Leitindex verliert leicht – RWE legt knapp drei Prozent zu

Nach dem jüngsten Rekordlauf hat der Dax am Donnerstag an Schwung eingebüßt und letztlich mit leichten Verlusten geschlossen. Die moderaten Tagesgewinne bröckelten zunehmend ab, bis der deutsche Leitindex den Tag mit minus 0,12 Prozent auf 26.299 Punkten beendete.
"Für viele Marktteilnehmer scheint die derzeitige Gemengelage eine willkommene Gelegenheit zu sein, um Kasse zu machen", sagte Marktanalyst Timo Emden von Captrader. Eine Konsolidierung hält er zwar angesichts der ambitionierten Kurshöhen für "mehr als gesund", ist jedoch skeptisch, da Gewinnmitnahmen im größeren Stil bislang ausgeblieben sind. "Die Investoren balancieren im Irankrieg weiterhin auf einem schmalen Grat zwischen Friedensfantasie und geopolitischem Glatteis."
Zudem dürfte die Berichtssaison hierzulande nach wie vor stützen. Die Deutsche Bank zog ein positives Fazit, da 70 Prozent der Dax-Unternehmen die Erwartungen übertrafen und das Gewinnwachstum das größte seit mindestens dem ersten Quartal 2024 ist. Kombiniert mit verbesserten Konjunkturdaten und dem Reformpaket der Regierung sollte dies für ein weiterhin positives Stimmungsbild bei deutschen Aktien sorgen, hieß es.
Der MDax, der Index der mittelgroßen Börsenwerte, schloss am Donnerstag 0,22 Prozent tiefer auf 32.265 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50, der wie der Dax tags zuvor eine Bestmarke erzielt hatte, rettete ein Plus von 0,18 Prozent auf 6.545,47 Punkte in den Feierabend. Auch in der Schweiz wurden leichte Gewinne verbucht.
In London dagegen ging es abwärts. In New York schwächelte außerdem der Dow Jones zum Börsenschluss in Europa etwas, während die technologielastigen Nasdaq-Indizes deutlich zulegten.
RWE und Rheinmetall stützen den Dax
In Deutschland lag der Zahlenfokus am Donnerstag stark auf Nebenwerten. Aus dem Dax konnte nur der Versorger RWE mit finalen Zahlen aufwarten, die ohne große Neuigkeitsgehalt blieben. Mit etwa drei Prozent Plus schafften es die Aktien unter die Dax-Favoriten.
Zudem schnellten die im SDax enthaltenen Titel von Vincorion um 9,9 Prozent nach oben, weil der Rüstungszulieferer etwas optimistischer auf den Jahresumsatz blickt.
Klarheit statt Verunsicherung: Politik setzt VW unter Druck
Außerdem im Fokus stand am Donnerstag die Aktie von VW. Im Streit über mögliche Werksschließungen hat der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies Klarheit von dem Autobauer gefordert. "Wir brauchen jetzt Klarheit, die Verunsicherung muss aufhören", sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen mit der Oberbürgermeisterin und den Oberbürgermeistern der VW-Standorte Osnabrück, Braunschweig, Emden, Hannover, Salzgitter und Wolfsburg.
Die Volkswagen-Aktien mussten am Donnerstagabend einen Rücksetzer hinnehmen und gaben um 1,3 Prozent nach.
Lies betonte, er erwarte, dass Volkswagen sich mit möglichen anderen Wachstumsfeldern für Standorte befasse, wo die Automobilproduktion nicht fortgeführt werden könne: "Nichts anderes ist akzeptabel." Er sprach etwa von Rüstung, humanoiden Robotern und Drohnen. Auch könnten Automodelle, die in China entwickelt und gebaut würden, auch in Deutschland gebaut werden.
Alle Anteilseigner und der Vorstand müssten das Ziel verfolgen, Industriestandorte in Deutschland und Niedersachsen zu stabilisieren.
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(mit Material von dpa-AFX)



