Rück-Spitze es weiterhin für erreichbar, den Umsatz im traditionellen Schaden- und Unfallgeschäft im laufenden Jahr währungsbereinigt um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zu steigern. Dazu soll auch der jüngste Geschäftsausbau beitragen.




